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A.T. Kearney: Österreich auf Platz 9 im Globalisierungs-Ranking
Singapur verdrängt Irland von Platz eins

Wien, 11. Mai 2005

Österreich konnte den im vergangenen Jahr belegten Platz 9 der weltweiten Globalisierungs-Rangliste halten, so der eben veröffentlichte „Globalisierungsindex“ der internationalen Top-Managementberatung A.T. Kearney und des FOREIGN POLICY Magazine. Die zentralen Bewertungskategorien sind die wirtschaftliche, soziale, politische sowie die technologische Integration und Vernetzung.

Der Index misst den Globalisierungsgrad von 62 Staaten und bildet damit 96 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes und 85 Prozent der Weltbevölkerung ab. Der in den USA publizierte Index zeigt, dass die Globalisierung im Jahr 2003 – das aktuellste Jahr, für das weltweit vollständiges Datenmaterial verfügbar ist – große Herausforderungen zu bewältigen hatte. Trotz der Turbulenzen rund um den Irak-Krieg stieg im zweiten Halbjahr das Welthandelsvolumen um mehr als 5 Prozent und auch die internationale Entwicklungshilfe wuchs nach einer Schätzung der OECD auf ein Rekordhoch von 53 Mrd. Euro.

Österreich behauptet sich im Spitzenfeld der globalisierten Nationen

Österreich nimmt im Globalisierungsindex den ausgezeichneten 9. Platz ein und kann damit seine Position vom Vorjahr halten. Die Ostöffnung ist weiterhin ein zentrales Thema. So wird immer mehr in zentral- und osteuropäische (CEE) Länder exportiert und Österreichs Auslandsinvestitionen fließen zum Großteil in CEE-Staaten.

In der Kategorie „Politisches Engagement“belegt Österreich sogar Platz 2. Die Unterzeichnung bedeutendender internationaler Abkommen der letzten Jahre schlägt positiv zu Buche. Bei Beiträgen zu UN-Friedensmissionen rangiert Österreich ebenfalls auf Platz 2, da die entsendeten Soldaten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung betrachtet werden. Nur Portugal leistet hier mehr.

In der Kategorie „Wirtschaftliche Integration“verbessert sich Österreich gegenüber dem Vorjahr stark von Platz 25 auf Platz 10. Ausschlaggebend dafür ist der Wiederanstieg der Direktinvestitionen aus dem Ausland (deutlich mehr Beteiligungskapital zugeflossen als abgezogen) auf 5,3 Mrd. Euro – mehr als das Siebenfache des Vorjahres. Zudem konnte 2003 auch der Wert exportierter Waren gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden.

Österreich bleibt auch „Tourismus-Weltmeister“ und belegt in der Kategorie „Soziale Integration“mit Platz 5 eine weitere Spitzenposition. In Relation zur Bevölkerungszahl bleibt Österreich die beliebteste Destination weltweit und ist mit erstmals mehr als 19 Millionen Gästen auch in absoluten Zahlen weiterhin die fünftbeliebteste Destination in Europa (nach Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien).

Lediglich in der Kategorie „Technologische Vernetzung“kann sich Österreich mit Rang 14 nicht unter den weltweiten Top 10 platzieren, liegt aber in Westeuropa im Spitzenfeld. Immerhin 3,7 Mio. Österreicher sind bereits ans Internet angeschlossen, gegenüber 3,3 Mio. im Jahr zuvor. Spitzenreiter sind hier die Skandinavier: Schweden führt das Feld an, Dänemark liegt auf Platz 3, Norwegen auf Platz 6 und Finnland auf Platz 8.

CEE Staaten drängen Richtung Spitzenfeld

Auch die CEE-Staaten konnten ihre wirtschaftliche Integration weiter vertiefen und haben sich im vorderen Mittelfeld etabliert. Tschechien rangiert auf Platz 15, gefolgt von Kroatien (Platz 16), das v.a. durch einen mehr als 50-prozentigen Anstieg ausländischer Direktinvestitionen 7 Plätze gutmachen konnte. Slowenien (Platz 20), Ungarn (Platz 23) und die Slowakei (Platz 25) zeigen das Bild eines dynamischen Wirtschaftsraums, der insbesondere auch vom Wiederanstieg der Handelsvolumina und dem starken Tourismus profitierte. Für Tschechien, Slowenien und die Slowakei tauchen erste Wolken am Himmel auf, sind doch die ausländischen Direktinvestitionen gegenüber dem Vorjahr um rund zwei Drittel gefallen.

„Die von uns für Österreich prognostizierte Verschärfung des Wirtschaftsstandort-Wettbewerbs in Mitteleuropa ist heute bereits Realität und hat auch diese drei Länder im Ansatz erfasst. In den neuen Beitrittsländern entwickelt sich ein massiver Wettstreit um Direktinvestitionen aus dem Westen“, meint Robert Kremlicka, Geschäftsführer von A.T. Kearney in Österreich. „Auch wenn die Lohnkosten im Osten schneller steigen als im Westen, die absoluten Kostenvorteile der Region Osteuropa werden noch über Jahre wirksam bleiben. Dazu kommt eine deutliche Verbesserung in der Qualität der Produkte und Dienstleistungen. Der Standort-Wettkampf ist voll entbrannt. Nach der erfreulichen Steuerreform muss Österreich massive Maßnahmen Richtung F&E, Bildung, Infrastruktur und Arbeitszeitflexibilisierung setzen, um seine gute Position zu halten.“

Singapur verdrängt Irland nach drei Jahren von Platz 1

Auf globaler Ebene gibt es mit Singapur einen neuen Spitzenreiter, der den „Globalisierungs-Darling“ der vergangenen drei Jahre, Irland, von der Spitze verdrängt. In der Kategorie „Wirtschaftliche Integration“nimmt Singapur sowohl beim Handelsvolumen, als auch bei ausländischen Direktinvestitionen die Spitzenposition ein. Einzig in der Kategorie „Politisches Engagement“findet sich der asiatische Stadtstaat im Mittelfeld (Platz 32). In dieser Bewertungskategorie schneiden aber auch die unmittelbaren Verfolger Irland, Schweiz und USA schlecht ab.

Deutschland rutscht erstmals aus den Top 20

Deutschland fällt in der Bewertung massiv zurück und befindet sich nur mehr auf Platz 21 (gegenüber Platz 18 im Vorjahr). Selbst Länder wie Slowenien und Kroatien überholten in diesem Jahr Deutschland. „Ein wahres Trauerspiel sind die Werte in der Kategorie Wirtschaftliche Integration“, meint Stephan Horvath, ein Mitautor der Studie, für Deutschland, das nur den 43. Platz im Ranking einnimmt. „Die ausländischen Direktinvestitionen sind auf ein Drittel des Vorjahres zurückgegangen, das Handelsvolumen konnte jedoch trotz des schwachen Dollars den Vorjahreswert übertreffen“, so der Experte. Das schlechte Abschneiden von Deutschland sei auch für Österreich alarmierend, steht doch der Nachbar für knapp 40 Prozent der österreichischen Außenhandelsbeziehungen. „Deutschland schlägt mittlerweile auch eine härtere Gangart ein, wenn es um Betriebsansiedlungen geht, wie zuletzt das Beispiel um den Sandoz-Standort, der von Wien nach Bayern verlagert wird, zeigt“, so Horvath.

USA rücken auf Platz 4 vor

Die USA konnten sich im aktuellen Gesamtranking um drei Positionen auf Platz 4 verbessern dank ihrer überlegenen Spitzenposition in der Kategorie „Technologische Vernetzung“.Das Wachstum bei Internet Hosts (plus 10%) und sicheren Servern (plus 25%) hält ungebrochen an, die Führungsposition der USA ist hier auf Jahre gefestigt. Mit Respektabstand folgen Kanada, Neuseeland und Australien. Erst danach kommen die besten Europäer.

In den übrigen Bereichen sieht es anders aus. So belegen die USA nur Platz 60 in der Kategorie „Wirtschaftliche Integration“.Die amerikanische Wirtschaft ruht überwiegend in sich selbst und wird von einer starken Inlandsnachfrage getragen. Exporte und internationale Vernetzung haben an Bedeutung verloren und auch die ausländischen Direktinvestitionen in den USA haben mit 23 Mrd. Euro einen neuen Tiefpunkt erreicht. Im Jahr 2000 war es noch mehr als das Zehnfache. In der Kategorie „Politisches Engagement“belegen die USA derzeit Platz 43. Die USA sind zwar in allen bedeutenden internationalen Organisationen vertreten (Platz 1), sind aber äußerst zurückhaltend beim Unterzeichnen internationaler Abkommen (nur Platz 57 von 62).

Spezialthemen der diesjährigen Studie – Globalisierungsauswirkungen auf Bildung, politische Freiheit und Korruption



  Je globalisierter ein Land ist, desto mehr investiert es im Schnitt (Ausgaben in % des Bruttoinlandsprodukts) in die Ausbildung der Kinder.
  Die Bevölkerung globalisierter Länder genießt in der Regel größere politische Freiheit und mehr Bürgerrechte.
  Globalisierung trägt auch zur Bekämpfung von Korruption bei. Die Übernahme höherer Standards bezüglich Transparenz der Finanzgebahrung erschwert Korruption im öffentlichen Bereich und steigert die Effizienz von Regierungen.



Die Studie des vergangenen Jahres hat bereits gezeigt, dass in Ländern mit weiter fortgeschrittener Globalisierung in der Regel die Bevölkerung länger und gesünder lebt, Frauen größere soziale und wirtschaftliche Sicherheit sowie bessere Bildung genießen und auch bessere Umweltbedingungen herrschen.

„Es ist uns auch mit der diesjährigen Studie wieder ein Anliegen, die Globalisierungsdebatte um wesentliche Aspekte anzureichern, die leider allzu oft unter den Tisch fallen“, meint A.T. Kearney Experte Stephan Horvath. „Globalisierung gilt in manchen Kreisen ja bereits als das Schreckgespenst des 21. Jahrhunderts. Die undifferenzierte Furcht um eigene Arbeitsplätze, vermischt mit singulären Auswüchsen der Globalisierung ergibt in den veröffentlichten Diskussionen häufig einen unübersichtlichen Brei und kurzerhand muss die Globalisierung dann für alles Übel der Welt herhalten“, bedauert Horvath.

Die vier Bewertungskategorien (und 12 Subkategorien) des Globalisierungsindex:



1.  „Politisches Engagement“: Mitgliedschaft in bedeutenden internationalen Organisationen, Personelle und finanzielle Beiträge zu friedenserhaltenden Maßnahmen der UNO, Ratifizierung internationaler Abkommen, Transferzahlungen der Regierung
2.  „Wirtschaftliche Integration“: Handelsvolumen (Summe der Im- und Exporte von Waren und Dienstleistungen), Ausländische Direktinvestitionen
3.  „Technologische Vernetzung“: Anzahl Internet User, Anzahl Internet Hosts, Anzahl sicherer Server
4.  „Soziale Integration“: Internationale Reisetätigkeit und Tourismus, Internationaler Telefonverkehr, Persönliche Überweisungen von Geldbeträgen



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