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Deutschland droht bei Globalisierung Anschluss zu verlieren
A.T. Kearney und FOREIGN POLICY Magazine stellen Globalisierungs-Index 2005 vor

Düsseldorf, 06. Juli 2005

Beim aktuellen Globalisierungsindex 2005 der Top-Managementberatung A.T. Kearney und dem FOREIGN POLICY Magazine ist Deutschland auf Rang 21 abgerutscht. Wichtigster Grund dafür ist die Zurückhaltung internationaler Investoren und die mangelnde Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen im Ausland. Globalisierungsspitzenreiter ist Singapur, das Irland nach drei Jahren vom ersten auf den zweiten Platz verdrängt hat – gefolgt von der Schweiz und den Vereinigten Staaten, die sich um drei Plätze verbessern konnten. In die Berechnung des Index fließen neben ökonomischen Aspekten auch die soziale Integration, die technologische Vernetzung und das internationale politische Engagement eines Landes ein.

Der A.T. Kearney/ FOREIGN POLICY Globalisierungsindex misst empirisch den Globalisierungsgrad von 62 Staaten und bildet damit 96 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes und 85 Prozent der Weltbevölkerung ab. Der Index zeigt, dass die Globalisierung auch im Jahr 2003 – das aktuellste Jahr, für das weltweit vollständiges Datenmaterial verfügbar ist – weiter fortgeschritten ist. Trotz Irak-Krise und der gescheiterten Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) im mexikanischen Cancún, ist das Welthandelsvolumen um mehr als fünf Prozent gestiegen. Die Summe der Entwicklungshilfe wuchs auf ein Rekordhoch von 69 Milliarden US-Dollar.

Deutschland nicht mehr unter den Top-20

Entgegen dem weltweiten Globalisierungstrend sorgt vor allem die mangelnde wirtschaftliche Integration dafür, dass Deutschland um weitere drei Plätze auf Rang 21 abgerutscht ist. „Vor allem die sehr zögerlichen grenzüberschreitenden Direktinvestitionen (FDI) und das nahezu stagnierende internationale Handelsvolumen – die beide in Relation zum Bruttoinlandsprodukt in den Index einfließen – sind die Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands“, sagt Paul A. Laudicina, Leiter des A.T. Kearney Global Business Policy Council (GBPC): „Das Handelsvolumen konnte zwar trotz des schwachen Dollars den Vorjahreswert übertreffen, doch die ausländischen Direktinvestitionen sind auf ein Drittel des Vorjahres zurückgegangen.“ In der Kategorie wirtschaftliche Integration belegt Deutschland dadurch lediglich Rang 43. Neben mittleren Platzierungen in den Bereichen soziale Integration (Rang 29) und technologische Vernetzung (Rang 17) findet sich Deutschland lediglich in der Kategorie politisches Engagement unter den Top Ten wieder (Rang 8). Dabei honoriert der Index die weltoffene Politik und das Engagement Deutschlands in internationalen Organisationen mit einem zweiten Rang in der Unterkategorie Engagement in internationalen Organisationen.

Singapur verweist Irland auf den zweiten Platz

An der Spitze des Globalisierungsindex hat Singapur Irland nach drei Jahren als Spitzenreiter abgelöst. So belegt Singapur den ersten Rang in der Kategorie wirtschaftliche Integration und den dritten Rang bei der sozialen Integration. Einzig beim internationalen politischen Engagement findet sich der asiatische Stadtstaat mit Rang 32 im Mittelfeld wieder. In dieser Bewertungskategorie schneiden aber auch die unmittelbaren Verfolger Irland, Schweiz und die USA relativ schlecht ab.

Internet katapultiert USA auf Platz 4

Die USA konnten sich dank ihrer überlegenen Position in der Kategorie technologische Vernetzung im aktuellen Gesamtranking um drei Positionen auf Platz vier verbessern. Das Wachstum bei Internet Hosts (plus zehn Prozent) und sicheren Servern (plus 25 Prozent) hält ungebrochen an und die Führungsposition der USA scheint in diesem Bereich auf Jahre gefestigt. Vor allem in Europa verzeichnet die Studie hier einigen Nachholbedarf. In wirtschaftlicher Hinsicht ruht die USA überwiegend in sich selbst und wird von einer starken Inlandsnachfrage getragen, was den Platz 60 in der Kategorie wirtschaftliche Integration erklärt. Exporte und internationale Vernetzung haben für die USA weiter an Bedeutung verloren und auch die ausländischen Direktinvestitionen haben mit 23 Milliarden Euro einen neuen Tiefpunkt erreicht. Im Jahr 2000 war es noch mehr als das Zehnfache. In der Kategorie politisches Engagement belegen die USA derzeit Rang 43. Zwar ist die USA in allen bedeutenden internationalen Organisationen vertreten (Rang 1), hält sich aber zurück, wenn es um das Unterzeichnen internationaler Abkommen geht (nur Rang 57).

Globalisierung wirkt auf Bildung, Bürgerrechte, Korruption und Gesundheit

Zusätzlich untersucht die diesjährige Studie den Zusammenhang zwischen Globalisierungsgrad und Bildungsstand, politischer Freiheit und der Korruption eines Landes: Je globalisierter ein Land ist, desto mehr investiert es im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt in Schulen und Bildung. Das zeigt sich ganz besonders in Entwicklungsländern. Die Bevölkerung globalisierter Länder genießt in der Regel auch größere politische Freiheit und mehr Bürgerrechte. Zudem hilft die Globalisierung dabei, Korruption zu bekämpfen, da die Adaption höherer internationaler Standards die staatliche Transparenz fördert und so auch die Effizienz von Regierungen und behördlichen Maßnahmen steigert. Das Anpassen an internationale Standards hat auch positiven Einfluss auf die durchschnittliche Lebenserwartung, die soziale und wirtschaftliche Sicherheit von Frauen und auf den Umweltschutz.
„Es ist uns auch mit der diesjährigen Studie wieder ein Anliegen, die auch in Deutschland immer wieder aufkommende Globalisierungsdebatte mit empirischen Daten und Fakten zu versachlichen“, sagt Laudicina: „Vermischt mit singulären Auswüchsen der Globalisierung ergibt sich noch allzu oft ein verzerrtes Bild in der veröffentlichten Diskussion des Themas“.

Globalization Index 2005 - Top-20
RangLandRangLand
1.Singapur11.Neuseeland
2.Irland12.Großbritannien
3. Schweiz13.Australien
4.USA14.Norwegen
5.Niederlande15.Tschechische Republik
6.Kanada16.Kroatien
7.Dänemark17.Israel
8.Schweden18.Frankreich
9.Österreich19.Malaysia
10.Finnland20.Slowenien
Deutschland ist nicht mehr unter den Top-20 vertreten und befindet sich auf Rang 21.

Die vier Bewertungskategorien und zwölf Unterkategorien des A.T. Kearney/ Foreign Policy Globalisierungs-Index:

1. Wirtschaftliche Integration: Verhältnis von internationalem Handelsvolumen und grenzüberschreitenden Direktinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt (BIP)
2. Soziale Integration: Internationale Reisetätigkeit und Tourismus, Telefonverkehr, private Auslandsüberweisungen
3. Technologische Vernetzung: Anzahl Internet-User & -Hosts, sichere Server
4. Politisches Engagement: Mitgliedschaft in bedeutenden internationalen Organisationen, personelle und finanzielle Beiträge zu friedenserhaltenden UN-Maßnahmen, Ratifizierung internationaler Abkommen, Transferzahlungen der Regierung

Measuring Globalization - The Global Top 20

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