Unternehmen der Telekommunikationsbranche wollen stärker als andere wachsen
A.T. Kearney 7th European Telecom Conference: Anstehende Konsolidierungswelle, Transformation und 3G/UMTS lassen Gewinne in Europa mittelfristig ansteigen

Düsseldorf, 14. Juni 2005
Europäische Telekommunikationsunternehmen erwarten trotz zahlreicher technologischer und regulatorischer Risiken mittelfristig ein nachhaltiges Wachstum ihrer Profitabilität. Das ergab eine Umfrage unter den Teilnehmern der siebten europäischen A.T. Kearney Telecom Conference in London. 53 Prozent rechnen in den nächsten fünf Jahren sogar mit einer über dem Durchschnitt der Börsenmärkte liegenden Steigerung ihres freien Cash-Flows. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die anstehende Konsolidierungswelle ein: 72 Prozent der Befragten gehen bis 2008 von intensiven Aktivitäten im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) aus. 49 Prozent erwarten auch in Zukunft weitere regulatorische Eingriffe und bezeichnen diese als Bremse für Investitionen. Diese sind jedoch für eine Transformation der Telekommunikationsunternehmen in Richtung der strategischen Ziele Kundenzentrierung, Innovationsführerschaft und Effizienz dringend erforderlich.
„Die europäischen Telekommunikationsunternehmen blicken optimistisch in die Zukunft. Dabei sind sie sich durchaus im Klaren darüber, dass dem Top-Management auch in den kommenden zehn Jahren schwere Zeiten durch die ständig wachsenden Anforderungen bevorstehen. Die Konferenz hat gezeigt, dass neben dem externen Wachstum durch M&As steigende Gewinne nur durch eine umfassende Marktsegmentierung, eine intelligente Preisgestaltung, wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und den effektiven Einsatz neuer technologischer Entwicklungen realisiert werden können”, sagte Dr. Martin Sonnenschein, als Vice President bei A.T. Kearney in Zentraleuropa verantwortlich für den Bereich Telekommunikation und Hightech.
Regulierungsbehörden hemmen Investitionsbereitschaft
49 Prozent der Konferenzteilnehmer befürchten einen Anstieg regulatorischer Eingriffe. Sie unterstrichen dabei, dass sich dies abschreckend auf die Investitionsbereitschaft auswirke. 80 Prozent der Festnetzanbieter gehen dennoch davon aus, dass sie ihre Investitionspläne für eine vollständige Umstellung des Netzwerks auf IP-Technologie innerhalb des nächsten Jahrzehnts komplett umsetzen werden.
Wirkung von 3G/UMTS langsam, aber gewaltig
Sehr zurückhaltend äußerten sich die Konferenzteilnehmer zum Thema 3G/UMTS. Lediglich sieben Prozent der Befragten glauben daran, dass 3G/UMTS-Telefone bereits die Hälfte des diesjährigen europäischen Weihnachtsgeschäfts ausmachen könnten - die Mehrheit geht von einem Verkaufsvolumen von weniger als einem Viertel aus. Friedrich Joussen, COO bei Vodafone Deutschland, betonte vor allem die langfristigen Wachstumsperspektiven durch 3G/UMTS: „Wir sind davon überzeugt, dass die Telekommunikationsindustrie ihr Wachstum fortsetzt. Wachstum ist die zentrale strategische Herausforderung für uns alle. Um jedoch auch in Zukunft schneller als der Börsendurchschnitt wachsen zu können, benötigen wir einen ‚innovativen Quantensprung’. Und den haben wir mit 3G/UMTS.”
Sprachtelefonie: Preisdruck durch Voice over IP
Die Mehrheit der Telekommunikationsunternehmen ist zuversichtlich, den jüngsten Preisverfall im Bereich der Sprachtelefonie durch ein höheres Aufkommen von Telefonminuten und neuartigen innovativen Serviceleistungen kompensieren zu können: „Die größte Bedrohung geht derzeit von Voice over IP (VoiP) aus. Vor allem die neuen so genannten ‚No frills’-Anbieter’ wie beispielsweise Simyo nutzen die neue Technologie, um im Bereich der Sprachtelefonie Preisdruck auf die etablierten Anbieter auszuüben“, so Sonnenschein.
Boris Nemsic, CEO der mobilkom austria group, ergänzte: „Eine radikale Umgestaltung der Preisstruktur kann das Verhalten der Kunden entscheidender verändern als jede technische Innovation. In unserem Markt ist die Festnetz-Mobilfunk-Substitution aufgrund der niedrigen Preise bereits sehr weit fortgeschritten. Die Zukunft des Festnetzes liegt eindeutig im Breitband.“
Kundenzentrierung, Innovationsführerschaft und Effizienz als Hauptziele
Ein Thema der Konferenzreihe, das immer wiederkehrt, ist die Bedeutung von internen Prozessen und Strukturen für die Telekommunikationsunternehmen („Operational Excellence“). Jean-Yves Charlier, CEO der COLT Telecom Group, sagte dazu: „Die Telekomindustrie steht vor einer großen Herausforderung: der Transformation in Richtung Kundenzentrierung, Innovationsführerschaft und Effizienz. Unser Unternehmen hat dazu ein umfangreiches Programm an Transformationsinitiativen angestoßen, das ein fester Bestandteil unserer Zukunfts-Roadmap ist. Im Mittelpunkt stehen dabei Wachstum, Innovation und operationale Effizienz. Diese Impulse sind dringend erforderlich, um unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken und weiterhin profitabel zu sein.“
A.T. Kearney 7th European Telecom Conference
“Mind the Gap: Sustaining Profitability in the Telecommunications Industry” – hieß das Motto der siebten A.T. Kearney europäischen Telecom Conference in London für Spitzenführungskräfte der europäischen Telekommunikationsindustrie. „Die jährlich von uns durchgeführte Konferenz hat sich mittlerweile in den Terminplänen des Top-Managements fest etabliert. Die knapp 100 Teilnehmer aus ganz Europa profitierten in London dabei von zahlreichen Vorträgen zu den aktuellen und zentralen strategischen Herausforderungen der Telekommunikationsbranche. Dabei haben wir großen Wert darauf gelegt, den Teilnehmern genügend Raum zu geben, sich mit Vertretern anderer Unternehmen auszutauschen und zu diskutieren. Die durchweg positive Resonanz der Teilnehmer, ist für uns Grund genug, die Reihe auch im kommenden Jahr fortzusetzen“, resümiert Sonnenschein. |