A.T. Kearney-Studie: "Green-Banking" birgt enorme Potenziale für deutsche Banken und Versicherungen
Noch kein Klimawandel bei deutschen Banken Düsseldorf, 06. September 2007
Deutsche Banken und Versicherungen halten sich noch sehr zurück, wenn es um das Thema Klimawandel geht. Im Gegensatz dazu stehen bei zahlreichen internationalen Finanzdienstleistern das Thema Green-Banking und entsprechende Produktangebote bereits ganz oben auf der Tagesordnung. Dies geht aus einer aktuellen Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor. Zahlreiche internationale Beispiele belegen, dass für Finanzdienstleister neben der sozialen Verpflichtung zum nachhaltigen Wirtschaften auch ein neues Marktsegment mit enormem Wachstumspotenzial entsteht: Die A.T. Kearney-Experten gehen davon aus, dass Green-Banking innerhalb der nächsten fünf Jahre auch in Deutschland bereits bis zu 10 Prozent des Gesamtmarktes einnehmen wird. Voraussetzung für die Erschließung dieses Potenzials ist jedoch, Corporate Social Responsibility (CSR) gesamthaft in die Unternehmensstrategie einzubetten und auf dieser Grundlage die Entwicklung entsprechender Finanzprodukte zu forcieren, anstatt gesetzliche Vorgaben und Regulierungen abzuwarten.
"Deutsche Banken begreifen die Themen rund um die Klimaschutzdiskussion immer noch als ein weiteres Übel, das ihre Profitabilität zu belasten droht. Doch das Gegenteil ist der Fall. Unseren Untersuchungen zufolge birgt die Dynamik des Green-Bankings bei richtiger Vorgehensweise ein enormes Potenzial für profitables Wachstum", sagt Andreas Pratz, Bankenexperte bei A.T. Kearney und Autor der Studie: "Zudem gehört es in der heutigen Zeit für jedes Unternehmen einfach dazu, ethisch und verantwortlich zu wirtschaften - und dies nicht nur, um die Akzeptanz in der eigenen Kundschaft zu sichern. Umso erstaunlicher ist es, dass deutsche Banken hier bisher im internationalen Vergleich eher durch Abwesenheit glänzen."
Schwarze Zahlen mit grünen Produkten
Während internationale Wettbewerber sich zum Ziel setzen, ihr eigenes Geschäft CO2-neutral zu gestalten, nachhaltige Unternehmen zu finanzieren und ökologische Produkte auf den Markt zu bringen, scheinen Banken und Versicherungen im deutschsprachigen Raum die Bedeutung dieser Entwicklung für das eigene Geschäft noch nicht wirklich erkannt zu haben. Hierzulande wird bisher lediglich bei Fonds und Zertifikaten auf Klimawandel und Rohstoffknappheit gesetzt. Dagegen reicht die Palette sehr erfolgreicher internationaler Beispiele für Green-Banking von entsprechenden Wohnbaukrediten, Autofinanzierung und -versicherung über Kreditkarten bis hin zu neuen Asset-Klassen, ökologischen Neubauten für neue Callcenter oder Filialen und gezielte Investitionen in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen.
Neben Unternehmen anderer Branchen sollten gerade Finanzdienstleister dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) höchste Priorität einräumen - und dies nicht nur, weil ihre Branche wie kaum eine andere in der öffentlichen Diskussion sehr kritisch beurteilt wird. "Green-Banking ist die große Chance für Finanzdienstleister, Glaubwürdigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz zurückzugewinnen und gleichzeitig ein lukratives Marktsegment zu erschließen", so Pratz.
Sehr viel mehr als grünes Marketing
Doch lediglich mit grünen Produkten die Klimaschutzwelle nutzen zu wollen, reicht keinesfalls aus und könnte sehr schnell sogar kontraproduktiv sein. Für Finanzdienstleister geht es vielmehr darum, das Thema in eine gesamthafte, nachhaltige Unternehmensstrategie einzubetten. Dies ist die Grundvoraussetzung dafür, nachhaltige Produkte glaubhaft am Markt anbieten zu können. Dabei weisen vor allem die lukrativen gehobenen Einkommensschichten eine besonders hohe Affinität zu grünen Produkten auf, sodass in diesem Segment jeder Vierte als potenzieller Kunde angesehen werden kann.
Doch nicht nur in dieser Zielgruppe erfordert eine glaubhafte Positionierung sehr viel mehr als den Kauf von CO2-Zertifikaten oder das reine Anbieten grüner Produkte. Der A.T. Kearney-Analyse zu Folge geht es vielmehr um die Aspekte, als Unternehmen verantwortungsbewusst zu wirtschaften, nachhaltig orientierten Kunden passende Produkte anzubieten und damit in Summe auch nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften.
"Dabei muss es für Finanzdienstleister darum gehen, neue Kundensegmente zu erschließen, bessere Risiken auszuwählen und attraktive Margen durchzusetzen", erklärt Pratz: "Gelingt es einem Unternehmen, all diesen Aspekten auch unter ökonomischen Gesichtspunkten Rechnung zu tragen, geht damit eine ganze Reihe positiver Effekte einher. Sie reichen von der Gewinnung neuer und 'besserer' Kunden aus gehobenen Segmenten über ein geringeres Risiko und höhere Margen bis hin zur Erschließung neuer Produktfelder und hohen Kosteneinsparungen beispielsweise durch energiesparende Filialen."
Bedeutendes neues Marktsegment entsteht
Die zahlreichen erfolgreichen Beispiele und Erfahrungen aus anderen Ländern belegen, dass mittelfristig auch in Deutschland ein bedeutendes neues Marktsegment für Green-Banking entstehen wird, dass die A.T. Kearney-Analyse in den nächsten fünf Jahren auf bis zu 10 Prozent des Gesamtmarktes beziffert.
Entsprechend sollten Finanzdienstleister sich zügig entscheiden, ob sie Green-Banking für sich nutzen wollen. Dabei sind alle anderen relevanten Makro-Trends keinesfalls zu unterschätzen, wenn es um die Positionierung beziehungsweise die Entwicklung einer entsprechenden Geschäftsstrategie geht. Globalisierung, demografischer Wandel und Migration bieten ebenfalls attraktive Geschäftsmöglichkeiten. Es wird jedoch kaum eine Organisation in der Lage sein, auf all diese Trends auf einmal einzugehen. Daher ist eine Auswahl und Priorisierung dringend erforderlich.
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