A.T. Kearney stellt Ergebnisse des CPO Club Risk Index für das zweite Quartal 2009 vor: Stimmung der Einkaufsleiter verbessert sich, Finanzsituation der Lieferanten aber weiter kritisch – Wachstumstendenzen in China und Indien Europas Einkaufsleiter sehen erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung Düsseldorf, 02. Juli 2009
Die Einkaufsleiter (CPO) führender europäischer Unternehmen sehen nach dem freien Fall in den letzten drei Quartalen nun erste Anzeichen für eine Stabilisierung der weltweiten Wirtschaft. Dabei gibt es aber große regionale Unterschiede: Während sich in China und Indien bereits erste Wachstumstendenzen abzeichnen, ist die Stimmung in Europa und Russland noch immer von großer finanzieller Unsicherheit und konjunkturellem Abschwung geprägt. Kopfzerbrechen bereitet den europäischen Einkaufsleitern weiterhin die andauernde und teilweise sogar zunehmende finanzielle Schieflage und drohende Insolvenzen ihrer Lieferanten. Knapp zwei Drittel der europäischen Einkaufsleiter erwarten, dass sich die Finanzsituation ihrer Lieferanten weiter verschlechtern wird. Gründe hierfür sehen sie insbesondere in sinkenden Investitionen und fehlender Nachhaltigkeit. Positive Signale werden von weiter sinkenden Rohstoffpreisen und einer verbesserten Verfügbarkeit von Rohstoffen erwartet. Dies geht aus dem aktuellen CPO Club Risk Index hervor, der vierteljährlich von der Top-Managementberatung A.T. Kearney ermittelt wird und für den Einkaufsleiter führender europäischer Unternehmen befragt wurden. Nach Indexständen von minus 23, minus 52 und minus 14 in den letzten drei Quartalen liegt der aktuelle CPO Club Risk Index für das zweite Quartal 2009 bei Null und signalisiert damit ein insgesamt deutlich verbessertes Stimmungsbild.
„Unsere Untersuchung macht deutlich, dass es zwar erste Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung gibt, wir uns aber in einem noch nicht nachhaltig stabilisierten Wirtschaftsumfeld bewegen und die Entwicklungen in den einzelnen Regionen sehr unterschiedlich sind“, sagt Jules A. Goffre, Partner bei A.T. Kearney und Leiter der funktionalen Practice Supply Management. „Ein positives Signal ist jedoch, dass sich in einigen asiatischen Ländern erste Wachstumstrends abzeichnen und sich die Bedingungen für den Einkauf dort verbessert haben. Ob diese Entwicklung ausreichen wird, die übrigen Regionen aus der Rezession zu führen, bleibt abzuwarten. Ein allzu großer Optimismus hinsichtlich einer wirtschaftlichen Erholung scheint jedoch noch verfrüht.“
Wesentliche Ergebnisse des A.T. Kearney CPO Club Risk Index für das zweite Quartal 2009 sind:
Lieferantenbasis: Die Mehrheit der befragten Einkaufsexperten geht davon aus, dass sich die finanzielle Situation ihrer Lieferanten weiter verschlechtern wird. Gründe hierfür sehen sie vor allem in sinkenden Investitionen und fehlender Nachhaltigkeit der Lieferanten. Insgesamt gaben 63 Prozent der befragten CPOs an, dass sich die schlechte Finanzposition ihrer Lieferanten auch negativ auf ihr Unternehmen auswirkt. Lediglich 23 Prozent sehen eine Stabilisierung und 14 Prozent eine Verbesserung zum vorherigen Quartal.
Verfügbarkeit von Inputfaktoren und Kostenentwicklung: Die Wirtschaftskrise sorgt weiterhin für sinkende Materialkosten infolge fallender Rohstoffpreise und für eine verbesserte Verfügbarkeit von Rohstoffen. 75 Prozent der befragten Einkaufsleiter rechnen mit einer verbesserten Versorgung und 94 Prozent erwarten weitere Preissenkungen. Wechselkursschwankungen sowie Löhne und Gehälter haben sich verglichen mit den letzten drei Monaten ausgeglichen entwickelt.
Geopolitische Trends: 63 bzw. 62 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre eigene Geschäftssituation unter den wirtschaftlichen Problemen in Osteuropa bzw. Russland stark leidet. Dieser negative Trend hat sich insbesondere in Bezug auf Osteuropa weiter verstärkt. Im ersten Quartal 2009 lag der Anteil der Befragten, die dort eine Verschlechterung sahen, noch bei 30 Prozent. Für Asien gibt sie hingegen klare Anzeichen einer Verbesserung: Insbesondere in China und Indien haben sich die Bedingungen für den Einkauf mit 81 und 87 Prozent klar stabilisiert und für 19 bzw. 13 Prozent der Befragten deutlich verbessert. Für Unternehmen ergeben sich somit neue Chancen, ihren Einkauf stärker auf die asiatischen Länder wie China und Indien zu fokussieren und in diesen Ländern auszubauen.
Finanzstabilität nach Region: Was die Finanzstabilität betrifft, erwarten die befragten Einkaufsleiter in den meisten Ländern und Regionen mit Ausnahme von Asien und Brasilien weiterhin deutliche Verschlechterungen. Instabil bleibt die Situation in den westlichen Industrienationen wie den USA (31 Prozent), Großbritannien (62 Prozent) und der Eurozone (33 Prozent) sowie Russland (63 Prozent) und Osteuropa (56 Prozent). Die Finanzstabilität hat sich aus Sicht der Befragten in China und Brasilien um 14 bzw. 13 Prozent verbessert.
Globale Wachstumstrends: Insbesondere für Asien haben sich für fast ein Drittel der Befragten die Wachstumsaussichten im Vergleich zum vorigen Quartal verbessert. Auch für Lateinamerika (31 Prozent) zeichnet sich ein deutlicher Aufwärtstrend ab. Deutliche Wachstumseinbußen und negative Auswirkungen auf ihre Geschäftssituation sehen die Unternehmen in Nordamerika (31 Prozent), den westlichen Länder Europas (57 Prozent), Osteuropa (53 Prozent) und Russland (56 Prozent).
Nachhaltige Strategien für den Einkauf
Die finanzielle Schieflage der Lieferanten ist für die europäischen Einkaufsleiter derzeit eine der wichtigsten Herausforderungen. Denn ihre Investitionsbereitschaft und Wettbewerbsfähigkeit sind für den Einkauf von entscheidender Bedeutung.
„Um sich vor Ausfällen von kritischen Lieferanten abzusichern, sollten Unternehmen potenzielle Insolvenzkandidaten unter den Lieferanten frühzeitig identifizieren und – falls erforderlich – beispielsweise durch Veränderungen von Zahlungszielen unterstützen“, sagt Ramón Romero Pérez, Manager bei A.T. Kearney. „Gleichzeitig sollten Unternehmen kurzfristig die weiter sinkenden Rohstoffpreise ausschöpfen und langfristige Strategien zur Absicherung von Preisen und der Lieferung von Materialien entwickeln.“
Aufgrund der sich in China und Indien abzeichnenden Wachstumstrends empfiehlt es sich für Unternehmen, ihr Einkaufsvolumen in diesen Märkten auszubauen und potenzielle neue Lieferanten zu identifizieren.
„Die aktuellen ersten Anzeichen einer wirtschaftlichen Stabilisierung sollten genutzt werden, um bereits jetzt die Voraussetzungen für die nächste Wachstumsphase zu schaffen“, so Goffre. „In Zeiten der Krise ist es daher besonders wichtig, sowohl auf kurzfristige Kostensenkungen, als auch auf Maßnahmen für eine nachhaltige Restrukturierung zu setzen.“
Über den CPO Club Risk Index
Der CPO Club Risk Index misst die Erwartungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung für den Einkauf auf einer Skala von minus 100 bis plus 100. Ein Indexwert über Null signalisiert eine verbesserte, ein Indexwert unter Null eine verschlechterte Einschätzung. Der Index umfasst die vorherrschenden wirtschaftlichen Erwartungen und Trends im Vergleich zum vergangenen Quartal und deckt fünf zentrale Bereiche ab: Lieferantenbasis, Verfügbarkeit von Inputfaktoren und Kostenentwicklung, geopolitische Trends, Finanzstabilität sowie globale Wachstumstrends. Letztere zeigen an, ob die Wachstumstendenzen in einzelnen geografischen Bereichen die Wirtschaftsentwicklung fördern oder hemmen.
Der CPO Club Risk Index wird von A.T. Kearney und dem MBA Institut mit Sitz in Paris quartalsweise ermittelt und spiegelt die wirtschaftlichen Erwartungen eines Panels von rund 40 Einkaufsleitern weltweit tätiger Konzerne mit Sitz in Europa wider. Diese operieren in sämtlichen bedeutenden Industrie- und Dienstleistungsbereichen und verfügen über einen aggregierten Umsatz von über 1,2 Billionen Euro.
Publikationen und Studien der Practice Zum Informationsportal der A.T. Kearney Service-Experten für Strategisches Beschaffungsmanagement in Central Europe.