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A.T. Kearney-Analyse zur Industrialisierung der betrieblichen Verwaltungsfunktionen - Offshoring nur zeitlich begrenzt sinnvoll
Deutsche Industrie baut 100.000 Arbeitsplätze in Verwaltung ab

Düsseldorf, 08. August 2006

In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden in Deutschland allein in den Schlüsselindustrien insgesamt über 100.000 Arbeitsplätze in betrieblichen Verwaltungsfunktionen wegfallen. Wichtigster Grund dafür ist der anhaltende Trend zur Automatisierung und Prozessoptimierung durch den Einsatz moderner Kommunikationstechnologien in der Unternehmensverwaltung. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung der Top-Managementberatung A.T. Kearney. Analysiert wurden dabei alle relevanten Top-Unternehmen der deutschen Schlüsselindustrien Automobil, Stahl, Pharma, Energie- und Versorgungswirtschaft, Chemie sowie Telekommunikation. Der größte Anteil entfällt dabei auf Unternehmen der Automobilindustrie (41 Prozent) und der Energie- und Versorgungswirtschaft (23 Prozent), die zusammen mehr als die Hälfte des Strukturwandels zu tragen haben werden. Aufgrund des immer geringer werdenden Personalkostenanteils kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass ein Offshoring dieser Funktionen für Unternehmen meist nur zeitlich begrenzt sinnvoll ist und ein vorübergehendes Phänomen darstellt.

Grundlage für diese Entwicklungen sind immer bessere und kostengünstigere Technologie- und Kommunikationsinfrastrukturen, die den Personalbedarf in betrieblichen Verwaltungsfunktionen schrumpfen lassen: „Die Industrialisierung der Verwaltung ist ein schleichender Prozess, der weitestgehend branchenunabhängig bereits seit 15 bis 20 Jahren anhält“, so der Autor der Studie Stephan Frettlöhr, Principal bei A.T. Kearney: „Vor allem durch die Einführung von ERP-Systemen auf breiter Front und die Integration betriebswirtschaftlicher Abläufe auf Unternehmensebene setzt sich dieser Trend inzwischen auch auf innerbetrieblicher Ebene immer weiter fort.“.

Die Untersuchung zeigt, dass sich die Zahl der Mitarbeiter in betrieblichen Verwaltungsfunktionen der deutschen Schlüsselindustrien von derzeit rund 152.000 auf schätzungsweise 34.000 in den kommenden fünf bis zehn Jahren reduzieren wird. Aber bereits kurzfristig ist in diesen Branchen mit einem Wegfall von 49.000 Arbeitsplätzen zu rechnen.

Vor allem Finanz- und Rechnungswesen betroffen

Gegenstand der A.T. Kearney-Untersuchung waren die jeweiligen Top- Unternehmen der deutschen Schlüsselindustrien Automobil, Stahl, Pharma, Energie- und Versorgungswirtschaft, Chemie sowie Telekommunikation, die gemeinsam mindestens 60 Prozent des Umsatzvolumens ihrer Branche repräsentieren. Allein hier ist mit dem Verlust von insgesamt weit über 100.000 Arbeitsplätzen in den wesentlichen Verwaltungsfunktionen zu rechnen – allen voran das Finanz- und Rechnungswesen (43 Prozent), die Informationstechnologie (29 Prozent) sowie das Personalwesen (13 Prozent) und der allgemeine Einkauf (zehn Prozent). Weniger stark betroffen sind die Funktionen Kommunikation (vier Prozent) sowie Recht und Steuern (ein Prozent).

„Der anhaltende Margendruck und die fortschreitende Globalisierung zwingen auch die deutschen Unternehmen zur Prozessoptimierung in allen Bereichen“, sagt Frettlöhr. Neben dem vermehrten Einsatz von entsprechenden IT-Systemen stellen dabei vor allem Prozessintegration, Standardisierung, Harmonisierung, Automatisierung und Konsolidierung die wichtigsten Hebel zur Kostenoptimierung dar.

Offshoring nur zeitlich begrenzt sinnvoll

„Neue Organisationsformen wie Shared Service Center oder Outsourcing schaffen eine Plattform, um die kritische Masse für diese Veränderungsprozesse zu erreichen. Damit rechtfertigen sich die notwendigen Investitionen in Technologie und Kommunikation“, erklärt Frettlöhr. Mittelfristig wird der Kostenanteil im Bereich Technologie und Kommunikation die Personalkosten übersteigen. Somit ist Offshoring in Niedriglohnländer zumindest aus deutscher Sicht lediglich ein zeitlich begrenztes Instrument, um Arbeitskostenvorteile zu erzielen.

„Unterm Strich werden jedoch die Automatisierung von Verwaltungsfunktionen und die höheren Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter zu weiteren Rationalisierungen im Bereich der allgemeinen Verwaltungsfunktionen und somit zu einem immer größer werdenden Druck auf dem Arbeitsmarkt führen“, sagt Frettlöhr.

„Wir befinden uns mitten in einem Strukturwandel, der vergleichbar ist mit der industriellen Revolution zur vorigen Jahrhundertwende und weder umkehrbar noch verhinderbar sein wird“, stellt Frettlöhr abschließend fest.

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