3. SITP Winter Summit Grindelwald 2009
"Kämpferisch in der Krise" - CIOs schauen optimistisch in die Zukunft

Düsseldorf, 27. Februar 2009
Der 3. CIO Summit der Top-Managementberatung A.T. Kearney im schweizerischen Grindelwald zeigte Aufbruchsstimmung anstelle von Resignation vor der Krise. Zum wiederholten Male nutzen CIOs führender Unternehmen wie Volkswagen, Porsche, E.ON, EnBW, Evonik, SÜD-Chemie oder Siemens-Bosch-Hausgeräte dieses Event, um sich mit ihren Kollegen, Geschäftsführern von globalen IT-Dienstleistern und den Experten von A.T. Kearney über aktuelle Herausforderungen auszutauschen. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem auch, die Weichenstellungen für die kommenden zwölf Monate zu diskutieren. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von dem Handelsblatt-Redakteur Joachim Hofer.
Die weltweite Finanzkrise hat mittlerweile auch die IT-Budgets der Unternehmen erreicht: die Kürzungen liegen meist zwischen 15 und 30 Prozent. Aufgrund großer Fixkostenblöcke im IT-Budget treffen die Einsparungen vor allem die flexiblen Projektbudgets, wobei typischerweise das Projektportfolio bereits um 20 bis 25 Prozent reduziert wurde. Angesichts dieser Kürzungen wäre eigentlich Pessimismus zu erwarten, jedoch zeigen sich die CIOs kämpferisch und erwarten, dass die Krise schnell überwunden werden kann: Die langfristigen "Bebauungspläne" bleiben auf der Agenda und es wird nur kurz auf die Krise reagiert. Differenzierung ist gefragt anstelle eines allgemeinen Budget-Caps: "Nicht mit dem Rasenmäher über alle Projekte gehen, sondern gezielt einzelne Projekt streichen oder reduzieren", bringt ein Teilnehmer die aktuelle Situation auf den Punkt.
Einige Manager sehen durch die aktuelle Krise aber auch die Chance in Unternehmen jetzt durchzusetzen, was vor der Krise nicht möglich war. Dies geht sogar so weit, dass aus entsprechenden Blickrichtungen die Krise sogar positive Effekte mit sich bringt: mitunter wird die aktuelle Situation sogar als Chance angesehen, da plötzlich wieder qualifiziertere Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und es offene Ohren für neue Entscheidungsstrukturen gibt.
Der zentrale Fokus der meisten Unternehmen liegt jedoch auf weiterer Konsolidierung der Lieferantenbeziehungen und dem Aufbau einiger weniger - aber dafür strategisch verlässlicher - Partnerschaften. Die Richtung scheint klar: in Zukunft werden einzelne Unternehmen deutlich weniger Lieferanten besitzen und die Krise nutzen, um Lieferantenbeziehungen neu aufzustellen. Allgemein ist man von dieser Fokussierung überzeugt und hat längst erkannt, dass sich gute Partnerschaften in der Krise auszahlen und gute Partner zur Reduzierung der Preise und Diskussion über Finanzierungsmöglichkeiten offen sind.
Viele CIOs sehen die Krise jedoch auch als weiteren Motor für Outsourcing, da besonders in volatilen Marktsituationen die Umwandlung von fixen in variable Kosten notwendig ist. So werden große Veränderungen in der Unternehmenswelt durch die Krise und eine gesteigerte Rolle der IT zur Bewältigung der Krise erwartet. Die Krise hilft dabei alle Unternehmensaktivitäten zu durchleuchten und zu hinterfragen, ob bestimmte Arbeiten nicht von einem Dienstleister erbracht werden können und wie die IT dazu genutzt werden kann, Geschäftsrisiken noch schneller zu erkennen.
Von den IT-Lieferanten werden in diesen Zeiten eine besonders hohe Flexibilität und mehr Risikobereitschaft erwartet. "Viele Kunden fragen bei Projekten bereits nach finanzieller Unterstützung", sagt der CEO eines globalen IT-Dienstleisters.
Auch wenn die CIOs zur besseren Bewältigung der Finanzkrise noch einzelne Wünsche an die Politik wie zum Beispiel mehr Flexibilität im Arbeitsrecht formulieren und mit einem Augenzwinkern eine "IT-Abwrackprämie" fordern, so blicken sie dennoch recht optimistisch in die Zukunft und erwarten, dass sie beim 4. CIO Summit im nächsten Jahr zurückblicken und bestätigen können, dass vieles auf die Beine gestellt wurde, was ohne die Krise nicht möglich gewesen wäre. |