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Stadtwerke setzen wieder stärker auf die Eigenerzeugung ihres Stroms
A.T. Kearney-Studie untersucht Auswirkungen der veränderten Rahmenbedingungen auf die Erzeugungspolitik der Stadtwerke

Berlin, 19. Januar 2005

Die Stadtwerke werden bedingt durch die veränderten Rahmenbedingungen in Zukunft stärker auf die Eigenerzeugung ihres Stroms setzen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney, für die deutsche Stadtwerke unterschiedlicher Größe und Erzeugungsstruktur befragt wurden. Die Strategie, die Eigenerzeugung wieder zu stärken, anstatt den Strom von Drittanbietern zu beziehen, verspricht Beschaffungskosten zu optimieren und vor dem Hintergrund steigender Großhandelspreise zusätzliche Gewinne zu erzielen. An Bedeutung gewinnen werden dabei vor allem auch Allianzen und Beteiligungen im Erzeugungsbereich.

„Die Liberalisierung des Strommarktes hat sich in einem hohen Maße auch auf die Erzeugungsstrategien der Stadtwerke ausgewirkt und zu einem Teilrückzug aus der Eigenerzeugung geführt“, erläutert Florian Haslauer, Vice President bei A.T. Kearney, die Ergebnisse der Studie. „Als Folge ist die Stromerzeugung der Stadtwerke heute stark fragmentiert. Seit der Marktöffnung 1998 ist der Anteil an eigenerzeugtem Strom bei den befragten Stadtwerken von durchschnittlich 28,8 Prozent auf aktuell 16,7 Prozent gesunken.“

Nur wenige Stadtwerke verfügen derzeit über signifikante Erzeugungskapazitäten. Der Anteil der Stadtwerke an der installierten Kraftwerksleistung in Deutschland liegt insgesamt bei lediglich etwa acht Prozent – davon wiederum stellen die Top 15 der über 900 Stadtwerke zwei Drittel der Kapazität. „Mit der Liberalisierung hat die Eigenerzeugung im Beschaffungsportfolio der Stadtwerke deutlich an Relevanz verloren“, stellt Haslauer fest.

Neuer Ordnungsrahmen ist wichtigster Einflussfaktor

„Die künftigen energiewirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sind der wichtigste Einflussfaktor für die Entwicklung der Stadtwerke-Eigenerzeugung“, sagt Haslauer. Der A.T. Kearney-Umfrage zufolge messen die Stadtwerke vor allem der Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Erneuerbarer Energien, der Energiebesteuerung sowie dem CO2-Emissionshandel hohe Bedeutung bei. Der Ausstieg aus der Kernenergie spielt der Untersuchung zufolge aus Sicht der Stadtwerke dagegen eine eher untergeordnete Rolle.

Entwicklung der Primärenergiepreise und des Strom-Großhandelsmarktes bestimmen zukünftige Erzeugungsstruktur

Neben dem Ordnungsrahmen bestimmen die Primärenergiepreis-, die Technologie- sowie die Marktentwicklung die Struktur der Stromerzeugung in Deutschland. Aus Sicht der Stadtwerke wird die zukünftige Erzeugungsstruktur von der Entwicklung der Öl-, Gas- und Kohlepreise wesentlich bestimmt. Neue Technologien, wie die dezentrale Erzeugung und erneuerbare Energien spielen auch eine bestimmende Rolle. „Der Strom-Großhandelsmarkt wird von den Stadtwerken in seiner Entwicklung zunehmend positiv gesehen und als wichtige Größe in der Erzeugungsstrategie genannt. Von 110 Teilnehmern an der deutschen Strombörse EEX stellen die Stadtwerke mit 18 Teilnehmern eine der größten Gruppen“, stellt Haslauer fest.

„Die Struktur des Kraftwerksparks in Deutschland wird durch die Entwicklung der Primärenergiepreise sowie die dezentrale Erzeugung geprägt werden. Auf der Marktseite bestimmen die Entwicklung des Großhandelsmarktes und der jeweiligen Kostenposition, wer sich wie stark in der Erzeugung engagieren wird“, so Haslauer.

Eigenerzeugung bietet neue Marktchancen

Vor dem Hintergrund steigender Großhandelspreise planen immer mehr Stadtwerke den Ausbau der Erzeugung, um Kosten und Margen zu optimieren beziehungsweise zusätzliche Margen zu erzielen. Angesichts der hohen Investitionskosten planen jedoch viele Unternehmen, Neuinvestitionen in Kooperation mit anderen Stadtwerken zu tätigen: „Viele Stadtwerke werden Erzeugungs-Allianzen eingehen, um sich unabhängiger von den vier großen Vorlieferanten zu halten“, erwartet Haslauer. Bereits jetzt spielen die Stadtwerke bei der Errichtung neuer Kraftwerkskapazitäten eine wesentliche Rolle. Etwa die Hälfte der derzeit in Deutschland im Bau befindlichen Kraftwerkskapazitäten werden von Stadtwerken errichtet.

Stadtwerke haben drei mögliche Entwicklungsrichtungen bei ihrer zukünftigen Erzeugungspolitik

Für Art und Umfang des künftigen Engagements von Stadtwerken in der Erzeugung sieht Haslauer drei wesentliche Optionen, die von der Größe der bestehenden Erzeugungsanlagen sowie der strategischen Grundausrichtung abhängen. „Die Eigenerzeugung bringt vielen Stadtwerken Vorteile, wenn sie sich über ihre strategischen Ziele in der Erzeugung klar sind“, sagt Haslauer. „Die wesentliche Frage dabei ist: Wird die Erzeugung als strategisches Geschäftsfeld betrachtet? Das heißt, sieht das Stadtwerk die Stromerzeugung als Möglichkeit langfristig Geld zu verdienen oder fokussiert das Stadtwerk auf die Versorgung seiner Endkunden mit Energie und Versorgungsdienstleistungen?“

Für kleinere und mittlere Stadtwerke wird statt eigener Erzeugung eher die risikominimierte Beschaffung von einem oder wenigen Lieferanten die erfolgsversprechende Strategie sein. Für mittlere Stadtwerke mit KWK und für große Stadtwerke bieten steigende Großhandelspreise und die KWK-Förderung interessante Optionen für die Eigenerzeugung. Hier ist allerdings die Nutzung von Skaleneffekten in der Erzeugung Kraftwerks-Know-how und insbesondere auch Know-how im Großhandelsmarkt erforderlich. Durch Partnerschaften und Gemeinschaftskraftwerke kann fehlende Größe zum Teil ausgeglichen werden.

Große Stadtwerke und Kraftwerkspartnerschaften werden in Zukunft stärker die Erzeugung als eigenes Geschäftsfeld, unabhängig vom eigenen Absatzportfolio einsetzen und die Kraftwerke orientiert am Großhandelsmarkt betreiben. Die großen Player am Markt sind bereits nach diesem Erzeugungsmodell aufgestellt. Dadurch wird es auch Stadtwerken in der Zukunft möglich sein, die Chancen eines liquiden, mit vollkostendeckenden Preisen ausgestatteten Marktes zu nutzen.

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