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A.T. Kearney-Studie untersucht Entwicklung von Fusionen und Übernahmen in der Energiewirtschaft im Spiegel der Finanzkrise: M&A-Volumen wird in den nächsten fünf Jahren um 30 Prozent zurückgehen – dennoch Zunahme der Marktkonzentration erwartet
Finanzkrise lässt M&A-Markt in der Energiewirtschaft um 30 Prozent einbrechen

Düsseldorf/Berlin, 03. November 2008

Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise werden die M&A-Aktivitäten von Finanzinvestoren und Energieversorgern massiv negativ beeinflussen und zu einem starken Rückgang führen. Dem Deal-Volumen der letzten fünf Jahre in Höhe von 382 Milliarden Euro wird daher bis 2013 nur ein Deal-Volumen von 260 Milliarden Euro gegenüberstehen. Dies entspricht einem Rückgang von mehr als 30 Prozent. Dennoch wird die Marktkonzentration bis 2013 von 28 auf 32 Prozent ansteigen, verglichen mit einem fast doppelt so starken Anstieg von 21 auf 28 Prozent im Vergleichszeitraum von 2002 bis 2007. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor, die heute im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde. Der A.T. Kearney-Studie zufolge werden hohe Wachstumsraten für die meisten Energieunternehmen zukünftig nur dann möglich sein, wenn sie zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung des organischen Wachstums umsetzen. Auf der Ebene der Übernahmen gewinnen der Fokus auf einzelne Wertschöpfungsstufen und die horizontale Konsolidierung an Bedeutung. Finanzinvestoren werden sich zukünftig stärker im Netzbereich engagieren.

„Fusionen und Übernahmen sind seit der Liberalisierung die größten Wachstumsmotoren von führenden Energieversorgern geworden“, erläutert Dr. Matthias Cord, Vice President und Leiter der europäischen Utilities Practice von A.T. Kearney: „So ist die Anzahl der M&A-Transaktionen in der europäischen Energiewirtschaft seit dem Jahr 2000 auf einem konstant hohem Niveau, allerdings hat sich dabei das jährliche Transaktionsvolumen versechsfacht. Der wesentliche Grund für die starke Zunahme der Transaktionsvolumina sind die Mega-Deals der vergangenen Jahre.“

Allerdings hat sich der Fokus der Transaktionen verschoben: Während im Jahr 2000 nur 30 Prozent der Transaktionen im Bereich der Erzeugung stattfanden, ist der Anteil im Jahr 2007 kontinuierlich auf 65 Prozent gestiegen. Der Schwerpunkt dieser Transaktionen war im Bereich erneuerbarer Energien. Allerdings haben auch die steigenden Strompreise für eine zunehmende Attraktivität konventioneller Erzeugungsassets gesorgt.

Finanzinvestoren zahlen die höchsten Multiples

Zudem hat sich das Käuferportfolio im betrachteten Zeitraum deutlich verschoben. „Während der Anteil der Energieversorger im Zeitraum von 2000 bis 2007 von 83 auf 56 Prozent zurückgegangen ist, hat sich der Anteil der Finanzinvestoren von 5 auf 25 Prozent verfünffacht“, erklärt Dr. Martin Handschuh, Principal bei A.T. Kearney.

Seit dem Jahr 2000 haben dabei die zehn aktivsten Energieversorger mehr als 360 Akquisitionen durchgeführt. Seitens der Finanzinvestoren sind Infrastrukturfonds und Private Equity-Unternehmen am aktivsten, Staatsfonds haben bisher keine Rolle gespielt. Mit durchschnittlichen EBIT- und Umsatz-Multiples von 12,6 beziehungsweise 2,8 liegen die Finanzinvestoren dabei klar in Führung. „Finanzinvestoren treiben die Entwicklung fokussierter Geschäftsmodelle voran. Diese zeigen im historischen Vergleich in Abhängigkeit vom Geschäftsmodell eine Wertentwicklung in den letzten fünf Jahren, die das 1,4- bis 4,2-fache jener integrierter Versorger ausmacht“, so Handschuh.

Rückgang des M&A-Volumens um 30 Prozent erwartet

„Wir erwarten allerdings, dass die Finanzkrise und ihre Folgewirkungen mittelfristig den M&A-Markt in der Energiewirtschaft erheblich beeinflussen werden“, sagt Kurt Oswald, Principal bei A.T. Kearney: „Gründe hierfür sind die abnehmende Attraktivität von fremdfinanzierten Deals und die eingeschränkte Liquidität auf den Finanzmärkten.“

Der Studie zufolge werden die Transaktionsvolumina von Finanzinvestoren stark zurückgehen, da die Transaktionen zum größten Teil fremdfinanziert werden. Auch seitens der Energieversorger sind die Möglichkeiten künftiger Mega-Deals vergleichsweise eingeschränkt. Gründe dafür sind kartellrechtliche Beschränkungen, Staatsprotektionismus und die Folgen der Finanzkrise.

„Wir gehen daher in den kommenden fünf Jahren von einem M&A-Transaktionsvolumen von 260 Milliarden Euro aus. Dies liegt um rund 30 Prozent niedriger als in den fünf Jahren zuvor“, erläutert Oswald die Konsequenzen: „Die Marktkonzentration in der europäischen Energiewirtschaft wird allerdings weiter zunehmen: Bis 2013 erwarten wir einen Anstieg von 4 Prozent. In der Vergleichsperiode zuvor war die Zunahme mit 7 Prozent allerdings fast doppelt so stark.“

Fokus der Akteure im M&A-Markt verschiebt sich

Für Energieversorger gewinnen der Fokus auf einzelne Wertschöpfungsstufen und die horizontale Konsolidierung immer mehr an Bedeutung. Das heißt, dass selektive Übernahmen zur Realisierung von wertschöpfungsspezifischen Skaleneffekten zunehmen werden. Hohe Wachstumsraten werden aber für die meisten Energieunternehmen zukünftig nur dann möglich sein, wenn sie zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung des organischen Wachstums umsetzen. Dazu zählen die Intensivierung des Vertriebs bestehender Leistungen, die Entwicklung neuer Angebote im Bereich der Kerngeschäftsaktivitäten sowie die Erschließung neuer Märkte.

Finanzinvestoren werden künftig einen verstärkten Fokus auf Unternehmen mit stabilen Cash-Flows zur schnellen Refinanzierung des Deals legen. Dabei wird es der Studie zufolge in Zukunft zu einem verstärkten Engagement im Infrastrukturbereich kommen. „Auch Kommunen müssen sich bei Stadtwerksverkäufen zukünftig verstärkt mit wertschöpfungsspezifischen Strategien wie dem getrennten Verkauf von Netzen und den Wettbewerbsbereichen auseinandersetzen. Alternativ zu einem Komplettverkauf lassen sich damit in Summe höhere Verkauferlöse erzielen“, stellt Cord abschließend fest.


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