A.T. Kearney stellt CPO Club Risk Index vor: Wirtschaftlicher Abwärtstrend leicht abgeschwächt, jedoch keine wirtschaftliche Trendwende in Sicht - Mittel- und langfristige Strategien zur Absicherung von Preisen und der Lieferung von Materialien erforderlich Unternehmen droht Gefahr durch finanzielle Schieflage von Lieferanten Düsseldorf, 07. April 2009
Finanzprobleme und Insolvenzen bedeutender Lieferanten sowie die schlechten Wachstumsprognosen für die ehemals schnell wachsenden Märkte Russland und Osteuropa lassen die Einkaufsabteilungen europäischer Konzerne skeptisch in die Zukunft blicken. Es drohen enorme Versorgungsrisiken durch die Insolvenz kritischer Lieferanten. Dies geht aus dem aktuellen CPO Club Risk Index hervor, der vierteljährlich von A.T. Kearney ermittelt wird und für den Einkaufsleiter (CPO) europäischer Unternehmen befragt wurden. 57 Prozent der befragten Einkaufsleiter gaben an, dass die anhaltende Verschlechterung der Finanzsituation ihrer Lieferanten sich negativ auf die eigene Geschäftssituation auswirkt. Die Einschätzungen und Erwartungen der CPOs zu einkaufsrelevanten Fragestellungen fungieren dabei auch als Seismograf für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung. Nach Indexständen von minus 23 und minus 52 Punkten im vergangenen Jahr, liegt der aktuelle CPO Club Risk Index bei minus 14 Punkten und unterstreicht damit das weiterhin negative Stimmungsbild. Der leicht abgeschwächte Abwärtstrend ist insbesondere auf die sinkenden Materialkosten infolge fallender Rohstoffpreise zurückzuführen, die sich positiv auf das Unternehmensergebnis auswirken. Anzeichen einer wirtschaftlichen Trendwende gibt es jedoch noch nicht.
„Die Untersuchung zeigt, dass die wirtschaftliche Situation generell angespannt bleibt und ein besonderes Risiko von insolvenzgefährdeten Lieferanten ausgeht“, sagt Jules A. Goffre, Partner bei A.T. Kearney und Leiter der funktionalen Practice Supply Management: „Über alle Märkte hinweg werden die Bedenken bezüglich der finanziellen Gesundheit der Unternehmen stärker, was allmählich zu einem steigenden Risiko von Entlassungen und innerbetrieblichen Diskontinuitäten sowie einem Konsumrückgang infolge der steigenden Arbeitslosigkeit führt.“
Auch die Wachstumsprognosen sind bescheiden und deuten nicht auf einen baldigen Aufschwung hin. Insbesondere die Erwartungen an Russland haben sich aufgrund der Wirtschaftskrise deutlich abgeschwächt.
Lieferantenbasis:Der CPO Club Risk Index weist im ersten Quartal 2009 auf folgende Trends hin: Eine Mehrheit (57 Prozent) der befragten Experten gab an, dass sie eine anhaltende Verschlechterung der Finanzsituation der Lieferanten sehen und sich diese negativ auf das eigene Unternehmen auswirkt. Fehlende Investitionen wurden von 43 Prozent der Befragten genannt. Lediglich 5 Prozent sehen hier Verbesserungen im Lauf des vergangenen Quartals. Veränderungen bei der weltweiten Lieferantenabdeckung sowie der Führungsstruktur sind hingegen Bereiche, die sich aus Einkaufssicht für jeweils 24 Prozent der Befragten in den letzten Monaten verbessert haben.
Verfügbarkeit von Inputfaktoren und Kostenentwicklung:Positive Auswirkungen auf die Geschäftslage sehen die befragten Einkaufsleiter allein in den sinkenden Materialkosten infolge fallender Rohstoffpreise. Der wirtschaftliche Abschwung konnte den Preisdruck der Inputfaktoren abschwächen. So haben sich die gesunkenen Rohstoffpreise und die verbesserte Verfügbarkeit von Rohstoffen auf das Marktumfeld von 90 beziehungsweise 81 Prozent der befragten Unternehmen positiv ausgewirkt. Wachsende Fluktuationen der Währungen haben knapp die Hälfte der befragten Unternehmen (45 Prozent) hingegen negativ beeinflusst.
Geopolitische Trends:Eine erhebliche Verschlechterung sehen die befragten Einkaufsleiter in Russland. 74 Prozent gaben an, dass ihre eigene Geschäftssituation in den letzten drei Monaten von den wirtschaftlichen Problemen in Russland negativ beeinflusst wird. Negative Tendenzen gibt es bezüglich Osteuropa (30 Prozent), China (37 Prozent) und Lateinamerika (32 Prozent). Allerdings erwarten 16 Prozent der Befragten leichte Verbesserungen in Indien.
Finanzstabilität:Auch beim Thema Finanzstabilität sind Verschlechterungen spürbar. Insbesondere die Situation in den westlichen Industrienationen wie den USA (67 Prozent), Großbritannien (63 Prozent) und der Eurozone (45 Prozent) sowie Russland (67 Prozent) und Osteuropa (42 Prozent) sorgt bei den befragten Einkaufsleitern für viel Kopfzerbrechen. Eine Stagnation herrscht lediglich in China und Brasilien vor, in Indien ist ein leichter Aufwind spürbar.
Globale Wachstumstrends:Der CPO Club Risk Index zeigt zudem, dass eine negative globale Entwicklung aufgrund der düsteren Wachstumsprognosen in den westlichen Industrienationen und Russland erwartet wird. Insbesondere aufgrund der Lage in den ehemals schnell wachsenden Märkten wie Russland und Osteuropa gehen derzeit 83 beziehungsweise 53 Prozent der Befragten von deutlichen Wachstumseinbußen und negativen Auswirkungen auf ihre Geschäftssituation aus.
Mittel- und langfristige Strategien entwickeln
„Unsere Untersuchung zeigt, dass es für die Unternehmen jetzt unerlässlich ist, die aktuelle Situation zur eigenen Stärkung zu nutzen. Unternehmen sollten daher nicht nur auf eine kurzfristige Optimierung der Kostenposition setzen, sondern vor allem den Weg einer nachhaltigen Restrukturierung einschlagen. Für eine langfristige Erfolgssicherung gilt es, kurzfristig notwendige Maßnahmen mit strategischen Entscheidungen zu verbinden“, empfiehlt Goffre.
„Da sich die wirtschaftliche Situation und damit einhergehend die Nachfrage wieder beleben wird, sollten bereits jetzt schon die Weichen gestellt werden“, ergänzt Ramón Romero Pérez, Manager bei A.T. Kearney: „Denn erstmals seit einem halben Jahr hat sich der CPO Club Risk Index wieder leicht verbessert. Wir empfehlen Unternehmen daher nicht nur die aktuell fallenden Rohstoffpreise auszuschöpfen, sondern auch mittel- und langfristige Strategien zur Absicherung von Preisen und Lieferung von Materialien zu entwickeln.“
Über den CPO Club Risk Index
Der CPO Club Risk Index misst die Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung für den Einkauf auf einer Skala von minus 100 bis plus 100. Ein Indexwert über Null signalisiert eine verbesserte, ein Indexwert unter Null eine verschlechterte Einschätzung. Der Index umfasst die vorherrschenden wirtschaftlichen Erwartungen und Trends im Vergleich zum vergangenen Quartal und deckt fünf zentrale Bereiche ab: Lieferantenbasis, Verfügbarkeit von Inputfaktoren und Kostenentwicklung, geopolitische Trends, Finanzstabilität sowie globale Wachstumstrends. Letztere zeigen an, ob die Wachstumstendenzen in einzelnen geografischen Bereichen die Wirtschaftsentwicklung fördern oder hemmen.
Der CPO Club Risk Index wird von A.T. Kearney und dem MBA Institut mit Sitz in Paris quartalsweise ermittelt und spiegelt die wirtschaftlichen Erwartungen eines Panels von rund 40 Einkaufsleitern weltweit tätiger Konzerne mit Sitz in Europa wider. Diese operieren in sämtlichen bedeutenden Industrie- und Dienstleistungsbereichen und verfügen über einen aggregierten Umsatz von über 1,2 Billionen Euro.
„Mit dem CPO Club Risk Index haben wir einen leicht zu interpretierenden Index geschaffen, der wesentliche wirtschaftliche Indikatoren abbildet, ohne jedoch eine weitere datengetriebene und vergangenheitsbezogene Messgröße zu sein. Aus diesem Grund stützen wir uns auf Expertenaussagen. Prädestiniert hierfür sind für das Beschaffungswesen zuständige Vorstände weltweit operierender Konzerne“, sagt Clive Gallery, Direktor des MBA Instituts.