Outsourcing des Anschlussnetzes führt zu Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent
A.T. Kearney untersucht Outsourcing von Netzbetrieb und Netzwartung europäischer und internationaler Festnetzbetreiber

Düsseldorf, 11. Mai 2005
Für Mobilfunknetzbetreiber ist es bereits seit längerem übliche Praxis – nach einer Analyse der internationalen Top-Managementberatung A.T. Kearney gehen jetzt auch vermehrt Festnetzbetreiber dazu über, Netzbetrieb und Netzwartung an einen externen spezialisierten Dienstleister auszulagern. Nicht ohne Grund: Insbesondere der Betrieb und die Wartung des An¬schlussnetzes mit den Teilnehmeranschlussleitungen, bisher ureigenste Kern¬kompetenz des Netzbetreibers, sind die größten Kostenverursacher. Berech¬nungen von A.T. Kearney zufolge könnten europäische Festnetzbetreiber durch eine kontrollierte Auslagerung dieser Leistungen durchschnittlich bis zu 30 Prozent der in diesem Bereich verursachten Betriebskosten einsparen, ihre Innovationsleistung steigern, Kundenbedürfnisse besser bedienen und somit die eigene Position im hart umkämpften Festnetzmarkt festigen.
„Festnetz-Outsourcing-Projekte wie bei der schwedischen TeliaSonera, der tschechischen Cesky Telecom, Telecom New Zealand, Telemar Brazil oder Brazil Telecom sind die Vorboten eines Trends, der sich vor dem Hintergrund des verschärften Wettbewerbs bald auch im Festnetzmarkt branchenweit etablieren könnte. Angesichts der zunehmenden Konkurrenz durch alternative Anbieter von DSL-, VoIP-, Kabel-, Mobilfunk- oder Call-by-call-Produkten für internationale, Long-Distance- sowie jetzt auch Ortsnetz-Gespräche sind Umsatz¬rückgänge bei den Festnetzbetreibern nahezu vorprogrammiert“, erklärt Hagen Götz Hastenteufel, Principal im Bereich Communications und Hightech bei A.T. Kearney: „Die durch das Outsourcing des Netzbetriebs möglichen erheblichen Kosteneinsparungen können den Netzbetreibern nicht nur helfen, ihre Margen bei rückläufigen Umsätzen zu halten. Sie schaffen auch neue finanzielle Freiräume für Produktinnovationen und Marketing, um so die Marktposition zu stärken oder auch verlorene Umsatzanteile wieder zurück zu gewin¬nen.“
Im Zentrum der aktuellen Outsourcing-Projekte stehen vor allem der Betrieb sowie Wartung und Reparatur des Anschlussnetzes. Hier sind nicht nur die Kosten, sondern auch die Einsparpotenziale besonders hoch: Das Anschlussnetz, über das letztlich jeder Teilnehmer physikalisch an das Netz angeschlossen wird, ist der am stärksten dezentralisierte Bereich des Netzbetreibers und repräsentiert den größten Kostenblock des Festnetzbetreibers. Zum einen liegt der Anteil der Kosten dieses Bereichs an den gesamten operativen Betriebsausgaben (OPEX) durchschnittlich zwischen zehn und 20 Prozent. Zum anderen ist auch der Personalkostenanteil höher als in allen anderen Unter¬nehmensbereichen: Die Personalkosten im Anschlussnetz-Bereich machen durch¬schnittlich zwischen 50 und 60 Prozent des Bereichs-OPEX aus. Der Anteil der in diesem Bereich beschäftigten Mitarbeiter an der Gesamtbelegschaft liegt zwischen 30 und 40 Prozent.
„Die durch die Auslagerung von Betriebs- und Wartungsleistungen möglichen effektiven Einsparungen liegen im Durchschnitt zwischen 20 und 30 Prozent der gesamten ausgelagerten Kosten“, berichtet Hastenteufel. Diese massiven Kosten¬reduzierungen erklären sich vor allem aufgrund der besonderen Möglichkeiten des Outsourcers: Während die Festnetzanbieter meist nur auf interne Prozess-Optimierungen zurückgreifen können, haben die Outsourcer die Möglichkeit, durch internationales Know-how, Skaleneffekte bei der Materialbeschaffung sowie durch die mehrfache Nutzung des technischen Außendienstes auch für andere Kunden Kostensenkungen weit jenseits der Möglichkeiten der Netz¬betreiber zu erzielen.
Neupositionierung als kundenzentrierter Anbieter
Neben der effektiven Kostenreduzierung hat das Outsourcing des Netzbetriebs auch einen weit reichenden strategischen Effekt, da die Kernkompetenzen des Unternehmens neu definiert werden: Statt Betrieb, Service und Wartung liegt die Kernkompetenz des Festnetzanbieters nach dem Outsourcing in der Netzplanung, -entwicklung und -investition, Produktentwicklung und -vermarktung, Netz¬management sowie Billing und Kundenservice. Der Festnetzanbieter verschiebt seinen unternehmensinternen Schwerpunkt somit von technischen hin zu kunden¬orientierten Funktionen. Er stellt sich – schon rein äußerlich durch den Übergang von 30 bis 40 Prozent der Mitarbeiter an den zukünftigen Dienstleister – als kundenzentrierter Anbieter neu auf. Das Top-Management des Unternehmens kann sich – von technischen Problemen befreit – nun ganz den kundenorientierten Fragestellungen widmen. Die Auslagerung an den Outsourcer hat mit Blick auf den Kundenservice dabei den zusätzlichen Vorteil, dass durch die Variablisierung der Kostenstruktur sowie durch mit Pönalen erzwingbare Qualitätszusicherungen schneller auf Kundenbedürfnisse reagiert werden kann.
Diese Umgestaltungsprozesse leisten schließlich auch in ihrer Außenwirkung einen wichtigen Beitrag zur Unternehmenswicklung: Die Fokussierung auf die Kernkompetenzen und die Neupositionierung als kundenzentriertes Unternehmen wird von den Finanzmärkten begrüßt und üblicherweise mit deut¬lichen Kursanstiegen belohnt, die nach Erfahrung von A.T. Kearney bis zu 20 Prozent ausmachen können.
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist dabei jedoch die gezielte Vorbereitung und Kontrolle des Outsourcing-Prozesses: „Der Verlust der Prozesskontrolle und die zunehmende Abhängigkeit vom Dienstleister erfordern als Ausgleich präzise Prozess-Definitionen, Service-Level-Agreements und Key-Performance-Indikatoren“, rät Urs Müller, Senior Consultant im Bereich Communications und Hightech bei A.T. Kearney. „Da das Anschlussnetz die direkte Schnittstelle zum Kunden bildet, müssen hohes Qualitätsniveau und enge Dienstkontrolle gewährleistet sein, beispielsweise durch einen bindenden Code of Conduct auf Seiten des Outsourcers oder auch durch Einrichtung einer Beschwerde-Hotline. Auch müssen präzise Regelungen im Vertragswerk enthalten sein, um dem potenziellen Missbrauch sensibler Kunden- oder Netzdaten durch den externen Dienstleister vorzubeugen. Und schließlich müssen von Beginn an bereits genaue Konditionen für die Rückführung der Mitarbeiter und der Infra¬strukturen festgelegt werden – denn die Outsourcing-Entscheidung muss jederzeit reversibel bleiben.“
Eine Kurzfassung der Analyse ist über die A.T. Kearney-Pressestelle erhältlich. |