Foreign Direct Investment Confidence Index: In der Krise erweist sich Deutschland vor allem bei europäischen Unternehmen als Hoffnungsträger für Auslandsinvestitionen Europa vertraut auf Deutschland Düsseldorf, 24. Februar 2010
Deutschland hat seinen Ruf als Investitionsziel bei den weltweit größten Unternehmen deutlich verbessert. In der jüngsten Vertrauensrangliste kletterte die Bundesrepublik von Platz zehn auf fünf. Vor allem bei potenziellen Investoren aus Europa konnte das Land zulegen. Als Top-Destinationen für Auslandsinvestitionen gelten China, USA, Indien und Brasilien. Der Ausblick ist jedoch geprägt von der Wirtschaftskrise: Auch wenn der zuletzt starke Rückgang gebremst wird, verharren die globalen Auslandinvestitionen weiter auf niedrigem Niveau. Mit einer echten Erholung ist erst 2012 zu rechnen, denn viele Unternehmen verschieben derzeit ihre Investitionen. Spürbare Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft erwarten die internationalen Spitzen-Manager vor allem aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Klar wird auch: Selbst in stürmischen Zeiten fordern Verbraucher von Unternehmen erhöhte Anstrengungen in puncto Nachhaltigkeit. Zu diesen Ergebnissen kommt der aktuelle Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index 2010 der Top-Management-Beratung A.T. Kearney. Die Rangliste basiert auf einer regelmäßigen Befragung von Vorständen und Top-Managern der 1.000 weltweit größten Unternehmen, die zusammen einen Jahresumsatz von rund zwei Billionen US-Dollar erwirtschaften.
In der Krise erweist sich Deutschland als Hoffnungsträger für Auslandsinvestoren. Die Bundesrepublik kletterte in der Rangliste auf Platz fünf – bei der letzten Auflage 2007 war es noch Platz zehn. Nur die aufstrebenden Schwellenländer China, Indien und Brasilien auf Rang eins, drei und vier sowie die zweitplatzierten USA schneiden in der Gunst der internationalen Investoren besser ab. Vor allem bei Managern in Europa rückt Deutschland stärker in den Fokus: 69 Prozent aller Befragten, die ein Interesse an der Bundesrepublik als Ziel für Auslandsinvestitionen bekunden, lenken europäische Unternehmen.
Ursache für die positive Bewertung Deutschlands ist neben der vergleichsweise hohen ökonomischen Stabilität der bedeutende Inlandsmarkt. „Firmen suchen nach einem Mittel gegen Unsicherheit und achten zunehmend darauf, im nahen Ausland zu investieren“, sagt Dr. Martin Sonnenschein, Zentraleuropachef von A.T. Kearney. „Dass europäische Investoren ihren Blick verstärkt nach Deutschland richten, ist ein Beleg für die stabile Struktur der Wirtschaft. Allerdings muss das Land im internationalen Vergleich weiter an seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeiten, um einer Rolle als Impulsgeber für die Weltwirtschaft gerecht zu werden.“ Großbritannien dagegen, 2007 noch an vierter Stelle, rutschte aufgrund seiner hohen Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Finanzsektor auf den zehnten Platz ab – das schwächste Ergebnis seit Einführung des Indexes im Jahr 1998.
Unternehmen verschieben Investitionen
Hoffnungen auf ein rasches Wachstum bei den Auslandsinvestitionen insgesamt erteilen die Befragten eine Absage. Die Hälfte der befragten Unternehmen verschiebt entsprechende Projekte – meist um ein bis zwei Jahre. Hauptursache dafür sind unsichere Märkte sowie Probleme bei der Kreditbeschaffung. Die weltweiten Auslandinvestitionen schrumpften laut Welthandels- und Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) in 2009 auf rund eine Billion Dollar – zwei Jahre zuvor waren sie noch fast doppelt so hoch.
Gut zwei Drittel der Unternehmen erwartet erst 2011 oder später einen wirtschaftlichen Aufschwung. Als Konjunktur-Lokomotive könnte sich dann der asiatisch-pazifische Raum erweisen: 72 Prozent der Befragten gaben an, dass diese Region die Welt aus der Rezession führen wird. Nur 15 Prozent trauen dies den USA zu. Noch weniger Optimismus herrscht bei internationalen Investoren in Bezug auf Europa: Nur sechs Prozent erwarten hier wichtige Impulse für die Erholung der Weltwirtschaft.
China, Indien und Brasilien gewinnen an Stärke
Erstmals stehen China, Indien und Brasilien zusammen in der Top-Vier des Indexes. Investoren erwarten, dass diese Staaten trotz Krise wachsen werden. Das Vertrauen in die zukünftige Entwicklung der Länder ist im Vergleich zur Befragung des Jahres 2007 deutlich gewachsen. „Mit China, Indien und Brasilien gewinnen die Giganten der Wachstumsmärkte in der Krise an Stärke“, erläutert Sonnenschein. „Investitionen in diesen Ländern werden als unverzichtbar angesehen, um die Wettbewerbsfähigkeit auf den Märkten von morgen zu erhalten.“
Der Mittlere Osten holt auf
Im Gegensatz zu vielen anderen Schwellenländern haben sich die Volkswirtschaften des Mittleren Ostens gut behauptet – das Vertrauen der Investoren ist im Vergleich zu den Vorjahren sogar gewachsen. Daran konnten selbst negative Berichte über die Top-Ziele der Region – die Vereinigten Arabischen Emirate als Heimat von Dubai und Abu Dhabi – nichts ändern. „Rang elf für die Vereinigten Arabischen Emirate deutet darauf hin, dass Investoren die Bedeutung des Mittleren Ostens und Nordafrikas mit seinen 500 Millionen Konsumenten verinnerlicht haben“, so Sonnenschein. „Sie erwarten, dass die Emirate als Ganzes, mit Dubai als bevorzugtem Eintrittspunkt, wichtigste Anlaufstelle für Investitionen in der Region bleiben werden.“
Verbraucher fordern Nachhaltigkeit
Ungebrochen zeigt sich der Trend zu mehr Nachhaltigkeit. 60 Prozent der Top-Manager gehen davon aus, dass die Ansprüche der Verbraucher in diesem Punkt unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung steigen werden. „Unternehmen glauben, dass stetige Investitionen in nachhaltige Geschäftspraktiken kein Luxus sind, sondern eine Notwendigkeit, um im künftigen Geschäftsumfeld mithalten zu können“, sagt Sonnenschein.
Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index 2010 (Rang 2007)
1. China (1.)
2. USA (3.)
3. Indien (2.)
4. Brasilien (6.)
5. Deutschland (10.)
6. Polen (22.)
7. Australien (11.)
8. Mexiko (19.)
9. Kanada (14.)
10. Großbritannien (4.)
11. Vereinigte Arabische Emirate (8.)
12. Vietnam (12.)
13. Frankreich (13.)
14. Hongkong (5.)
15. Weitere Golfstaaten (17.)*
16. Rumänien (-)
17. Tschechien (25.)
18. Russland (9.)
19. Saudi-Arabien (-)
20. Indonesien (21.)
21. Malaysia (16.)
22. Chile (-)
23. Türkei (20.)
24. Singapur (7.)
25. Ägypten (-)
* inklusive Bahrain, Kuwait, Oman, Qatar
Über den FDI Confidence Index®
Der Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index® wird seit 1998 regelmäßig von A.T. Kearneys Global Business Policy Council ermittelt und basiert auf der Befragung von Vorständen und Führungskräften der weltweit 1.000 größten Unternehmen.