A.T. Kearney untersucht die Bedeutung von Innovationsmanagement bei Investitionsentscheidungen von Finanzinvestoren Finanzinvestoren fischen bei Bewertung von Innovationen meist noch im Trüben Düsseldorf , 20. Januar 2011
Obwohl Finanzinvestoren bei der Bewertung von mittelständischen Unternehmen der Innovationsfähigkeit eine sehr hohe Bedeutung beimessen, verfügen sie in den meisten Fällen noch nicht über entsprechende Bewertungsinstrumente. Mehr als die Hälfte aller Investoren schätzt die eigenen Instrumente in diesem Bereich allenfalls als „bedingt effektiv“ ein. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die die Unternehmensberatung A.T. Kearney auf Basis einer deutschlandweiten Befragung von Finanzinvestoren im Bereich Venture Capital (VC) und Private Equity (PE) erstellt hat. Dabei belegen zahlreiche Studien, dass ein systematisches Innovationsmanagement Grundvoraussetzung für die Wertsteigerung von Unternehmen ist – und dies unabhängig von deren Größe. Für Finanzinvestoren ergibt sich daraus die Herausforderung und Chance, Unternehmen zu identifizieren, die großes Verbesserungspotenzial im Bereich Innovationsmanagement besitzen – denn dies ist in den meisten Fällen auch gleichbedeutend mit einem hohen Wertsteigerungspotenzial.
„Gerade in traditionellen Industrien wird „Innovation“ immer noch mit neuen Produkten gleichgesetzt. Die meisten Unternehmen erzielen aber ihren Wertbeitrag nicht mehr allein aus neuen Produkten, sondern häufig aus innovativen Dienstleistungen, neuen Prozessen, Organisationsstrukturen oder neuen Geschäftsmodellen. Daraus leitet sich dann auch die einfache Definition von Innovation als eine erfolgreich kommerzialisierte Idee ab“, erklärt Kai Engel, Leiter des Bereichs Innovationsmanagement bei A.T. Kearney: „So einfach diese Definition auch ist, umso herausfordernder ist es, ein systematisches Innovationsmanagement im Unternehmen zu etablieren.“
Prüfinstrumente (meist noch) in den Kinderschuhen
Die Innovationsfähigkeit von Unternehmen ist nach Einschätzung der befragten Investoren besonders wichtig bei Investitionsentscheidungen und für die Bewertung des Investitionsrisikos. Allerdings fehlen häufig effektive Bewertungsinstrumente insbesondere bei kleineren VC- und PE-Unternehmen. So geben 94,4 Prozent der Unternehmen an, dass Innovationsmanagement für die Investitionsentscheidung „wichtig“ oder sogar „sehr wichtig“ ist – im Hinblick auf die Wertsteigerungspotenziale eines Portfoliounternehmens sind es ebenfalls mehr als 94 Prozent.
So werden dann auch in drei von vier Unternehmensbewertungen Innovationsfähigkeit und -potenziale überprüft. Gleichzeitig halten jedoch 64,2 Prozent der VC- und PE-Unternehmen ihre entsprechenden Bewertungsinstrumente für „bedingt“ oder „gar nicht effektiv“.
In punkto Investitionsrisiko spielt das Thema Innovationsfähigkeit aus Sicht der Investoren eine vergleichsweise geringere Rolle. Verfügt ein VC- oder PE-Unternehmen jedoch bereits über effektive Messinstrumente erhöht sich damit auch die Bedeutung der Innovationsfähigkeit für die Beurteilung des Investitionsrisikos. Dabei zeigt sich ganz allgemein, dass „aktivere“ Investoren mit jährlich mehr als zehn Due Diligences auch über effektivere Messinstrumente verfügen und diese Investoren auch der Innovationsfähigkeit eines Targets eine höhere Bedeutung beimessen. Allerdings sehen nur 25 Prozent der „aktiveren“ Investoren in der Verbesserung des Innovationsmanagement einen sehr wichtigen Hebel zu Wertschöpfung.
Innovations-Due Diligence mit effektiven Bewertungsinstrumenten
Zur Bewertung der Innovationsfähigkeit von Unternehmen als Grundvoraussetzung für Wertsteigerung sind einheitliche Kriterien erforderlich und idealerweise auch Vergleichswerte. Im Rahmen einer Due Diligence sind Innovationsstrategie, Innovationskultur, Innovationsprozesse und der Wertbeitrag des Innovationsmanagements zentrale Kriterien. „Im Rahmen unserer Untersuchung haben wir dementsprechend fünf Fragen erarbeitet, die Investoren im Rahmen einer Due Diligence zur Bewertung der Innovationsfähigkeit eines Targets unbedingt beachten sollten“, resümiert Eva Diedrichs, A.T. Kearney und Leiterin der Studie. Sie sind ein wesentlicher Baustein, um bei der Unternehmensbewertung die entsprechenden Wertsteigerungspotenziale zuverlässig identifizieren zu können:
1. Besitzt das Unternehmen eine Innovationsstrategie, die es in den nächsten Jahren auf Wachstumskurs hält und ist sie im Unternehmen hinreichend verankert?
2. Ist ausreichend Managementkapazität vorhanden, um Innovationen voranzutreiben und erfolgreich am Markt zu platzieren?
3. Hat das Unternehmen bereits eine „Innovationspipeline“? Welchen Wert hat sie tatsächlich und wie erfolgreich hat das Unternehmen bisher die Innovationsprojekte in Umsatz und Gewinn umgemünzt?
4. Wird der Innovationslebenszyklus systematisch verbessert – von der ersten Idee über die Entwicklung der Innovation bis zur erfolgreichen Vermarktung und kontinuierlichen Verbesserung?
5. Hat das Unternehmen ein klares und einheitliches Verständnis, wonach der Innovationserfolg bewertet wird, wird er auch tatsächlich gemessen und wie hoch ist hier der Beitrag zur Wertsteigerung?
„Eine detaillierte Bewertung des Innovationsmanagements als Voraussetzung zur Wertsteigerung bietet das IMP³rove Assessment, das zudem auch noch nationale oder internationale Vergleichswerte liefert“, führt Diedrichs aus.
In die Studie wurden 530 Finanzinvestoren (Antwortrate ca. 10 Prozent n= 53) mit einem Eigenkapital-Investitionsvolumen von 10 Millionen bis 200 Millionen Euro einbezogen. Dabei lag der Fokus auf in Deutschland ansässigen Finanzinvestoren. Die Studie wurde von A.T. Kearney per Fragebogen im September 2010 durchgeführt. In die Analyse und Auswertung der Antworten sind weitreichende Kenntnisse aus der Benchmarking-Datenbank für Innovationsmanagement „IMP³rove“ eingeflossen.
Über IMP³rove
IMP³rove steht für „IMProvement of Innovation Management Performance with sustainable IMPact“ und wurde von der Europäischen Kommission initiiert, um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit in Europa nachhaltig zu verbessern. KMU können anhand einer strukturierten Online-Bewertung die eigenen Innovationsmanagement-Fähigkeiten systematisch bewerten und mit führenden Unternehmen vergleichen. Zudem erhalten sie über IMP³rove Zugang zu Experten, die sie bei der Weiterentwicklung ihres Innovationsmanagements unterstützen. Von IMP³rove profitieren auch Innovationsmanagement-Dienstleister, Investoren, und politische Entscheidungsträger. Ihnen bietet IMP³rove ein aktuelles Bild des Unterstützungsbedarfs von KMU sei es durch Finanzierung, Beratung oder durch öffentliche Förderprogramme zur Verbesserung der Innovationsfähigkeit von Wirtschaftszweigen und -regionen.
Die IMP³rove-Plattform ist erreichbar unter www.improve-innovation.eu.