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A.T. Kearney Branchenstudie: Nettoumlaufvermögen (NUV) von europäischen Stahlherstellern von 2003 bis 2007 gesunken, allerdings schöpfen europäische Stahlfirmen Möglichkeiten zur kurzfristigen Reduzierung der Kapitalbindung durch Verbesserung des Nettoumlaufvermögens nicht optimal aus
Europäische Stahlindustrie kann Finanzierungsbedarf um bis zu sieben Milliarden Euro senken

Düsseldorf, 11. Februar 2009

Die europäischen Stahlhersteller haben in den letzten Jahren ihr Nettoumlaufvermögen zwar verbessern können, liegen aber immer noch hinter den globalen Benchmark-Werten. Durch eine gezielte Optimierung könnten sie ihr Nettoumlaufvermögen um mehr als 20 Prozent reduzieren und dadurch bis zu sieben Milliarden Euro an gebundenem Kapital freisetzen. Vor allem beim Kerntreiber „Bestände“ sind erhebliche Verbesserungen möglich. Gerade in der Wirtschaftskrise lassen europäische Stahlhersteller damit wichtige Chancen ungenutzt, ihre Liquidität und wirtschaftliche Situation zu verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeituntersuchung, in der die Top-Management-Beratung A.T. Kearney die Entwicklung des Nettoumlaufvermögens von europäischen und weltweit tätigen Stahlkonzernen über den Zeitraum der letzten fünf Jahre analysiert hat.

„Die Stahlindustrie blickt auf eine lange Periode starken Wachstums zurück. Neben dem Boom in Wachstumsmärkten wie China und Indien hat dazu vor allem die insgesamt starke globale Konjunktur beigetragen. Durch die jüngsten Entwicklungen an den Finanzmärkten und die sich eintrübende Weltwirtschaft steht die Stahlindustrie allerdings zunehmend unter Druck. Freie Kapazitäten, Preisreduktionen und abnehmende Profitabilität kennzeichnen den Markt und es drängt sich die Frage nach nicht ausgeschöpften Potenzialen zur Verbesserung der Profitabilität förmlich auf. Die Reduzierung des Nettoumlaufvermögens und damit die Verbesserung der Kapitalposition ist dazu ein wichtiger und oftmals vernachlässigter Hebel,“ sagt A.T. Kearney-Partner und Stahlexperte Prof. Dr. Alexander Malkwitz.

Die Studie zeigt für europäische Stahlhersteller klaren Handlungsbedarf: Während das Nettoumlaufvermögen von weltweit tätigen Stahlunternehmen im Durchschnitt 19,5 Prozent beträgt, liegt der Wert für europäische Firmen bei 21,2 Prozent. Zwar ist es den europäischen Stahlherstellern gelungen, im Zeitraum 2003 bis 2007 die Lücke zu den weltweiten Vergleichsfirmen zu verkleinern, geschlossen werden konnte sie jedoch nicht.

Hohe Bestände in Europa

Dabei weisen die europäischen Unternehmen 2007 vor allem bei den Beständen schlechtere Werte auf als internationale Player. Das Bestandsniveau der europäischen Firmen ist kontinuierlich angestiegen und lag 2007 mit 20 Prozent zwei Prozentpunkte über dem weltweiten Niveau. Damit haben sich die Bestände der europäischen Stahlindustrie im weltweiten Vergleich überproportional ausgeweitet. Ein Trend zu steigenden Beständen ist jedoch in beiden Untersuchungsgruppen zu erkennen. Maßgeblich ist er darauf zurückzuführen, dass viele Firmen im Zuge ihrer Wachstumsbestrebungen der letzten Jahre keinen ausgeprägten Fokus mehr auf die Bestandsoptimierung gelegt haben. Der Forderungsbestand europäischer Firmen liegt mit durchschnittlich 12 Prozent des Nettoumsatzes leicht unter dem globalen Vergleichswert. Auch beim Verbindlichkeitsbestand liegt Europa heute vor der weltweiten Konkurrenz, allerdings lagen die Verbindlichkeiten der europäischen Unternehmen bis 2006 konstant unter dem weltweiten Niveau.

„Die Steuerung des Nettoumlaufvermögens ist in den konjunkturell stärkeren letzten Jahren von vielen Firmen offensichtlich vernachlässigt worden. Zwar konnten europäische Unternehmen durchaus Verbesserungen erzielen, allerdings bleiben diese weit hinter dem tatsächlich vorhandenen Potenzial zurück“, sagt Dr. Niels Kuschinsky, Manager bei A.T. Kearney und Co-Autor der Studie. „In der aktuellen Wirtschaftskrise ist es besonders wichtig, dass Unternehmen alle Möglichkeiten ausschöpfen, kurzfristig Kapital freizusetzen“, ergänzt Dr. Thomas Friedrich, ebenfalls Manager bei A.T. Kearney und Co-Autor der Studie.

Brachliegende Potenziale

So haben europäische Stahlunternehmen im Zeitraum 2003 bis 2007 ihr Nettoumlaufvermögen zwar um sieben Prozent reduziert, allerdings zeigt die Studie eine weitere mögliche Optimierung um mehr als 20 Prozent. Voraussetzung hierfür ist, dass der Benchmark-Bereich erreicht werden kann. Das entspricht einer Reduzierung des gebundenen Kapitals um knapp sieben Milliarden Euro bei den betrachteten europäischen Stahlunternehmen.

Des Weiteren hat die Studie ergeben: Im Vergleich zur letzten Untersuchung des Zeitraums 1997 bis 2002 hat sich die unternehmensspezifische Bandbreite der Werte sowohl auf europäischer Ebene als auch weltweit deutlich erhöht. Zwischen 16,4 und 36,9 Prozent des Nettoumsatzes lag 2007 das Nettoumlaufvermögen der untersuchten europäischen Unternehmen. Im weltweiten Vergleich liegt die Spannbreite bei Werten von 10,5 bis 36,9 Prozent des Nettoumsatzes. Dieses stark differenzierte Bild macht nochmals deutlich, dass für einzelne Unternehmen ganz beträchtliches Optimierungspotenzial besteht.

„Stahlhersteller sollten ihr Augenmerk nun ganz konsequent auf die systematische Verbesserung der Bestandspositionen richten. Aber auch das Forderungsmanagement muss auf Optimierungschancen untersucht und neu ausgerichtet werden“, fasst Malkwitz die wesentlichen Handlungsempfehlungen zusammen.

Basis für die Studie ist die Entwicklung des Nettoumlaufvermögens von 27 Stahlunternehmen weltweit und acht europäischen Stahlunternehmen. Zu Grunde gelegt wurden die öffentlich zugänglichen Finanzkennzahlen aus den Jahren 2003 bis 2007. Berücksichtigt werden für die Berechnung des Nettoumlaufvermögens Forderungen, Vorräte und Verbindlichkeiten. Eine Sondersituation scheint sich bei chinesischen Stahlherstellern zu ergeben. Hier liegt das Nettoumlaufvermögen durchweg ganz besonders niedrig. Da die Gründe nicht vollkommen geklärt werden konnten, wurden diese Unternehmen in den Vergleichswerten nicht berücksichtigt.


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