A.T. Kearney berät Shanghai Electric Corporation bei Privatisierung
Privatisierungswelle der VR China bietet auch für deutsche Unternehmen enormes Wachstumspotenzial Düsseldorf, 27. Januar 2004
Die internationale Top-Managementberatung A.T. Kearney begleitet die Privatisierung der Shanghai Electric Corporation (SEC) als Strategie-Partner der Regierung der Region Shanghai und des SEC Managements. Mit dem Verkauf der SEC startet die Volksrepublik China die letzte und größte Phase der Privatisierung ihrer staatlichen Betriebe. Werden dabei – wie zu erwarten – auch internationale Investoren akzeptiert, sehen die Experten von A.T. Kearney insbesondere für deutsche Unternehmen, die sich bereits im Rahmen von Joint Ventures in der Volksrepublik engagiert haben, nachhaltige Wachstumsperspektiven. Insgesamt wird im Verlauf der letzten Phase der Privatisierung staatliches Eigentum mit einem Buchwert von etwa 1,1 Trillionen US-Dollar hauptsächlich über den Hongkonger Wertpapiermarkt privatisiert.
Die Shanghai Electric Corporation (SEC) verzeichnet einen Jahresumsatz von über sechs Milliarden US-Dollar und ihr Buchwert dürfte sich auf rund acht Milliarden US-Dollar belaufen. Schon jetzt ist die SEC beispielsweise mit ihrer Aufzugs- und Klimatechnik auf den Weltmärkten stark vertreten. Die Privatisierung der SEC gilt als Pilotprojekt für die nun anstehende umfangreichste Phase der Privatisierung chinesischer Staatsbetriebe. Wird dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen, erwarten die Experten der Top-Managementberatung A.T. Kearney in den nächsten Monaten eine Reihe ähnlich großer Projekte. „Allein in Shanghai“, so Sven-Uwe Vallerien, Mitglied der Geschäftsleitung im Düsseldorfer Büro von A.T. Kearney und im Projekt verantwortlich für die Entwicklung möglicher Desinvestionsszenarien, „stehen über 30 sehr große Staatsunternehmen vor der Privatisierung.“
„International agierenden Unternehmen bietet diese Privatisierungswelle bemerkenswerte Wachstumsperspektiven“, fasst Vallerien die Lage zusammen: „Sie können sich damit nicht nur den lokalen chinesischen Markt erschließen, sondern auch signifikante Lohnvorteile realisieren. Hinzu kommen Skaleneffekte, die sich aus den Einsparmöglichkeiten im Rahmen der hier entstehenden neuen Konglomerate ergeben.“ Das Risiko dagegen hält Vallerien für überschaubar: „Das größte Risiko gehen sicherlich die Unternehmen ein, die es vorziehen, untätig zuzusehen. In diesem Falle wird der Wettbewerb die genannten Vorteile wahrnehmen.“
Chinas Sonderweg
„Während sich beispielsweise Russland und andere osteuropäische Länder entschieden haben, ihre Staatsbetriebe in einer einzigen Gewaltaktion zu privatisieren, schlug die chinesische Führung einen weitaus vorsichtigeren Weg ein“, schildert Wolfgang Haag, Projektleiter für die SEC-Privatisierung und Principal im Düsseldorfer A.T. Kearney Büro, die besondere Situation in China: „Hier ist es zunächst das Ziel, die Wirtschaft schrittweise zu öffnen, um den Staatsbetrieben die Chance zu geben, sich auf den internationalen Wettbewerb vorzubereiten. Dabei werden einzelne Unternehmensbereiche aus den Muttergesellschaften herausgelöst und in privatrechtliche Unternehmen umgewandelt, deren Anteile dann über die Börsen verkauft werden.“
Dabei behält der Staat auch weiterhin Einfluss auf die privatisierten Unternehmen, um die weitere wirtschaftliche Entwicklung von Schlüsselindustrien fördern zu können. Bisher wurden Anteile oftmals ausschließlich an Staatbetriebe oder andere inländische Unternehmen unter staatlichem Einfluss verkauft.
Politische Entscheidung
„Hier muss die chinesische Führung eine politische Entscheidung treffen“, urteilt Vallerien. „Öffnet sie die Privatisierung für internationale Investoren, verliert sie zwar einen Teil ihrer Kontrolle über die ehemals staatlichen Betriebe, diesem Kontrollverlust stehen allerdings der Erwerb von ausländischem Know-how sowie der leichtere Zugang zu internationalen Märkten gegenüber. Dabei geht es auch um Vertrauen in die möglichen ausländischen Investoren. Hier sind natürlich die Unternehmen im Vorteil, die sich – wie etwa Siemens, die TUI, ThyssenKrupp oder VW – bereits in der Vergangenheit mit Joint Ventures in China engagiert haben.“
Internationale Beobachter erwarten, dass sich Chinas Führung im Falle der SEC zugunsten ausländischer Investoren entscheiden wird. So erklärte SEC-Präsident Huang Dinan gegenüber der Zeitung Shanghai Daily News, das Ziel der Restrukturierung des Unternehmens sei es schließlich, die Firma an der Hongkonger Börse zu platzieren und auch Li Rongrong, der Vorsitzende der staatlichen chinesischen Kommission für Wirtschaft und Handel, erklärte, die Regierung wolle lediglich über die Sektoren die Kontrolle behalten, die für die Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung des Landes kritisch seien.