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Gebührenerhöhung statt Effizienz bei ARD und ZDF
A.T. Kearney-Studie untersucht Beschaffungsmanagement im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Düsseldorf, 08. April 2005

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten könnten durch ein effizientes strategisches Beschaffungsmanagement bis zu 215 Millionen Euro pro Jahr einsparen, was in etwa der Hälfte der kürzlich in Kraft getretenen Gebührenerhöhung entspricht. Zu diesem Ergebnis kommt eine heute in Düsseldorf vorgestellte Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney. Knapp die Hälfte der 5,3 Milliarden Euro, die jährlich für die externe Beschaffung von TV-Programmen, Rechten, Technik, Informationstechnologie und Verwaltung aufgewendet werden, könnten optimiert und durch ein strategisches Beschaffungsmanagement um bis zu zehn Prozent reduziert werden. Dafür müssten weder Personalabbaumaßnahmen ergriffen noch Einbußen in der Programmqualität hingenommen werden.

„Der jüngste Gebührenbeschluss, der geringer ausgefallen ist als von den Sendern erhofft, und die Rüge der EU-Wettbewerbsbehörde zum Umgang mit Rundfunkgebühren verstärken den Druck auf alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, ernstere Bemühungen zur Effizienzsteigerung zu unternehmen“, sagt der A.T. Kearney-Medienexperte Dr. Martin Fabel zur aktuellen Situation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland: „Doch ARD und ZDF sparen hier zum Teil am falschen Ende und planen unter anderem, Personal freizusetzen. Dagegen hat unsere Studie im Bereich Beschaffungsmanagement noch erhebliche Einsparungspotenziale identifiziert, ohne dass dafür Personalmaßnahmen oder qualitative Einbußen im Programm befürchtet werden müssten.“

Die größten Defizite liegen dabei in der dezentralen Steuerung des Einkaufs und der mangelnden Nutzung moderner Beschaffungsmethoden. „Vor allem der Vergleich zum Beschaffungsmanagement anderer Branchen und Bereiche macht hier eine eklatante Schwäche der öffentlich-rechtlichen Sender offenkundig“, erläutert Fabel und unterstreicht dabei: „Eine konsequente Zentralisierung der Beschaffung könnte die Einkaufskonditionen verbessern und steht doch keinesfalls im Widerspruch zu der subsidiären Rundfunk-Organisation in Deutschland“.

Neben sporadischen Maßnahmen einzelner Anstalten und regelmäßigen weitgehend unverbindlichen Absprachen zwischen den Einkäufern – beispielsweise im Arbeitskreis Beschaffung der ARD – sind laut der A.T. Kearney-Studie keine durchgängig verbindlichen Aktivitäten zur Optimierung erkennbar.

Die Gesamtausgaben der öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland betrugen im Jahre 2003 insgesamt rund acht Milliarden Euro. Davon wurden über 5,3 Milliarden Euro für die externe Beschaffung von TV-Programmen und Rechten (47 Prozent), Technik und Informationstechnologie (34 Prozent) sowie Verwaltung und Sonstiges (19 Prozent) eingesetzt. „Unsere Studie zeigt, dass die Einkaufsprozesse der Anstalten bisher noch nicht ausreichend zusammengeführt sind und daher die erhebliche Verhandlungsmacht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bisher kaum ausgenutzt wird“, so Fabel.

Dezentrale Strukturen treiben Kosten in die Höhe

Der Einkauf von Produktionsleistungen beispielsweise durch die öffentlich-rechtlichen Fernsehproduktionsgesellschaften – wie Studio Hamburg oder Bavaria – könnte der A.T. Kearney-Analyse zu Folge sehr viel standardisierter und wettbewerbsorientierter erfolgen. Im IT-Bereich wird zwar von NDR, RBB und MDR ein gemeinsames Rechenzentrum genutzt, ansonsten sind die IT-Strukturen jedoch dezentral organisiert. „Dies führt dazu, dass Bündelungseffekte ungenutzt bleiben, da beispielsweise ein PC für einen Buchhaltungsarbeitsplatz beim WDR anders konfiguriert ist als beim HR“, so Fabel. Ein weiteres Manko: Bei einigen Sendern liegt die Technik-Beschaffung nicht einmal im Verantwortungsbereich der allgemeinen Einkaufsabteilungen, da die kaufmännischen und technischen Beschaffungsgruppen nach wie vor voneinander getrennt sind.

Wesentliche Hebel zur Einkaufsoptimierung

Die A.T. Kearney-Studie kommt zu dem Schluss, dass für die öffentlich-rechtlichen Anstalten wesentliche Ansätze zur Einkaufsoptimierung vor allem in den Bereichen Mengenbündelung, Preisvergleiche, Vereinheitlichung technischer Spezifikationen und gemeinsame Prozessoptimierung liegen. Diese Hebel könnten innerhalb jeder einzelnen Anstalt zur Wirkung kommen und ermöglichen so bereits einen Großteil der insgesamt realisierbaren Einsparungen von etwa 120 bis 215 Millionen Euro.

„Das gesamte Einsparpotenzial lässt sich jedoch erst realisieren, wenn das Beschaffungsvolumen aller öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gebündelt und gemeinschaftlich vergeben wird“, so Fabel: „Dies lässt sich am besten in einer zentralen, von allen Anstalten gemeinsam getragenen Einkaufsorganisation umsetzen, kann mit mehr Koordinationsaufwand aber auch ohne neue Strukturen realisiert werden.“

„Die grundgesetzlich garantierte Rundfunkfreiheit wird in keiner Weise dadurch beeinträchtigt, dass der PC am Arbeitsplatz oder die Arbeitsstunde eines Kabelträgers für alle Anstalten gleich wenig kosten. Im Idealfall wären so monatlich zwischen 25 und 50 Cent pro Fernsehhaushalt und somit mehr als die Hälfte der bereits in Kraft getretenen Gebührenerhöhung vermeidbar gewesen“, sagt Fabel.

Download Studie (PDF)

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