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A.T. Kearney-Studie: Trend zur Wertorientierung des Einkaufs setzt sich fort - Osteuropa und Asien entwickeln sich zunehmend von Billiganbietern zu strategischen Partnern
Osteuropa wird wichtigster Beschaffungsmarkt

Düsseldorf, 07. August 2007

Osteuropa entwickelt sich in den nächsten fünf Jahren für europäische Unternehmen zum wichtigsten Beschaffungsmarkt. Der Anteil der von europäischen Unternehmen in Osteuropa beschafften Güter wird sich bis 2012 von derzeit 9 auf 19 Prozent mehr als verdoppeln. Aber auch China und Indien gewinnen weiter an Attraktivität. Der Anteil der in China und Indien beschafften Waren wird bis 2012 von derzeit 11 auf 17 Prozent beziehungsweise von 3 auf 9 Prozent zunehmen. Die westeuropäischen Märkte werden für den Einkauf in Europa dagegen zukünftig eine weniger bedeutende Rolle spielen. Hier wird der Anteil der von europäischen Unternehmen eingekauften Waren bis 2012 von 44 auf 26 Prozent zurückgehen. Dies geht aus einer Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney und dem Center for Advanced Procurement and Supply (CAPS) Research hervor, für die weltweit die Einkaufsvorstände von Unternehmen befragt wurden. Die Entscheidung für Osteuropa und China als Beschaffungsmarkt fällt bei den europäischen Unternehmen dabei nicht mehr nur allein aus Kostengründen, sondern zeigt, dass die beiden Märkte auch die wachsenden strategischen Anforderungen zunehmend besser erfüllen und sich zu wichtigen Strategiepartnern entwickeln. Die seit Jahren zu beobachtende Tendenz, den Einkauf nicht als reines Instrument zur Kostensenkung zu verstehen, sondern als Werttreiber zu nutzen, wird sich weiter fortsetzen.

"Eine Reihe von äußeren Faktoren wie Globalisierung, sich ändernde Demografien, ein neues Verbraucherverhalten, Ressourcenknappheit, Technologiefortschritte sowie staatliche Regulierungen tragen zur Neugestaltung von Märkten, Industrien und Produkten bei“, sagt Jules Goffre, Vice President bei A.T. Kearney und Leiter des Kompetenzteams Strategisches Beschaffungsmanagement in Zentraleuropa: „Für Unternehmen gilt es daher, diese Faktoren bei ihrem Einkaufsmanagement zu berücksichtigen. Unsere Studie zeigt, dass die Entwicklung zukunftsgerichteter Kategoriestrategien, der Aufbau von Kollaborationen, ein wertorientiertes Lieferantenmanagement und das Verwalten von Versorgungsrisiken zukünftig zu den größten Herausforderungen für die Einkaufsabteilungen zählen werden.“

Neuer geografischer Fokus erwartet

Die Studie von A.T. Kearney macht deutlich, dass zukünftig Kategoriestrategien eine bedeutende Rolle einnehmen. Dies spiegelt sich zum einen in der Fokussierung auf bestimmte Beschaffungsmärkte wider und zum anderen konsequenterweise auch im erwarteten Rückgang der Lieferantenzahl. Für europäische Unternehmen nimmt zukünftig die Attraktivität und Dominanz von Osteuropa, China und Indien weiter zu, allen voran Osteuropa, das sich derzeit zum wichtigsten Beschaffungsmarkt entwickelt. Den Befragten zufolge wird im Jahr 2012 der Anteil der von europäischen Unternehmen in Osteuropa eingekauften Waren und Dienstleistungen von derzeit 9 auf 19 Prozent steigen. Aber auch in China und Indien nimmt der Anteil von 11 auf 17 Prozent beziehungsweise von 3 auf 9 Prozent bis 2012 zu. Der westeuropäische Markt wird für den Einkauf zukünftig weniger bedeutsam. Hier geht der Anteil der von europäischen Unternehmen beschafften Güter bis 2012 von 44 auf 26 Prozent zurück.

"Ein Grund für die wachsende Attraktivität Osteuropas und Asiens liegt darin, dass europäische Unternehmen ihre Unternehmensprozesse zunehmend in die beiden Wachstumsmärkte verlagern und dort eigene Produktionen und Joint Ventures aufbauen“, sagt Dr. Peter Wessmann, Vice President und Einkaufsexperte bei A.T. Kearney: "Für die Wahl Osteuropas sprechen aus Sicht der europäischen Unternehmen zudem die niedrigen Faktorkosten sowie die räumliche und kulturelle Nähe.“

Nordamerikanische Unternehmen fokussieren China und Indien

Für die USA und Kanada zeigt sich der Studie zufolge ein ähnliches Bild, wobei hier der Fokus des Einkaufs auf China und Indien liegt, die sich zu den wichtigsten Beschaffungsmärkten für die nordamerikanischen Unternehmen entwickeln: So wird im Jahr 2012 der Anteil der beschafften Güter in China von derzeit rund 8 auf 21 Prozent und in Indien von rund 5 auf 11 Prozent steigen, während die Bedeutung Osteuropas eher gering bleiben wird und der Anteil von derzeit 4 auf lediglich 8 Prozent anwachsen wird. Der Anteil der von US-amerikanischen und kanadischen Unternehmen lokal beschafften Güter wird den Befragten zufolge um 20 Prozent auf etwa 46 Prozent fallen.

Weiterer Rückgang der Lieferantenzahl erwartet

Auch in der Anzahl der Lieferanten lässt sich zudem eine weitere Konzentration erkennen. Die Mehrheit der befragten Unternehmen rechnet der Studie zufolge mit einem Rückgang der Lieferantenzahl, sowohl beim Einkauf von direkten als auch indirekten Gütern. 51 Prozent der Befragten erwarten, dass die Zahl der Lieferanten von direkten Gütern bis 2012 um durchschnittlich 13 Prozent zurückgeht. Bei indirekten Gütern und Dienstleistungen gaben 77 Prozent der Unternehmen an, dass die Lieferantenzahl um etwa ein Viertel (23 Prozent) sinken wird.

Von der Kosten- zur Wertorientierung: Nutzung von Lieferanten-Know-how

"Eine wesentliche Herausforderung des Einkaufs besteht darin, Lieferanten zu identifizieren, die einen Wertbeitrag für das Unternehmen leisten können. Dieser Trend hat sich bereits in den letzten Jahren abgezeichnet, wird sich zukünftig aber noch verstärken“, so Goffre: „Bei der Bewertung des Portfolios der gegenwärtigen oder potenziellen Lieferanten müssen die wertschöpfenden Leistungen und Fähigkeiten berücksichtigt werden. Nicht allein Kosten und Qualität stehen bei der Auswahl der Lieferanten im Vordergrund, sondern Faktoren wie Innovationsfähigkeit und Technologie-Know-how.“

Das Aufgreifen solcher Beziehungen erfordert ein Umdenken weg vom traditionellen Einkauf, der versucht die Einkaufsmacht auszunutzen und auf Kostensenkungen fokussiert ist, hin zur Einbindung von Lieferanten und zum Aufbau von wertschöpfenden Lieferantenbeziehungen.

"Teilt man Unternehmen in solche ein, die ihren Geschäftserfolg einerseits als Kostenführer und andererseits als Innovationstreiber definieren, so zeigt sich, dass Osteuropa und China in punkto Innovation aufgeholt haben. Dies wurde nicht zuletzt mit ‚europäischer Entwicklungshilfe’ erreicht“, so Wessmann: „Längst sind nicht mehr nur allein die Preisvorteile der beschafften Güter für die Attraktivität Chinas und Osteuropas verantwortlich. Die beiden Länder entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Strategiepartner der europäischen Unternehmen. Dies wird aber auch enorme Veränderungen und Restrukturierungen im Bereich der Supply Chain mit sich bringen, auf die sich Unternehmen zeitnah einstellen sollten.“

Die Studienunterlagen stehen hier zum Download bereit.

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