A.T. Kearney entwickelt 12-Punkte-Konjunkturprogramm
Nachhaltigkeit in der Finanzkrise: Widerspruch oder Chance für einen „New Energy Deal“?

Düsseldorf, 20. Januar 2009
 | | Finanzkrise zur Initiierung eines nachhaltigen und versorgungssicheren Energiemix nutzen |  | | Maßnahmenpaket gegen die Finanzkrise und für die Umwelt |  | | Langfristige Reduktion des Imports fossiler Energieträger um über 50 Milliarden Euro pro Jahr |  | | Anschubinvestitionen aus Konjunkturprogramm von etwa 24 Milliarden |
Um einen möglichst langfristigen und nachhaltigen Nutzen aus dem geplanten Konjunkturprogramm zu ziehen, sollte die Bundesregierung neben einer unmittelbaren Entlastung der Konsumenten durch Steuer- beziehungsweise Abgabensenkung vor allem auch zukunftsgerichtete Investitionen zur Förderung und Weiterentwicklung des Energiemixes tätigen. Dies würde gleichzeitig auch den CO2-Ausstoß und auch die Abhängigkeit von Energieimporten reduzieren und könnte langfristig eine Vielzahl von Arbeitsplätzen schaffen. In einem ersten Schritt sollten dafür im Laufe der nächsten zwei bis drei Jahre als Anschubinvestitionen rund 24 Milliarden Euro investiert werden, die aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung kommen könnten. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Top-Managementberatung A.T. Kearney. Die Studie „New Energy Deal“ adressiert mit den Elementen nachhaltige Energieerzeugung, Energieeffizienz und -management sowie Elektrifizierung in erster Linie jene Industrien, die bereits besonders von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen sind oder in Zukunft betroffen sein werden. So sollten zur Konjunkturstabilisierung durch Deficit Spending vorrangig die Branchen Automobil, Bau, langlebige Konsumgüter sowie Investitionsgüter berücksichtigt werden. Für Energieunternehmen sollten Investitionsrentabilität ermöglicht und Genehmigungsverfahren vereinfacht werden.
„Der volkswirtschaftliche Nutzen eines ‚New Energy Deals’ wäre enorm. So gibt Deutschland derzeit jährlich zwischen 60 und 100 Milliarden Euro für Energieimporte aus - womit gleichzeitig erhebliche Abhängigkeiten verbunden sind. Die Energiewende ist kein Luxus für konjunkturell gute Zeiten, sondern bringt gerade in der Krise volkswirtschaftlichen Nutzen. Ausgaben für den Import von Öl und Gas könnten in Investitionen in deutsche Energietechnologie umgewandelt und damit neue Arbeitsplätze geschaffen werden“, sagt Dr. Jürgen Rothenbücher, Partner bei A.T. Kearney und Leiter der Studie: „Ein Teil der langfristig notwendigen Investitionen könnte im Rahmen der aktuell diskutierten Konjunkturmaßnahmen zur Defizitfinanzierung aufgebracht und wenig wertschöpfende staatliche Ausgaben umgelenkt werden. So könnten staatliche Investitionen im Sinne des oft zitierten ‚Green New Deals’ in dreifacher Hinsicht wirken: volkswirtschaftlich, ökologisch und sozial“, so Rothenbücher.
Maßnahmenpaket gegen die Finanzkrise und für die Umwelt
Der von A.T. Kearney entwickelte „New Energy Deal“ besteht aus den drei Elementen nachhaltige Energieerzeugung, Elektrifizierung - vor allem auch von Mobilität - sowie Energieeffizienz und -management und adressiert vorrangig die Branchen Automobil, Bau, langlebige Konsumgüter und Investitionsgüter. Gleichzeitig wird der Einstieg in den Umbau der Energiewirtschaft durch weitere Sicherung der Investitionsrentabilität und vereinfachte Genehmigungsverfahren ermöglicht.
Nachhaltige Energieerzeugung bedeutet vor allem auch die Stärkung regionaler Wirtschaftkreisläufe durch Investitionen in hoch effiziente dezentrale Erzeugungsanlagen. Energieeffizienz und -management bedeutet beispielsweise die Förderung von Maßnahmen mit kurzfristigen Konjunktureffekten wie die Förderung effizienterer Geräte wie Energiesparlampen oder Kühlschränke oder Energieeinsparungsmaßnahmen durch Dämmung. Die verstärkte Elektrifizierung von technischen Prozessen ermöglicht einerseits fossile Primärenergieträger zu substituieren und andererseits die bereitgestellte Energie effizienter zu nutzen, beispielsweise durch nachhaltige Automobilantriebe - von Hybrid sukzessive zu E-Mobility - oder den Ersatz von Heizungen durch Wärmepumpen.
Die erforderlichen Technologien dazu sind - in großen Teilen - bereits vorhanden. Insbesondere die Umsetzung der Maßnahmen mit kurzfristigen Konjunktureffekten ist nicht auf weitere Innovationen angewiesen. „Der von uns entworfene Transformationsprozess kann gesamthaft natürlich nur in einem langfristigen Zeitrahmen vollzogen werden. So ist die Marktreife von Technologien, Planungs- und Entwicklungsprozessen sowie Ersatzzyklen bei gekoppelten Investitionen notwendig. Der Zeitraum kann jedoch durch politische Entscheidungsprozesse und Rahmenbedingungen maßgeblich verkürzt werden“, sagt Dr. Carsten Gerhardt, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeitsmanagement bei A.T. Kearney.
A.T. Kearney 12-Punkte-Sofortprogramm: „New Energy Deal“
| 1. | Investitionssicherung großer Renewables-Projekte:Schaffung der gesetzlichen und finanziellen Voraussetzungen, um die Absage oder Verschiebung bereits projektierter Projekte zu verhindern. Investitionsvolumen etwa 500 Millionen Euro. | | 2. | Ausbau dezentraler Energieversorgung:Initiierung eines „100.000-Keller-Programms“ zur Umsetzung dezentraler Technologien wie Mikroturbine oder Brennstoffzelle auf Haushalts- beziehungsweise Wohnblock-Ebene. Investitionsvolumen etwa 5 Milliarden Euro. | | 3. | Ausbau Energietransport:Aus- und Umbau in Übertragungsleitungen, um insbesondere Strom aus erneuerbaren Großanlagen wie Wind-Offshore Parks oder große Solarfarmen zu transportieren und die Förderung innovativer Technologien. Ermöglicht werden sollten vor allem die Investitionsrentabilität für die Energiekonzerne und eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren. Hierfür sind keine staatlichen Investitionen notwendig. | | 4. | Speichertechnologien:Entwicklung neuer Technologien, um insbesondere Energie aus erneuerbaren Energien zwischen zu speichern, um diese mit Hilfe von Druckluftspeichern oder Vanadium Redox Batterien so effizienter nutzen zu können. Investitionsvolumen rund 2 Milliarden Euro. | | 5. | Kommunikation/Metering:Die Implementierung von Smart Metern sowie der erforderlichen Kommunikationstechniken sollte forciert werden, um bis 2015 eine Penetration von mindestens 50 Prozent zu erreichen. Investitionsvolumen rund 2 Milliarden Euro. | | 6. | Dämmung/Heizung/Warmwasser:Schaffung weiterer Anreize beispielsweise durch Investitionskostenzuschüsse zur kurzfristigen Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen im häuslichen und im industriellen Bereich. Investitionsvolumen rund 8 Milliarden Euro. | | 7. | Geräteeffizienz:Schaffung kurzfristiger Anreize zum Ersatz von älteren Geräten wie Kühlgeräte durch neue energieeffiziente Produkte. Zudem sollten geeignete Zertifizierungsrichtlinien festgelegt werden, um die Wertschöpfung zumindest zunächst in Deutschland zu halten. Investitionsvolumen rund 3 Milliarden Euro. | | 8. | Intelligente Stromnetze/Smart-Grids:Investition in mehrere Pilotprojekte zum Umbau der Netze insbesondere auf Verteilungsebene. Investitionsvolumen rund 100 Millionen Euro. | | 9. | Regionalcluster:Finanzierung flächendeckender Pilotprojekte zur Integration verschiedener dezentraler Erzeugungstechnologien wie „virtuelle Kraftwerke“ auf regionaler Ebene. Investitionsvolumen rund 100 Millionen Euro. | | 10. | Infrastruktur für „E-Mobility“:Schaffung der Infrastrukturvoraussetzungen, um den mittelfristigen Umbau vom Verbrennungsmotor über Hybrid bis hin zum Elektroantrieb insbesondere im Individualverkehr zügig zu gewährleisten. (Investitionsvolumen ca. 1 Milliarde Euro) | | 11. | Bioenergie-Infrastruktur:Schaffung der Infrastrukturvoraussetzungen, um den verstärkten Einsatz von Bioenergie zum Beispiel für den Schwerlastverkehr zu schaffen. Investitionsvolumen etwa 1 Milliarde Euro. | | 12. | Forschung Batterietechnologie:Bereitstellung öffentlicher Mittel zur Förderung innovativer Ideen in der Entwicklung von Fahrzeugbatterien: Standardisierung, Systementwicklung, Verbesserung von Energiedichte und Lebensdauer sowie Kostenreduktion. Investitionsvolumen rund 2 Milliarden Euro. |
Wesentlich für den Erfolg des „New Energy Deal“ ist, dass die einzelnen Bereiche auf Basis eines politischen Konsenses genau aufeinander abgestimmt werden und eine treffende zeitliche Taktung gefunden wird.
Strom als Energieform der Zukunft
Der „New Energy Deal“ und der damit einhergehende Transformationsprozess beinhaltet die weitgehende Umstellung auf Elektrizität als Energieträger. „Dies würde zu einem massiven Wachstumsprogramm für Elektrizitätserzeugung und -transport sowie für die Hersteller von Investitionsgütern führen. Für die deutsche Energiewirtschaft bieten sich durch das Ausrollen einer innovativen Energieerzeugung und innovativen Geschäftsmodellen zudem weitreichende Globalisierungschancen“, so Gerhardt: „Die langfristigen Gesamtinvestitionen schätzen wir auf mehr als eine Billionen Euro. Die von uns beschriebenen Maßnahmen und Investitionen können natürlich nur ein erster Schritt in Richtung einer komplette Transformation auf CO2-arme Energie sein, die neben der Energieerzeugung vor allem auch die Bereiche Mobilität, Verkehr, Wärmedämmung, Prozesswärme und Elektrogeräte umfasst.
Weitere Informationen finden Sie hier:
Nachhaltigkeit in der Finanzkrise: Widerspruch oder Chance für einen „New Energy Deal“? |