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30.07.2010 A.T. Kearney Service-Kompetenz Industrie-Kompetenz Veröffentlichungen Veranstaltungen Karriere

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A.T. Kearney-Studie: Die Finanzkrise führt zu einer Reduktion des Gesamtenergieverbrauchs und CO2-Emissionsniveaus in Deutschland und Europa - Definition neuer CO2-Reduktionziele nötig – EU kann Vorreiterrolle übernehmen
Wirtschaftskrise tut dem Klima gut

Düsseldorf, 04. Dezember 2009

Durch die aktuelle Wirtschaftskrise reduzieren sich die CO2-Emissionen in Deutschland und Europa, was ein Überdenken der EU-Klimaziele notwendig macht. Vor allem durch die krisenbedingte Reduktion der Industrieproduktion und den sinkenden Energieverbrauch wird der CO2-Ausstoß in der EU-27 im Jahr 2020 um bis zu 6,1 Prozent niedriger ausfallen, als vor der Krise prognostiziert. Analog dazu werden in Deutschland die Emissionen um bis zu 4,4 Prozent zurückgehen. Das derzeit im Rahmen des UN-Klimagipfels in Kopenhagen diskutierte EU-Ziel einer 30-prozentigen Reduktion der CO2-Emissionen wird dadurch mit einem möglichen Rückgang von 32 Prozent sogar übererfüllt. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor. Vor diesem Hintergrund sollte die EU ihr Klimaziel von 30 Prozent weiter verfolgen und umsetzen – auch unabhängig von den Zielen der anderen Länder der internationalen Staatengemeinschaft. Für die EU ergibt sich damit die Möglichkeit, ihre Vorreiterrolle in puncto Klimaschutz weiter auszubauen, aber auch ihre Position im Bereich von Umwelttechnologien und bei der Entwicklung exportfähiger Energiesystemlösungen weiter zu stärken.

Während der Primärenergiebedarf in der EU-27 seit 1990 jährlich um durchschnittlich 0,8 Prozent gestiegen ist, sind die CO2-Emissionen jährlich um 0,5 Prozent von 5.410 auf 4.959 Millionen Tonnen gesunken. Die Wirtschaftsleistung ist hingegen mit durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr gewachsen. „Bedingt durch die zunehmende Bedeutung der Service-Industrien und Maßnahmen zur Energieeffizienz hat in den 90er Jahren in Europa eine teilweise Entkopplung von Energieverbrauch und Wirtschaftswachstum stattgefunden“, sagt Dr. Matthias Cord, Partner und Leiter der europäischen Utilities Practice bei A.T. Kearney: „Besonders stark zeigt sich diese Entwicklung in Deutschland: Hier wuchs die Wirtschaftsleistung seit 1990 um jährlich durchschnittlich 1,8 Prozent, der Energieverbrauch fiel hingegen um 0,3 Prozent. Im selben Zeitraum ist in Deutschland auch der CO2-Ausstoß durchschnittlich um 1,3 Prozent pro Jahr zurückgegangen.“

Finanzkrise senkt nachhaltig den Energiebedarf

Die derzeitige Wirtschaftskrise hat in Deutschland und in Europa bereits zu einem Rückgang des Energiebedarfs geführt. Die „Delle“ im deutschen und europäischen Energieverbrauch wird aber auch nach dem Ende der Krise nicht vollständig ausgeglichen sein, sondern bis 2020 zu einem geringeren Verbrauch führen, als noch vor der Krise angenommen. Hauptursachen hierfür sind neben dem starken Einbruch Ende des Jahres 2008 und im laufenden Jahr 2009 die eher niedrig ausfallenden Wachstumsprognosen für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland und Europa nach der Krise.

Gemessen am Niveau von 2007 könnte der Energiebedarf der EU-27 krisenbedingt bis 2020 in den beiden in der Studie untersuchten Szenarien um 2 Prozent (Base Case) leicht ansteigen bzw. um 10,1 Prozent (Green Case) sinken. „Verglichen mit Prognosen ohne Berücksichtigung der Finanzkrise, bedeutet dies in der EU-27 einen im Jahr 2020 um 7,7 bzw. 8,7 Prozent geringeren Energieverbrauch. In Deutschland wird der Energieverbrauch im Jahr 2020 um 4,5 bzw. 9,9 Prozent niedriger sein als ohne die Krise “, so Cord.

Krise trägt zu Erreichung europäischer Klimaziele bei

„Unsere Studie macht deutlich, dass sich die Wirtschaftskrise positiv auf die Erreichung der bisher definierten Klimaziele auswirkt“, sagt Kurt Oswald, Principal bei A.T. Kearney und Autor der Studie: „Durch die Krise wird der CO2-Ausstoß in der EU-27 im Jahr 2020 um 4,3 bis 6,1 Prozent niedriger ausfallen, als vor der Krise prognostiziert. Für Deutschland fällt der Effekt mit einer geringeren CO2-Emission von 1,2 bis 4,4 Prozent etwas schwächer aus.“

„Das derzeit für Kopenhagen diskutierte EU-Ziel einer 30-prozentigen Reduktion der CO2-Emissionen gegenüber dem Niveau von 1990 wird durch die Finanzkrise erreichbar, ohne die Krise wäre das kaum möglich gewesen. Unseren Berechnungen zufolge kann das Ziel mit einer Reduktion von 32 Prozent sogar übererfüllt werden“, sagt Oswald: „Vor diesem Hintergrund sollte die EU ihr Klimaziel von 30 Prozent realisieren – auch unabhängig von den Zielen der anderen Länder der Staatengemeinschaft, und auch, wenn die schwierigen Verhandlungen zur Erreichung eines übergreifenden 20-Prozent-Zieles scheitern sollten. Die EU hat jetzt die Chance, ihre Vorreiterrolle beim Klimaschutz weiter auszubauen“, so Oswald.

Deutschland wird das 40-Prozent-Ziel den beiden in der Studie betrachteten Szenarien zufolge mit 35,4 (Base Case) versus 39,3 Prozent (Green Case) nur knapp verfehlen. Allerdings könnte eine derzeit diskutierte Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke die bis 2020 notwendige weitere Emissionsreduktion zu Erreichung des 40-Prozent-Zieles möglich machen.

Ausbau der Positionierung im Bereich Umwelttechnologie

„Neben der Stärkung der klimapolitischen Stellung sollte die EU aber auch ihre Positionierung im Bereich von Umwelttechnologien und der Entwicklung exportfähiger Energiesystemlösungen weiter ausbauen“, rät Oswald. Dazu zählen die bisher in der EU und in Deutschland beschlossenen Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen und zur Steigerung der Energieeffizienz. Aber auch die Integration von energiepolitischen Einzelmaßnahmen und Initiativen wie die Förderung erneuerbarer Energien und KWK-Anlagen, Smart Grid, dezentrale Erzeugung, Energiespeicherung und Elektromobilität tragen zur Realisierung von Synergieeffekten bei. Diese Maßnahmen unterstützen zudem den Aufbau der Systemkompetenz innerhalb der EU und sichern den Vorsprung Deutschlands bei der Entwicklung exportfähiger Systemlösungen.

„Trotz der absehbar positiven Effekte der derzeitigen Wirtschaftskrise auf die Entwicklung der CO2-Emissionen und die Erreichung der Klimaziele ist es wichtig, dass die Politik ihren umweltpolitischen Kurs auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld weiter verfolgt und die Technologiekompetenz ausbaut“, stellt Cord zusammenfassend fest.

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