A.T. Kearneys Global Business Policy Council veröffentlicht Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index 2007: Nachhaltigkeit gewinnt bei Investitionsentscheidungen zunehmend an Bedeutung
Weltweite Auslandsinvestitionen werden grün

Düsseldorf, 11. Januar 2008
Der Trend zur Nachhaltigkeit hat sich weltweit als feste Größe im Investitionsverhalten globaler Unternehmen etabliert. Dies geht aus dem aktuellen Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor, der auf einer Befragung von Vorständen und Top-Managern der 1.000 weltweit größten Unternehmen basiert. 66 Prozent der befragten Top-Manager sehen den Zugang zu den Energieressourcen der Erde als die größte Herausforderung der kommenden 20 Jahre an. Mit 55 Prozent nahezu ebenso wichtig ist den Unternehmen das Thema Klimawandel – mit entsprechend hoher Relevanz für die Planung zukünftiger Investitionen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die Immobilienkrise in den USA in Summe nicht wie befürchtet dazu geführt hat, dass Unternehmen ihre weltweiten Direktinvestitionen in ausländische Märkte zurückgefahren haben.
China und Indien nehmen auch 2007 als Zielländer für Auslandsinvestitionen (FDI) mit großem Abstand die Spitzenpositionen ein, gefolgt von den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Hongkong. Deutschland belegt im Interesse ausländischer Investoren den zehnten Rang. Dabei spielt insgesamt für institutionelle Anleger weltweit das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle: 66 Prozent der befragten Top-Manager sehen in diesem Zusammenhang den Zugang zu den Energieressourcen der Erde als die größte Herausforderung der kommenden 20 Jahre. Mit 55 Prozent fast ebenso wichtig ist den Verantwortlichen das Thema Klimawandel. Hinzu kommen Themen wie der Wettbewerb für Rohstoffe außerhalb des Energiebereiches (47 Prozent), die Umweltverschmutzung in den Entwicklungsländern (44 Prozent) sowie die ungleiche Verteilung von Einkommen und Wohlstand zwischen Industrie- und Entwicklungsländern (38 Prozent).
„Die Ergebnisse des
FDI Confidence Index 2007
belegen, dass Investoren zunehmend auch die Umweltbedingungen in ihre Standortwahl mit einbeziehen. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer ganzheitlichen Betrachtung von Investitionen, die weit über eine reine Kostensicht hinausgeht“, sagt Dr. Otto Schulz, Vice President bei A.T. Kearney und Leiter der Sustainability-Practice in Zentraleuropa.
Die meisten global agierenden Unternehmen sind sich ihrer eigenen großen Verantwortung durchaus bewusst: 53 Prozent haben bereits Programme gestartet, die ökologische und energieeffiziente Organisation, Produkte und Technologien fördern. Außerdem haben bereits 34 Prozent der Unternehmen formelle schriftliche Nachhaltigkeitsvereinbarungen getroffen, die nachweislich auch im Geschäftsbetrieb angewendet werden.
Trotz allem Enthusiasmus geben 15 Prozent der Unternehmen zu, dass der Erfolg ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen noch nicht umfassend gemessen wird. Zudem kontrollieren lediglich 25 Prozent der globalen Investoren den Return on Investment ihrer Nachhaltigkeitsinitiativen – und das, obwohl 70 Prozent davon ausgehen, dass die entsprechende Kapitalverzinsung bei 10 bis 40 Prozent liegen wird.
„Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt bei Investitionsentscheidungen zunehmend an Bedeutung”, sagt Dietrich Neumann, Zentraleuropachef von A.T. Kearney: „Die Unternehmen sehen in der Zwischenzeit zunehmend signifikante Umsatzchancen in Nachhaltigkeitsinitiativen. Sie steuern und kontrollieren diese Initiativen aber noch nicht konsequent genug. Sobald sie dies tun und in diesem Bereich eine entsprechende Transparenz erlangen, werden sie sowohl Umsatzsteigerungen als auch Einsparungen erzielen und gleichzeitig die Umwelt schonen.“
Weltwirtschaft verschiebt sich weiter von West nach Ost
Die Analyse der Investitionsströme zeigt, dass sich die Weltwirtschaftszentren immer weiter in Richtung wirtschaftliche Schwellenländer verlagern. So finden sich unter den 25 attraktivsten Zielmärkten lediglich noch acht etablierte Industrienationen. Diese „Emerging Markets“ sind gleichzeitig auch jene Länder, für deren Zukunft die Investoren am optimistischsten sind und besonders positive Veränderungen bezüglich der Chancen ihrer Investments sehen. Unter den Industrienationen stehen die USA auf Position drei. In Europa wandert ausländisches Kapital vor allem nach Großbritannien (Rank 4) und Deutschland (Rank 10), so dass beide Länder unter den Top-Ten verbleiben.
„Nachdem die globalen Investitionsströme sich seit dem Tiefpunkt 2003 erholt haben, kann man ein zunehmend transnationales Investitionsverhalten der Unternehmen feststellen. Entwicklungsländer und Industrieländer konkurrieren inzwischen sehr hart miteinander um ausländisches Kapital – immer häufiger mit dem Ergebnis, dass dem Entwicklungsland der Vorzug gegeben wird”, kommentiert Neumann.
Regionale Besonderheiten
Die befragten Unternehmen sehen neben den Chancen auch die Risiken in den sich entwickelnden Regionen: Wer in Asien investieren möchte, hat Bedenken wegen der wachsenden Energiekosten. In China sind es der Erhalt des geistigen Eigentums und die Entwicklung von Legislative und Exekutive, die den Investoren Sorgen bereiten.
Vor allem deutsche Manager sehen in Osteuropa die geringen Arbeitskosten und die räumliche Nähe als positiv an, aber auch hier halten Korruption und eine geringe Reformgeschwindigkeit in vielen Ländern die Investoren eher von ihren Vorhaben ab. In Lateinamerika wird die Zunahme populistischer Regime von der Mehrzahl der investitionswilligen Unternehmen als ernsthaftes Hindernis für nennenswerte Investitionen angesehen. In Afrika kommen hohe bürokratische Hürden hinzu. Sollten afrikanische Länder dieses Hindernis beiseite räumen und stattdessen Investitionsanreize schaffen, sehen die Unternehmen auch Afrika als potenzielle Zielregion an.
Schritt nach vorne für den Mittleren Osten
Der Mittlere Osten als Investitionsziel hat seine Position im FDI Confidence Index erheblich verbessert. Die Vereinigten Arabischen Emirate liegen 2007 auf dem achten Platz, während sie 2005 noch Nummer 22 waren. Andere Golfstaaten werden erstmals genannt und belegen immerhin Platz 17 – in diesem Umfeld finden sich zum Beispiel auch Kanada und Frankreich. Firmen sehen den Aufbau eines Footprints in der florierenden Golfregion als hervorragende Gelegenheit, dort zu investieren. Ebenso interessant sind die Serviceindustrien vor Ort, wie beispielsweise in Dubai der Zugang zu Kapital und die Energiereserven vor Ort.
Direktinvestitionen konkurrieren mit Private-Equity-Firmen und Staatsfonds
Die institutionellen Anleger haben die hohen Investitionen von Hedgefonds, Private-Equity-Firmen und Staatsfonds aufmerksam beobachtet. Zwei Drittel der Top-Manager stehen dieser Entwicklung sehr offen gegenüber und schätzen die nicht traditionellen Investoren durchaus positiv ein. Nur 13 Prozent der Befragten sehen ihren Einfluss negativ. Von den drei Investitionskanälen wird Private Equity von 62 Prozent der Teilnehmer als gefährlichster Wettbewerber traditioneller Investitionsformen angesehen.
Sorge um die US-Wirtschaft
Trotz der veränderten Erwartungen bleiben die Entscheider der weltweit befragten Unternehmen zurückhaltend, was den Einfluss der USA auf den wirtschaftlichen Wohlstand anderer Staaten angeht. Die Top-Manager gaben die Schwäche der US-Wirtschaft (55 Prozent), die Schwäche des US-Dollars (45 Prozent), steigende Zinsen (39 Prozent), die zunehmende Regulierung (38 Prozent) und die Volatilität der Energiepreise (37 Prozent) als die Entwicklungen an, über die sie sich am meisten Sorgen machen.
Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index 2007
1. China
2. Indien 3. USA 4. Großbritannien
5. Hongkong
6. Brasilien 7. Singapur
8. Vereinigte Arabische Emirate 9. Russland 10. Deutschland 11. Österreich 12. Vietnam
13. Frankreich 14. Kanada 15. Japan
16. Malaysia
17. andere Golfstaaten
18. Süd-Afrika
19. Mexico
20. Türkei 21. Indonesien 22. Polen 23. Zentralasien 24. Süd-Korea
25. Tschechische Republik
Über den FDI Confidence Index®
Der Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index® wird seit 1998 jährlich von A.T. Kearneys Global Business Policy Council ermittelt und basiert auf der Befragung von Vorständen und Führungskräften der weltweit 1.000 größten Unternehmen.
Weitere Informationen zum FDI Confidence Index 2007 finden Sie
hier. |