Presse Newsletter Kontakt SucheHome
21.05.2012 A.T. Kearney Service-Kompetenz Industrie-Kompetenz Veröffentlichungen Veranstaltungen Karriere

Presse - Pressemitteilungen - Pressemitteilungen aus dem Unternehmen
Presse - Pressemitteilungen - Pressemitteilungen aus den Practices
Presse - Pressemitteilungen - Presse-Archiv
Presse - A.T. Kearney intern - Das Team




Produktpiraterie kostet deutsche Wirtschaft jährlich bis zu 25 Milliarden Euro
A.T. Kearney identifiziert Strategien zum Schutz geistigen Eigentums: China besonderer Risikofaktor

Düsseldorf, 17. Mai 2005

Der Schutz des geistigen Eigentums wird für deutsche Unternehmen zu einer immer größeren Herausforderung. Die Top-Managementberatung A.T. Kearney schätzt den Schaden, der in Deutschland allein im vergangenen Jahr durch Patentrechtsverletzungen und Produktpiraterie ausländischer Unternehmen entstanden ist, einer aktuellen Untersuchung zufolge auf 20 bis 25 Milliarden Euro. Gelingt es den deutschen Unternehmen nicht, erfolgreiche Gegenmaßnahmen zu ergreifen, könnten die Einbußen bis 2010 auf ein Vielfaches anwachsen. Insbesondere Patentrechtsverletzungen in China rücken dabei immer mehr in das Zentrum der Diskussion. Zwar hat die chinesische Regierung den Schutz von Eigentumsrechten mit höchster Priorität belegt, die Durchsetzung erweist sich aber weiterhin als langwierig. Für deutsche Unternehmen wird es daher immer wichtiger, selbst zu handeln und den Schutz des geistigen Eigentums zu einem festen Bestandteil der eigenen Geschäftsstrategie zu machen.

„Für 56 Prozent aller globalen Unternehmen stellen Produktpiraterie und Eigentumsrechtverletzungen das größte Risiko und Investitionshemmnis für ein geschäftliches Engagement in China dar“, sagt Wolfgang Haag, Leiter der A.T. Kearney China Solutions Group in Zentraleuropa. „Dies geht aus dem aktuellen Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index® von A.T. Kearney hervor. Dennoch ist das Reich der Mitte weiterhin das attraktivste Zielland für internationale Direktinvestitionen. Da aber auch das Investitionsvolumen deutscher Unternehmen in China weiterhin ansteigen wird – wir rechnen in den nächsten sechs Jahren mit 20 Milliarden Euro jährlich – werden für sie auch weit reichende Maßnahmen zum Schutz ihres geistigen Eigentums immer wichtiger.“

Von Produktpiraterie betroffen sind schon längst nicht mehr nur Konsumgüter und der chinesische Binnenmarkt – inzwischen werden auch Indust-riegüter westlicher Hersteller von chinesischen Firmen exakt kopiert und weltweit angeboten. Da die enormen Kosten für Forschung und Entwicklung entfallen, natürlich auch entsprechend preiswerter.

Zwar hat die chinesische Regierung das Problem schon seit langem erkannt und auch bereits einige beachtliche Erfolge bei der Bekämpfung von Patentrechtsverletzungen erzielt, dennoch startet man mit der Anpassung des chinesischen Rechtssystems auf einem vergleichsweise niedrigen Level. „Es wird Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, bis hier annährend westliche Standards erreicht sein werden“, so Haag: „Unternehmen dürfen allerdings nicht allein darauf vertrauen, dass sich der rechtliche Rahmen verbessert. Vielmehr müssen sie lernen, mit dem ständigen Risiko umzugehen. Dazu ist es notwendig, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen und den Schutz der geistigen Eigentumsrechte in die eigene Geschäftsstrategie zu integrieren. Nur so ist es möglich, erfolgreich gegen Produktfälschungen vorzugehen und Unternehmen langfristig Profitabilität zu sichern.

Anpassung der Unternehmensstrategie und -prozesse

A.T. Kearney hat verschiedene Strategien entwickelt, um dem durch Produktpiraterie und Verstöße gegen den Schutz des geistigen Eigentums entstandenen Schaden entgegenzuwirken. „Bei Produkten mit einer geringen Kundenbindung, wie beispielsweise im Bereich Unterhaltungselektronik, erreichen Unternehmen durch eine rasche Markteinführung und schnelle Innovationszyklen eine Maximierung des Return-on-Investment (ROI), bevor Konkurrenten mit Produktimitationen auf den Markt drängen“, so Haag: „Wer selbst Standards setzt, kann seine Position im Wettbewerb stärken und sich letztlich als Marktführer etablieren“, führt der A.T. Kearney-Experte weiter aus. Eine zusätzliche, gewinnbringende Option ist, den Wettbewerbern Lizenzen anzubieten, die so das Know-how auf legalem Weg nutzen können.

Bei Produkten mit einer hohen Kundenbindung müssen Kernkompetenzen und kritische Informationen identifiziert und bei der Übergabe in den Produktionsprozess streng kontrolliert werden. „Ein effektiver Schutz vor Imitationen kann dann erreicht werden, wenn die einzelnen Produktionsschritte entlang der gesamten Supply Chain einer Prüfung unterzogen werden“, so Haag: „Um den Diebstahl des geistigen Eigentums zu unterbinden, sollten Unternehmen außerdem darüber nachdenken, ob es in vielen Fällen nicht sinnvoller wäre, kritische Prozesse im eigenen Land zu belassen und gar nicht erst nach China auszulagern.“

Ausschöpfen rechtlicher Möglichkeiten und Lobbyarbeit

Neben der Integration von Schutzmaßnahmen in die eigene Geschäftsstrategie ist es für Unternehmen, die sich in China engagieren, außerdem notwendig, alle rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen. So trägt eine aktive Lobbyarbeit und die Mitgliedschaft in einer entsprechenden Organisation – wie etwa dem Quality Brands Protection Committee – dazu bei, die Position multinationaler Unternehmen vor Ort zu stärken. Darüber hinaus sollten A.T. Kearney zufolge Beziehungen zu den wichtigsten Institutionen und Verbänden aufgebaut werden, die sich in China mit Fällen von Eigentums-rechtverletzungen befassen. „Lokalen Netzwerken und persönlichen Beziehungen zu Entscheidungsträgern kommt in China – viel mehr als in den westlichen Ländern – eine äußert große Bedeutung zu“, so Haag: „Dies wird von europäischen Unternehmen oftmals noch unterschätzt. Viele Unternehmen müssen lernen, sich mit den Gepflogenheiten vor Ort vertraut zu machen, um den Diebstahl ihres geistigen Eigentums wirksam einzudämmen.“

Dazu zählt es, sich selbst Informationen über die Marktbedingungen zu beschaffen sowie sich Know-how über die chinesische Markengesetzgebung anzueignen. Darüber hinaus müssen Unternehmen vorbeugende Maßnahmen ergreifen und zum Beispiel ihre Patente und Markennamen registrieren lassen. Dabei ist zu beachten, dass die Registrierung den Patent-, Urheber- und Trademark-Gesetzen in China entsprechen muss. Des Weiteren kann der Einsatz von geschulten Beobachtern dazu beitragen, Produktpiraterie schneller zu identifizieren, um somit auf diese gezielter zu reagieren.

Risiken nehmen weiter zu

Die Notwendigkeit, den Schutz des geistigen Eigentums in den Griff zu bekommen, wird neben dem erwarteten Anstieg des deutschen Investitionsvolumens auch dadurch verstärkt, dass die Kompetenzen und Fähigkeiten chinesischer Unternehmen auch technisch anspruchsvolle und komplexe Produkte zu kopieren, rasant angestiegen sind. Ein weiterer Faktor ist das weiterhin stark wachsende Exportvolumen der chinesischen Industrie, das zuletzt 35 Prozent pro Jahr erreichte. Eine aktuelle Stellungnahme der EU-Kommission bestätigt, dass das Problem chinesischer Copyright- und Patentschutzverletzungen zunehmend die Exportmärkte dieser Welt erreicht. Damit entsteht der Schaden der deutschen Wirtschaft nicht nur in China und in den Exportmärkten selbst, sondern auch im eigenen Land.

„Es gilt, schleunigst umzudenken und auf der Basis entsprechender Schutzmechanismen das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren. Denn in Zeiten der ständig fortschreitenden Globalisierung führt auch für deutsche Unternehmen kein Weg mehr an China vorbei“, stellt Haag abschließend fest.


Top - nach oben zurückTop


Copyright 2012, A.T. Kearney. Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen | Datenschutz | Impressum | Feedback | Sitemap