A.T. Kearneys Global Retail Development Index (GRDI) 2007: Indien, Russland und China weiterhin attraktivste Investitionsziele für internationale Handelsunternehmen – Fokus für weitere Investitionen verschiebt sich von Metropolen auf mittlere und kleinere Städte
Internationale Handelsunternehmen zieht es in die Provinz

Düsseldorf, 27. Juni 2007
Mit zunehmender Sättigung der großen Metropolen finden internationale Handelsunternehmen weltweit vor allem in mittelgroßen Städten und provinziellen Gebieten weitere enorme Wachstumspotenziale. Dabei bleibt Indien der attraktivste Markt für Einzelhandelsinvestitionen gefolgt von Russland und China. Dies ist das wichtigste Ergebnis des Global Retail Development Index (GRDI) 2007 der Top-Managementberatung A.T. Kearney, der jährlich die Attraktivität von 30 Wachstumsmärkten für Handelsunternehmen untersucht. In diesen Ländern sind die Verbraucher auch außerhalb der großen Metropolen durch den Einfluss von Fernsehen, Film und Internet bereit, Einzelhandelskonzepte und -produkte nach westlichem Muster anzunehmen.
Die beiden Top-Positionen im GRDI 2007 besetzen wie in den letzten drei Jahren zuvor Indien und Russland. China konnte sich beim diesjährigen Index von Rang 5 auf Rang 3 verbessern und an Vietnam und der Ukraine vorbei ziehen. Dies ist in erster Linie auf das anhaltende Wachstum bei den Verbraucherausgaben und das Engagement der Einzelhändler zurückzuführen, in kleinere Märkte in den Provinzen vorzustoßen.
„Moderne Einzelhandelsformate konnten im letzten Jahr in Indien zwischen 25 und 30 Prozent, in China und in Russland um 13 Prozent zulegen“, sagt Dr. Peter Pfeiffer, Vice President bei A.T. Kearney und verantwortlich für den Bereich Konsumgüterindustrie und Handel. Bis vor kurzem noch beschränkte sich ein solch rapides Wachstum ausschließlich auf die Metropolen. Der scharfe Wettbewerb in diesen Städten zwingt jedoch lokale und globale Einzelhändler zur Ausweitung auf kleinere Städte und die Provinz, um weiteres Wachstum zu generieren.
„So eröffnen in China bereits ausländische Einzelhandelsketten wie Wal-Mart und Tesco oder die in Hongkong ansässigen Einzelhändler ihre Filialen in mittelgroßen Städten wie Yuxi, Weifan, Nanchang und Wuhu. In Russland hat Carrefour vor kurzem angekündet, das Land über eine Reihe mittlerer Städte zu erschließen“, sagt Pfeiffer: „In Indien konzentriert sich Prozone, der Betreiber eines Einkaufzentrums, auf die Erschließung kleinerer Städte, da hier eine steigende Nachfrage erwartet wird.“
Nicht alle Städte sind gleich
„Der Einzelhandel sollte jedoch keinesfalls kleinere und mittlere Städte mit den bisherigen Strategien angehen, die auf einen Markteintritt über die jeweiligen Landesmetropolen ausgerichtet sind“, warnt Dr. Mirko Warschun, Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung bei A.T. Kearney und verantwortlich für den Handelssektor in Mittel- und Zentraleuropa: „Handelsunternehmen, die ein Land über kleinere Städte erfolgreich erschließen wollen, sollten zunächst sorgfältig untersuchen, ob die Verbraucher auch bereit sind, moderne Einzelhandelsformate anzunehmen. Die Einkommen sind kleiner, zudem müssen Produkte für unterschiedlichste Märkte maßgeschneidert werden. Mit der richtigen Strategie sind kleinere Städte jedoch attraktive Ziele für Einzelhändler, die nun nach weiteren Wachstumspotenzialen suchen oder ihre Chancen in den Metropolen verpasst haben.“
Während die Chancen für globale Einzelhändler insbesondere in den Top-Metropolen Russlands und Chinas weiter schwinden, bieten die großen Städte in einer Vielzahl der übrigen Länder unter den Top-20 des GRDI jedoch noch enormes Wachstumspotenzial.
Boom im Mittleren Osten und Nordafrika
Getrieben von einer starken Expansion im Einzelhandel, dem Wachstum des Bruttoinlandproduktes und einer Vorliebe der Verbraucher für den westlichen Lebensstil konnten sich vor allem der Mittlere Osten und Nordafrika im diesjährigen GRDI weiter verbessern. Saudi-Arabien, Tunesien, die Türkei, Ägypten, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate rangieren allesamt unter den Top-20 Ländern. Damit ist diese Region mit mehr Ländern vertreten als Asien oder Amerika.
Mit Russland, Ukraine, Lettland, Bulgarien, Slowenien und Kroatien sind sechs mittel- und osteuropäische Länder unter den Top-20 platziert. „Diese Region ist als Ganzes zwar weiterhin attraktiv für Investoren, der Spielraum für große Supermärkte und Convenience-Stores ist jedoch begrenzt und wird innerhalb der nächsten zwei Jahre zurückgehen“, so Warschun. In Osteuropa ist die Zeit für den Markteintritt des Einzelhandels in den Bereichen Heimwerkermärkte, Unterhaltungselektronik und Bekleidung reif, da spezifische Formate insbesondere auf Nischensegmente abzielen werden. So kann man damit rechnen, dass zum Beispiel größere Einkaufszentren mit einem breiten Multi-Category-Angebot, wie sie derzeit in Osteuropa entstehen, sehr erfolgreich sein werden.
Asiens Attraktivität für den expandierenden Einzelhandel ist nicht ausschließlich auf Indien und China begrenzt. Vietnam, Malaysia und Thailand gehören ebenfalls zu den Top-20 Ländern des diesjährigen GRDI.
„Eine erfolgreiche globale Expansion des Einzelhandels hängt vor allem vom richtigen Timing ab,“ sagt Warschun: „Der Schlüssel zum Erfolg ist es weiterhin, die Märkte zu identifizieren, die bereit sind, moderne Einzelhandelskonzepte zu übernehmen, und sich dort vor dem Wettbewerb zu etablieren.“
Von Erfahrungen mit Luxussegment profitieren
„Einzelhändler können aber auch vom Luxussegment lernen. In diesem Segment wurde bereits früh in Märkten investiert – noch bevor die Verbraucher überhaupt für dieses Segment bereit waren,“ sagt Warschun. „Einzelhändler im Luxussegment erzielen in wirtschaftlich aufstrebenden Ländern enorme Wachstumsraten. Die im Massenmarkt tätigen Einzelhändler können auf diesem Erfolg aufbauen, indem sie so genannte ‚Luxury Corners’ einrichten, die auf bereits mit dem Luxuswarenkonzept vertraute Verbraucher abzielen. Der Bereich Gourmet-Food in großen Einkaufsmärkten ist ein Beispiel dafür.“
Malaysia und Chile gewinnen an Bedeutung
A.T. Kearney empfiehlt Einzelhändlern zudem, bei der Expansionsentscheidung den Arbeitskräftemarkt zu berücksichtigen. So verweist die diesjährige Untersuchung auf Malaysia und Chile als alternative Expansionsziele, da beide Länder beim Retail Labor Index, einer Kennzahl im Rahmen des GRDI zur Stärke und Qualifikation der Einzelhandelsmitarbeiter eines Landes, eine gute Bewertung erhielten.
„Erfahrene Arbeitskräfte zu finden ist genauso wichtig für die globale Expansion wie ein noch nicht ausreichend bedienter Markt mit konsumbereiten Verbrauchern,“ so Warschun. „Die schnelle Expansion in die Märkte wie Indien, China und Russland birgt nachhaltige Risiken wie Lohninflation, Personalabgang und Geschäftsunterbrechungen für Einzelhändler.“
Die GRDI-Studie 2007 steht
hier zum Download bereit.
A.T. Kearney Global Retail Development Index 2007
A.T. Kearneys Global Retail Development Index (GRDI) bewertet seit 2001 in jedem Jahr 30 wirtschaftlich aufstrebende Länder in Hinsicht auf ihre Bedeutung für die Erschließung durch Handelsunternehmen. Dabei werden 25 Variablen in vier verschiedene Faktoren berücksichtigt: Ökonomische und politische Stabilität des Landes, moderne Verkaufsflächen pro 1.000 Einwohner (SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte, Supermärkte sowie Discountgeschäfte), Anzahl von national bereits tätigen internationalen Handelsunternehmen sowie Zeitdruck zum Markteintritt (Verhältnis zwischen Bruttoinlandsprodukt und der Wachstumsrate moderner Verkaufsflächen). Der GRDI analysiert in erster Linie die Chancen des Einzelhandels in den Bereichen Massengüter und Nahrungsmittel, die die typischen Vorreiter moderner Einzelhandelskonzepte eines Landes sind. |