Presse Newsletter Kontakt SucheHome
09.02.2012 A.T. Kearney Service-Kompetenz Industrie-Kompetenz Veröffentlichungen Veranstaltungen Karriere

Presse - Pressemitteilungen - Pressemitteilungen aus dem Unternehmen
Presse - Pressemitteilungen - Pressemitteilungen aus den Practices
Presse - Pressemitteilungen - Presse-Archiv
Presse - A.T. Kearney intern - Das Team




A.T. Kearney-Studie „Nachhaltige Restrukturierung des Wirtschaftsstandorts Deutschland“: Jedes zehnte deutsche Unternehmen von Insolvenz bedroht – Wachstum im Dienstleistungssektor und nachhaltigen Wachstumskernen kompensiert Umsatzeinbrüche im Exportbereich und entspannt Arbeitsmarkt
Wirtschaftskrise beschleunigt Strukturwandel der deutschen Wirtschaft

Düsseldorf, 01. November 2009

Durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise ist in den kommenden fünf Jahren jedes zehnte deutsche Unternehmen akut Insolvenzgefährdet. Bereits im kommenden Jahr werden bis zu 45.000 Unternehmen zahlungsunfähig sein. Besonders betroffen sind dabei vor allem produzierende Unternehmen mit hohem Exportanteil. Die enormen Umsatzeinbrüche in diesem Bereich werden jedoch mittelfristig von einem starken Wachstum im Dienstleistungssektor und nachhaltigen Wachstumskernen ausgeglichen, sodass die Arbeitslosenzahlen die fünf Millionen-Grenze nicht übersteigen wird. Das geht aus der aktuellen Studie „Nachhaltige Restrukturierung des Wirtschaftsstandorts Deutschland“ der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor. Auch in Zukunft wird Westeuropa seine Stellung als wichtigste Exportregion beibehalten können. Asien und die BRIC-Staaten, also Brasilien, Russland, Indien und China, gewinnen jedoch zunehmend an Relevanz und sorgen für eine Verschiebung der weltweiten Exportquoten. Neben staatlichen Konjunkturprogrammen sollten vor allem nachhaltige Bereiche wie beispielsweise eMobility, weiße Biotechnologie oder Solartechnik gezielt gefördert werden. Diese werden in Summe etwa eine halbe Million Arbeitsplätze schaffen und zusammen mit dem Dienstleistungssektor wesentlich dazu beitragen, dass sich der Arbeitsmarkt ab 2011 wieder deutlich erholt.

Als eine der führenden Exportnationen ist Deutschland ganz besonders von der anhaltenden Wirtschaftskrise und den weltweiten Umsatzeinbrüchen betroffen: Im ersten Halbjahr 2009 lag das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 6,3 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sind die Auftragseingänge um 35 Prozent und die Exporte um 23 Prozent zurückgegangen. Man kann davon ausgehen, dass die Krise im Jahr 2009 über alle Branchen hinweg einen Umsatzrückgang von 12 Prozent und einen Einbruch des Gewinns von 22 Prozent zur Folge haben wird. Das würde bedeuten, dass Deutschlands Top100-Unternehmen in diesem Jahr in Summe einen Umsatzrückgang von insgesamt etwa 125 Milliarden Euro zu verkraften haben und die Gewinne um etwa 25 bis 30 Milliarden Euro einbrechen.

„Eine Rückkehr auf das Vorkrisenniveau von 2008 wird in Abhängigkeit verschiedener Faktoren erst in drei bis fünf Jahren möglich sein“, sagt Dietrich Neumann, Zentraleuropachef von A.T. Kearney: „Bis dahin werden die zu erwartenden Umsatzrückgänge zu weitreichenden strukturellen Veränderungen des weltweiten Wirtschaftssystems führen, die nicht nur deutsche Unternehmen vor große Herausforderungen stellen. Bis der Export sich wieder erholt, müssen kurzfristig staatliche Förderprogramme und Konsumanreize die deutsche Konjunktur stützen. Darüber hinaus müssen trotz Umsatzflaute durch Investitionen in Bildung und Innovation sowie die gezielte Förderung von innovativen Wachstumskernen bereits heute die Rahmenbedingungen für die langfristige Sicherung des deutschen Wohlstands geschaffen werden.“

Erhöhtes Insolvenzrisiko für deutsche Unternehmen

Die aktuellen Krisenauswirkungen sind zwar wesentlich kurzlebiger als diejenigen der Weltwirtschaftskrise von 1930 – dafür aber sehr viel intensiver. „Wir erwarten, dass sich die Anzahl der Insolvenzen deutlich erhöhen wird. Waren in 2009 bereits 5,4 Prozent der Unternehmen insolvenzgefährdet so wird sich die Quote bis zum Ende der Krise auf 10,3 Prozent erhöhen. Die Kurzarbeit verringert zwar die Zahl der Insolvenzen – trotzdem werden 2010 etwa 38.000 bis 45.000 deutsche Unternehmen zahlungsunfähig sein – wobei die Bereiche Automobilhandel sowie Transport & Logistik ganz besonders gefährdet sind“, sagt Dr. Jürgen Rothenbücher, Leiter der Strategie-Practice von A.T. Kearney und Autor der Studie.

„Mehr als fünf Prozent der Unternehmen sind in 2009 trotz Kurzarbeit akut insolvenzgefährdet. Die Anzahl der Insolvenzen sind vor dem Hintergrund im historischen Vergleich niedrig. Das Ausmaß der Krise zeigt sich in der Verdoppelung der Insolvenzgeldzahlungen“, ergänzt Dr. Joachim von Hoyningen-Huene, A.T. Kearney-Experte für den Bereich Business-Dynamics und Co-Autor der Studie. Mit dem Auslaufen der Kurzarbeit und dem Anstieg des Insolvenzrisikos steigt auch die Gefahr eines Beschäftigungsabbaus Ende 2009 und 2010 deutlich an, wobei insbesondere das produzierende Gewerbe mit hohem Exportanteil betroffen ist. „Durch Kurzarbeit und die bisherige Zurückhaltung der Unternehmen bei Personalanpassungen wurden etwa eine Millionen Arbeitsplätze kurzfristig erhalten. Wenn die Konjunktur jedoch nicht nachhaltig anspringt, wird die Anzahl der Arbeitslosen in 2010 entsprechend ansteigen“, so von Hoyningen-Huene.

Ankurbelung des Binnenkonsums

Um diesen Entwicklungen entgegen zu wirken, bedarf es kurzfristig staatlicher Konjunkturprogramme, die u.a. eine Steigerung der staatlichen Investitionen und eine Entlastung der privaten Haushalte zur Ankurbelung des Binnenkonsums beinhalten sollten. Dennoch wird die Konjunktur in Deutschland auch zukünftig weiter vom Export abhängen. Kurzfristige Wachstumsimpulse sind hier vor allem durch die steigende Nachfrage in Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC-Staaten) zu erwarten. Sie werden neben den etablierten Exportländern in Westeuropa, Osteuropa und Asien langfristig das Wachstum treiben. Dabei wird Westeuropa auch zukünftig seine Stellung als wichtigste Exportregion beibehalten können – Asien und die BRIC-Staaten gewinnen jedoch zunehmend an Relevanz und sorgen für eine Verschiebung der weltweiten Exportquoten.

Investitionen in Bildung und Innovation sichern Zukunftsfähigkeit

„Um den Wirtschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, bedarf es zusätzlich der gezielten Förderung innovativer Wachstumskerne“, sagt Rothenbücher: „Hervorzuheben sind hierbei insbesondere die Bereiche nachhaltige Mobilität, weiße Biotechnologie, Krankenhaus-Privatisierung, Solartechnik und das Internet. Vor allem Wachstumsbereiche im Bereich Nachhaltigkeit werden in Summe etwa eine halbe Million Arbeitsplätze schaffen und zusammen mit dem Dienstleistungssektor wesentlich dazu beitragen, dass sich der Arbeitsmarkt ab 2011 wieder deutlich erholt.“

Bedroht wird dieser Aufschwung jedoch insbesondere durch den erwarteten Fachkräftemangel: in Deutschland fehlen zukünftig etwa 400.000 Fachkräfte, um das potenzielle Wachstum auch vollständig realisieren zu können. Dazu zählen vor allem Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler sowie Techniker und Meister. Neben kurzfristigen Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur muss daher frühzeitig in Bildung und Innovation investiert werden. Denn auch zukünftig wird Deutschlands Wohlstand insbesondere von Wirtschaftsbereichen mit hoher Wertschöpfung und hochqualifizierten Fachkräften abhängen.

„Nachhaltige Restrukturierung“ nutzt langfristige Chancen aus strukturellen Veränderungen

„Insgesamt hat die deutsche Industrie bisher auf die gegenwärtige Krise schnell und entschieden mit klassischer Restrukturierung reagiert. Bei vielen Unternehmen ist diese allerdings meist kurzfristig angelegt“, sagt Rothenbücher. „Vielmehr gilt es, im Rahmen einer ‚nachhaltigen Restrukturierung‘ die Substanz eines Unternehmens zu erhalten und mittel- und langfristige Trends zu berücksichtigen. Nur so können Unternehmen die langfristigen Chancen aus den krisenbedingten, strukturellen Veränderungen auch nutzen.“ Die wesentlichen Erfolgsfaktoren sind dabei eine ausgewogene Berücksichtigung kurz- und langfristiger Ziele und eine Überprüfung der strategische Ausrichtung und etwaigen Adjustierung des Geschäftsmodells. Notwendige Abbaumaßnahmen sollten so durchgeführt werden, ohne dass die Substanz eines Unternehmens gefährdet wird.

Zusammenfassung der Studie herunterladen


Top - nach oben zurückTop


Copyright 2012, A.T. Kearney. Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen | Datenschutz | Impressum | Feedback | Sitemap