A.T. Kearney und FOREIGN POLICY Magazine stellen Globalisierungs-Index 2006 vor
Globalisierung: Deutschlands Politik sehr viel aktiver als Unternehmen

Düsseldorf, 14. November 2006
Der A.T. Kearney/Foreign Policy Magazine Globalization Index™ 2006 weist Singapur als das Land mit dem weltweit höchsten Globalisierungsgrad aus – gefolgt von der Schweiz und den USA. Deutschland belegt in diesem Index Rang 18. Eine Platzierung, die in erster Linie einem hohen „Politischen Engagement“ zu verdanken ist. Hier rangiert Deutschland auf Rang elf. Im Bereich „Wirtschaftliche Integration“ reichte es dagegen nur zu Rang 41 – vor allem aufgrund zu geringer Auslandsinvestitionen. Der Index misst und bewertet den Grad der internationalen Verflechtungen und Aktivitäten eines Landes. Neben ökonomischen Aspekten bilden die soziale Integration in den Globalisierungsprozess, die technologische Vernetzung und das politische Engagement die maßgeblichen Kriterien.
Die Globalisierung gehört – obschon immer wieder kritisch betrachtet – zu jenen Phänomenen, die unumkehrbar sind. „Trotz zahlreicher Konflikte und partieller Isolationsbestrebungen wird sich das globale Dorf auch künftig immer fester miteinander vernetzen und verflechten”, sagt Paul A. Laudicina, globaler Managing Officer und Chairman of the Board bei A.T. Kearney sowie Leiter des A.T. Kearney Global Business Policy Council (GBPC).
Der Globalisierungsindex zeigt auf, in welchem Grad die einzelnen Länder an der Globalisierung partizipieren und profitieren. Vor allem das politische Engagement in internationalen Organisationen ist der Faktor, der Deutschland nach Ansicht der Globalisierungsexperten zu den Top-20 der globalisiertesten Länder gehören lässt. In dieser Unterkategorie der Rubrik „Politisches Engagement“ belegt Deutschland sogar Rang zwei. In wirtschaftlicher Hinsicht bekleidet Deutschland dagegen lediglich Rank 41, was vor allem auf zu geringe Auslandinvestitionen, „Foreign Direct Investments (FDI)“ zurückzuführen ist. „Rang 45 bei den Auslandsinvestitionen zeigt auf, dass wir in Deutschland weiter daran arbeiten müssen, die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern“, so Dietrich Neumann, Managing Director Central Europe bei A.T. Kearney.
Top-20: Frankreich raus, Deutschland (wieder) drin
Hinter Spitzenreiter Singapur löst die Schweiz Irland als Nummer zwei des Vorjahres ab. Damit konnten sich sowohl die Schweiz als auch die USA (vorher vierter) je um einen Platz verbessern. Doch nicht nur ein Blick auf die vorderen Ränge gibt Aufschluss, auch die Betrachtung der Top-20 zeigt interessante Entwicklungen. So finden sich hier alle skandinavischen Staaten (mit Ausnahme Islands), aus Osteuropa sind Tschechien, Slovenien und Ungarn vertreten. Einen „Rollentausch” haben Deutschland und Frankreich vollzogen: Während Frankreich nicht mehr in den Top-20 vertreten ist, schaffte es Deutschland auf den 18. Platz. Asien stellt neben dem Spitzenreiter Singapur mit Malaysia ein weiteres Mitglied der Elitegruppe.
Globalisierung schreitet voran – trotz internationaler Krisen
Alle Zahlen und Daten, die für den Index herangezogen wurden, stammen aus dem Jahr 2004. Danach war das Jahr im Hinblick auf die Globalisierung ein ausgesprochen erfolgreiches. Die chinesische Nachfrage nach Rohstoffen sorgte dafür, dass in erheblichem Maß auch die sich entwickelnden Länder hiervon profitierten. Die weltweiten Investitionen in die asiatische Region stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 45 Prozent, diejenigen in Lateinamerika um 44 Prozent. Wie der Handel so stiegen auch die Gesamtinvestitionen weltweit um neun Prozent.
Die Positionierung der insgesamt 62 Länder des Rankings (mit 85 Prozent der Weltbevölkerung und 96 Prozent des globalen BIP) resultiert aus verschiedenen Faktoren. So konnte sich Australien unter anderem aufgrund einer gestiegener Rohstoffnachfrage in Kombination mit höheren ausländischen Investitionen um vier Plätze auf die achte Position verbessern, während der zweite Platz der Schweiz auf die Verdopplung der UN-Beiträge des Landes zurückzuführen ist. Irland fiel zurück, weil zahlreiche Investoren im Unterschied zu den Vorjahren eher auf Asien und Osteuropa setzten. Die USA hingegen profitieren von ihrer internationalen Technologieführerschaft und können so ihre mangelnde Unterstützung des Freihandels sowie die Weigerung, internationale Verträge zu unterzeichnen, kompensieren.
Umfassender Ansatz bei der Indexermittlung
„Die Globalisierung eines Landes ist das Resultat sowohl ökonomischer als auch politisch-gesellschaftlicher Faktoren”, resümiert Laudicina. Daher misst der Index von A.T. Kearney und dem FOREIGN POLICY Magazine – als einziger seiner Art –den Globalisierungsgrad sowohl auf Basis der persönlichen internationalen Kontakte als auch der technologischen Verflechtungen, dem politischen Engagement sowie – natürlich – der wirtschaftlichen globalen Aktivität. Zur Auswertung wurden dabei Daten zahlreicher Quellen herangezogen, die zur Hauptsache aus Internationalen Statistischen Jahrbüchern, Statistiken und verschiedenen Datenbanken bestehen. |