A.T. Kearney-Studie vergleicht die Performance von Unternehmen mit Private Equity Beteiligung und traditioneller Finanzierung
Private Equity Firmen schaffen über eine Millionen neue Arbeitsplätze in Europa

Düsseldorf, 18. Dezember 2006
In den letzten vier Jahren haben Private Equity Investoren in Europa signifikanten Wert und über eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney. Mittlerweile werden durch Beteiligungskapital mehr als sechs Millionen Arbeitsplätze in Europa finanziert, mit steil ansteigender Tendenz. Private Equity bewirkt zudem nachhaltige Steigerungen von Umsatz, Profitabilität, Investitionen und Marktanteilen. Traditionell finanzierte Unternehmen wachsen dagegen durchschnittlich sehr viel moderater oder bauen sogar schrittweise Arbeitsplätze ab.
In den letzten fünf Jahren wurde in Europa ein Private Equity Volumen von 194 Milliarden Euro aufgenommen und davon 165 Milliarden Euro investiert. In Deutschland ist der Transaktionswert zwischen 2002 und 2005 von sieben auf fast 30 Milliarden Euro angestiegen. „Trotz seiner Größe und zunehmenden Bedeutung als Wirtschaftsfaktor wird Private Equity in der öffentlichen Diskussion nach wie vor sehr skeptisch oder negativ wahrgenommen“, sagt Dr. Jürgen Rothenbücher, Partner und Leiter der europäischen Merger Strategies Practice von A.T. Kearney: „Firmen und Mitarbeiter sind um ihre bestehenden Strukturen und Arbeitsplätze oftmals sehr besorgt, wenn von Private Equity die Rede ist. Ein klassisches Vorurteil in unseren Köpfen ist das von habgierigen, skrupellosen Investoren, die ihre Rendite auf Kosten von Firmenwerten und Arbeitsplätzen maximieren. Wobei das schlechte Image von Private Equity in Deutschland nicht zuletzt auch durch die Heuschrecken-Debatte medienwirksam geprägt wurde.“
„Mit unserer Studie wollen wir zu einem besseren Verständnis der Rolle von Private Equity für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Firmenwerten beitragen. Aufbauend auf Datensätzen aus aktuellen empirischen Untersuchungen und mehr als 30.000 Firmen haben wir analysiert, ob als Folge von Private Equity Beteiligungen unterm Strich Arbeitsplätze reduziert oder geschaffen werden. Zudem haben wir geprüft, ob sich mit Private Equity finanzierte Unternehmen schneller entwickeln als traditionell finanzierte Firmen“, so Rothenbücher.
„Dabei wollen wir auf Wertsteigerungsstrategien, die in Private Equity finanzierten Firmen angewendet werden aufmerksam machen“, fügt Dr. Sieghart Scheiter, Partner und Leiter des Geschäftsbereichs Private Equity von A.T. Kearney hinzu: „Traditionelle Firmen können von solchen systematischen Programmen zur Wertsteigerung einiges lernen.“
Eine Millionen neuer europäischer Arbeitsplätze dank Private Equity
Die Private Equity-Effekte auf die Beschäftigungssituation waren im Durchschnitt äußerst positiv. Die durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten beliefen sich auf 2,3 bis 18 Prozent (Global Insight & NVCA, 2004; ASCRI, 2005). In den Jahren nach im Vergleich zu vor der Beteiligung wurde die Schaffung neuer Arbeitsplätze typischerweise beschleunigt.
In Europa wurden in den letzten vier Jahren mindestens eine Million neue Arbeitsplätze geschaffen (CEFS & EVCA, 2005), meist wesentlich schneller als in vergleichbaren Unternehmen ohne Private Equity Kapital. Der gemessene Abstand ist signifikant: Während Private Equity finanzierte Firmen im Schnitt oft zweistelliges Stellenwachstum erreichten, wuchsen klassisch finanzierte Unternehmen durchschnittlich sehr moderat oder bauten sogar Arbeitsplätze ab.
„Der Beitrag von Private Equity für die Entwicklung neuer Arbeitsplätze ist branchenübergreifend substantiell. Verglichen damit ist die Performance vieler traditionell finanzierter Wettbewerber oder der Gesamtwirtschaft schwächer“, erläutert Dr. Sandra Niewiem, Manager bei A.T. Kearney. „Natürlich gibt es spezielle Situationen, wie ein Turnaround oder rezessive Märkte, in denen Private Equity finanzierte wie auch andere Unternehmen Entlassungen vornehmen. Zudem gibt es durchaus auch Fälle von Missmanagement durch Investoren. Insgesamt werden jedoch solche negativen Auswirkungen überschätzt,“ meint Niewiem.
„Negative Einzelfälle wie beispielsweise Grohe, die ein schlechtes Licht auf Investoren werfen, schüren bei manchem Kritiker die Hoffnung, dass der Erfolg von Finanzinvestoren bald zerplatzt. Unabhängig davon hat sich Private Equity in unserer Studie jedoch eindeutig nicht als Job-Vernichter, sondern laut empirischer Statistiken vielmehr als Job-Motor bewiesen“, fügt Rothenbücher hinzu.
Private Equity schafft Wert in Firmen und in der Wirtschaft
Aus der A.T. Kearney-Studie geht hervor, dass Private Equity neben neuen Arbeitsplätzen auch erhebliche Wertbeiträge liefert – sowohl für Unternehmen als auch für die Gesamtwirtschaft. Das Umsatzwachstum in Portfolio-Unternehmen wurde durch Private Equity Transaktionen massiv beschleunigt, im Schnitt auf zwischen 4 und 26% pro Jahr (ASCRI, 2005; Finance & DBAG, 2004). Gleichzeitig wurde die Profitabilität in der Regel verbessert (von 4 auf 6 bis 7% p.a. nach dem Investment, CMBOR & EVCA, 2001). Auch Investitionen stiegen im Untersuchungszeitraum stark an (+14% p.a. versus +3% Landesdurchschnitt, BVCA & IE-Consulting, 2005).
„Dabei wurde nicht nur in physisches Kapital investiert. Auch F&E- und Weiterbildungsbudgets gingen laut der Befragten prozentual vom Umsatz nach oben“, erklärt Dr. Ekhard Popp, Principal bei A.T. Kearney. Letztlich konnte eine verstärkte Marktdurchdringung und geografische Expansion mit Hilfe von Private Equity nachgewiesen werden. Aber nicht nur Portfolio-Firmen profitieren – sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft (NVP & E&Y, 2004): „Leicht nachzuweisen war das erhöhte Steueraufkommen für Gemeinden und den Staat. Zudem haben wir auch einen Beschäftigungsanstieg im Umfeld von Portfolio-Firmen identifiziert“, so Popp.
Wie durch Private Equity Wert und Arbeitsplätze geschaffen wird
„Geprägt durch Unternehmergeist und rigoroser Ergebnisorientierung generieren Investoren gemeinsam mit dem Management der Unternehmen in den meisten Fällen systematisch Arbeitsplätze und Wert“, meint Scheiter. „Wir haben im Rahmen unserer Projekttätigkeit mit Private Equity Klienten drei fundamentale Strategien zur Wertsteigerung beobachtet: Improve Performance, Regroup & Focus sowie Buy & Build. In keiner der drei Strategien wird ausschließlich kurzfristig auf Kostenoptimierung abgezielt – ohne Wachstumsperspektive sind signifikante Wertsteigerungen kaum zu erzielen.“
Die A.T. Kearney-Studie macht deutlich, dass Private Equity Investoren mittels dieser drei Strategien und ausgewählten Varianten zunehmend auf Wachstum und Expansion setzen als auf operative Kostenführerschaft: „Arbeitsplätze stehen meist nur in speziellen Fällen wie Sanierungen zur Debatte. Meist aus wirtschaftlich nachvollziehbaren Gründen werden hier veraltete Strukturen und Kompetenzen aufgegeben und damit bestehende Arbeitsplätze sowie zukünftige Wettbewerbsfähigkeit gesichert“, glaubt Rothenbücher.
„Hohe Renditen fallen Investoren nicht einfach so zu. Im Rahmen von umfassenden Wertsteigerungsprogrammen entwickeln sie proaktiv Strategien, kombinieren kreativ verschiedene Wertsteigerungshebel und treiben beharrlich deren Umsetzung in Portfolio-Unternehmen voran“, stellt Niewiem abschließend fest.
Die A.T. Kearney-Studie „Private Equity creates value and employment“ ist ein so genannter Meta-Review. Für die Studie wurden die Ergebnisse von aktuellen empirischen Erhebungen von insgesamt mehr als 30.000 Portfolio-Firmen aus Deutschland, Europa und Nordamerika systematisch ausgewertet, die sich im Mehrheitsbesitz von Private Equity Unternehmen befinden. Dabei wurden nur unabhängige Untersuchungen mit einbezogen, die ihre Daten direkt von Portfolio-Unternehmen erhoben haben. Träger dieser Untersuchungen sind ausschließlich renommierte Branchenverbände, Universitäten oder Marktexperten. |