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A.T. Kearney-Studie untersucht Auswirkungen der eigentumsrechtlichen Entflechtung von Stromerzeugung und Vertrieb in Europa – Wirksame Instrumente für mehr Wettbewerb sind eine effektive Regulierung, das Ausschöpfen des vorhandenen rechtlichen Rahmens sowie Investitionsvorgaben für den Ausbau der Grenzübergangskapazitäten
Ownership Unbundling führt nicht zu mehr Wettbewerb auf europäischen Energiemärkten

Düsseldorf/Berlin, 21. Januar 2008

Die von der EU-Kommission angestrebte eigentumsrechtliche Entflechtung von Energieerzeugung und Netzen (Ownership Unbundling) wird nicht zu mehr Wettbewerb oder niedrigeren Preisen in den europäischen Energiemärkten führen. Vielmehr zeigt der europäische Vergleich, dass Strompreise und Netztarife in den Länder ohne Ownership Unbundling weniger stark steigen und die Netzverlässlichkeit höher ist. Innerhalb der EU-15 weist Deutschland die niedrigsten jährlichen Ausfallzeiten pro Haushalt auf. Dies geht aus einer Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor, die heute im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wurde. Für mehr Wettbewerb im Endkundenmarkt sorgen letztlich eine effektive und einheitliche Regulierung in allen europäischen Märkten mit einer konsequenten Umsetzung von Legal Unbundling auf der Übertragungs- und Verteilnetzebene. Gemeinsam mit rechtlich bindenden Vorgaben für die EU-Länder zum Ausbau der Grenzübergangskapazitäten wird das zu mehr Wettbewerb in Europas Strommärkten führen.

„Das Ziel der EU-Kommission, den Ausbau der Grenzübergangskapazitäten zu forcieren, den Wettbewerb zu intensivieren und die Strompreise zu senken, wird sich durch Ownership Unbundling nicht umsetzen lassen“, sagt Dr. Florian Haslauer, Partner und Vice President der Utility Practice von A.T. Kearney und Leiter der Studie: „Der europäische Vergleich von Ländern mit und ohne Ownership Unbundling zeigt vielmehr, dass die eigentumsrechtliche Netzentflechtung keinerlei Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit der Netze, die Investitionen in die Netze, den Ausbau der Grenzübergangskapazitäten, die Höhe der Netznutzungsentgelte und letztlich auf die Höhe der Strompreise hat.“

Ausfallzeiten und Entwicklung der Strompreise

Die Studie zeigt, dass Deutschland innerhalb der EU-15 zwischen 2004 und 2006 mit 24 Minuten die niedrigsten jährlichen Ausfallzeiten pro Haushalt aufweist. Frankreich und Österreich, die ebenfalls auf die rechtliche Trennung von Erzeugung und Netz (Legal Unbundling) setzen, liegen mit 54 und 36 Minuten deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 95 Minuten pro Jahr und Haushalt.

Bei der Entwicklung der Strompreise für Haushaltskunden und Industrie wird deutlich, dass diese in Ländern mit Ownership Unbundling von 1998 bis heute mit 3,0 beziehungsweise 4,0 Prozent stärker gestiegen sind als in Ländern mit Legal Unbundling (+0,7/+0,9 Prozent).

Neben der Verlässlichkeit der Netze und der Entwicklung der Strompreise für Haushalte und Industrie hat A.T. Kearney auch die Investitionstätigkeit der europäischen Netzbetreiber, die Entwicklung der Grenzübergangskapazitäten und Netzentgelte untersucht.

Investitionstätigkeit und Ausbau der Grenzübergangskapazitäten

„Durch die verpflichtende Einführung des Ownership Unbundling erhofft sich die EU-Kommission höhere Investitionen in die Netze und einen forcierten Ausbau der Grenzübergangskapazitäten“, so Haslauer: „Unsere Studie zeigt jedoch, dass sowohl bei der Investitionstätigkeit als auch bei der Entwicklung der Grenzübergangskapazitäten kein Zusammenhang zwischen der Form des Unbundling besteht. Unternehmen in Ländern mit Ownership Unbundling investieren nicht stärker in ihre Netze als ihre europäischen Nachbarn, deren Netz und Erzeugung rechtlich getrennt sind.“ So haben in den Jahren 2004 bis 2006 beispielsweise die deutsche E.ON mit 1.284 Euro pro Gigawattstunde (GWh) und der österreichische Verbund mit 1.369 Euro/GWh ähnlich hoch in den Ausbau investiert wie die spanische Red Electrica mit 1.456 Euro/GWh oder die norwegische StatNet (1.376 Euro/GWh).

Die Übertragungskapazitäten haben sich in den Jahren 2000 bis 2006 mit einem Durchschnittswert von 70 Prozent in nahezu allen Ländern der EU-15 mit Ausnahme von Dänemark erhöht. Die deutschen Energieunternehmen konnten ihre Kapazitäten seit dem Jahr 2000 um 39 Prozent, die österreichischen um 115 Prozent steigern. Das Verhältnis von Import und Erzeugungskapazität liegt in Deutschland, Österreich und Frankreich darüber hinaus sogar deutlich über dem Ziel der EU-Kommission von 10 Prozent, in Großbritannien, Italien und Spanien hingegen deutlich darunter.

Wettbewerb abhängig von Dauer und Form der Regulierung

Auch auf die Höhe der Netzentgelte sind keinerlei Auswirkungen durch Ownership Unbundling zu erkennen. Aus der Studie geht hervor, dass die Länder, die schon seit längerer Zeit auf eine Regulierung setzen, die niedrigsten Netznutzungsentgelte aufweisen. In Deutschland lagen diese 2006 mit 7,1 Euro pro Megawattstunde (MWh) in etwa im europäischen Durchschnitt von 7,0 Euro/MWh, in Frankreich und Österreich mit 5,3 und 5,0 Euro/MWh deutlich darunter. Länder mit Ownership Unbundling wie Dänemark (10,3 Euro/MWh), Italien (10,1) und Großbritannien (8,4) weisen dagegen überdurchschnittlich hohe Netztarife auf.

„Je länger in einem Markt eine Regulierungsstelle eingesetzt ist, desto besser kommt der Wettbewerb in Gang“, sagt Haslauer: „Aus unserer Studie geht hervor, dass in Ländern mit längerer Regulierungserfahrung nicht nur die Netzentgelte niedriger, sondern auch die Retailmargen höher sind. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, auch für alternative Anbieter ein nachhaltiges Interesse am Strommarkt zu schaffen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.“

Ein Wettbewerb im Retailmarkt erfordert attraktive Retailpreise, da sonst der Anreiz für neue Anbieter fehlt. Genau in dieser Situation befindet sich zurzeit der deutsche Strom-Retailmarkt und hierin liegt auch der Hauptgrund für den geringen Wettbewerb um die deutschen Haushaltskunden. In Schweden und Großbritannien beispielsweise sind die Retailmargen deutlich höher als in Deutschland. Dies macht alternative Anbieter konkurrenzfähiger und führt in der Folge zu höheren Wechselraten. In Großbritannien sind diese mit knapp 50 Prozent rund zehn Mal höher als in Deutschland.

Ein weiterer Treiber für mehr Wettbewerb in Europa ist die Integration der regionalen Strommärkte. Derzeit gibt es in der EU fünf Preiszonen, was zu Engpässen führt und den grenzüberschreitenden Stromhandel begrenzt. Eine Integration der fünf Märkte würde eine Vielfalt und Erhöhung der Anbieterzahl auf der Erzeugerseite schaffen und die Marktkonzentration im europäischen Markt wesentlich reduzieren.

Effektive Regulierung und Investitionsvorgaben beleben Wettbewerb

Um den Wettbewerb auf dem europäischen Strommarkt zu beleben, ist es zunächst notwendig, eine effektive und einheitliche Regulierung in ganz Europa zu schaffen. Dazu zählt es, Transparenzstandards wie zum Beispiel Rechnungsinformation über Anbieter und Preisänderungen auf ein einheitliches europäisches Niveau heben, den Wechselprozess zu vereinfachen sowie den Zugang neuer Anbieter zum Netz sicherzustellen.

Darüber hinaus sollte die Umsetzung des Legal Unbundling auf der Transport- und Verteilnetzebene verschärft werden. In vielen europäischen Ländern wird der bestehende rechtliche Rahmen jedoch noch nicht vollständig ausgeschöpft. Aktiengesellschaften mit unabhängigen Vertretern im Aufsichtsrat und die Zuordnung aller Netzaktivitäten in die Netzgesellschaft können hier eine größere Unabhängigkeit schaffen.

Da der Strombinnenmarkt langfristig nur durch leistungsfähige Transportnetzverbindungen zu erreichen ist, ist es zudem erforderlich, für alle EU-Mitgliedsländer rechtlich bindende Vorgaben für die Realisierung von Netzverbindungen zu schaffen, um so die Investitionstätigkeit für die Grenzübergangskapazitäten zu verstärken.

„Aufgrund der Erfahrungen aus der Liberalisierung der europäischen Strommärkte und der Erkenntnisse unserer Studie lässt sich sagen, dass eine langjährige effektive und einheitliche Regulierung in ganz Europa, eine Verschärfung des Legal Unbundling auf der Transport- und Verteilnetzebene sowie Investitionsvorgaben für den europäischen Ausbau von Netzverbindungen zu einer höheren Wettbewerbsintensität führen. Dass Ownership Unbundling zu mehr Wettbewerb im Strommarkt führt, lässt sich empirisch nicht nachweisen“, stellt Haslauer abschließend fest.

Weitere Informationen können hier heruntergeladen werden:
Studie


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