Deutsche Automobilbranche nicht in allen Bereichen gut aufgestellt
A.T. Kearney: Automobilindustrie führend im produzierenden Gewerbe – Defizite durch Überkapazitäten und Kostendruck

Düsseldorf, 18. August 2004
Deutschlands Automobilindustrie nimmt im Hinblick auf die Effektivität im Branchen-Vergleich weiterhin die Führungsrolle ein, doch gibt es noch immer deutlichen Verbesserungsbedarf: Während die Automobilzulieferer beim Bestandsmanagement sowie bei den Gewährleistungs- und Qualitätskosten Spitzenreiter sind, offenbaren sich bei einigen Unternehmen vor allem beim Einkauf und bei den Überkapazitäten in der Produktion noch Defizite. Zu diesem Ergebnis kommt die Top-Managementberatung A.T. Kearney in einer Analyse der operativen Leistungen bei produzierenden Unternehmen. Der wichtigste Hebel, um die Wettbewerbsposition der Automobilbranche zu verbessern, liegt gemäß der Analyse im konsequenten Auf- und Ausbau kollaborativer Strukturen.
Zwar liegen die Automobilzulieferer im Branchenvergleich sowohl im Spitzen- als auch im Mittelfeld weit vorne, doch offenbarte der Wettbewerb innerhalb der Zulieferbranche auch noch signifikantes Verbesserungspotenzial, um die Lücke zum Spitzenfeld zu schließen. „Der jährlich von der Top-Managementberatung A.T. Kearney durchgeführte Wettbewerb ’GEO-AWARDSM die Fabrik des Jahres’ ist nicht nur einer der härtesten Benchmark-Tests für produzierende Unternehmen, sondern bietet gleichzeitig auch regelmäßig die Chance zu Branchenvergleichen, um bisher ungenutzte Potenziale zu identifizieren“, erklärt Bernd Kreutzer, der als Vice President bei A.T. Kearney für die Automobilindustrie in Zentraleuropa verantwortlich ist. Die Wertung erfolgt über insgesamt 17 Bewertungsdimensionen und 28 Erfolgskriterien. „Hier zeigte sich, dass innerhalb der Automobilzulieferindustrie aber auch im Branchenvergleich bei sieben Kriterien erhebliche Leistungsunterschiede bestehen“, so Kreutzer.
Überkapazitäten müssen abgebaut werden
So besteht beispielsweise bei der Anlageneffektivität und bei der Produktivität der Mitarbeiter Nachholbedarf: Zwar konnten die Automobilzulieferer durch verringerte Rüst- und Störzeiten eine höhere Personalauslastung als andere Branchen erzielen, doch haben sie noch immer mit signifikanten Überkapazitäten in der Produktion zu kämpfen.
Bei den Instandhaltungskosten liegt die Automobilzulieferindustrie im Branchenvergleich vorn. Dies erreicht sie durch einen optimalen Mix von reaktiven und vorbeugenden Instandhaltungsmaßnahmen. Dagegen sieht Kreutzer Defizite bei der Effizienz der Werkslogistik: „Beim Logistikaufwand besteht gerade im Mittelfeld erhebliches Verbesserungspotenzial gegenüber den führenden Unternehmen.“
Spitzenleistungen erreicht die Automobilbranche bei den Gewährleistungs- und Qualitätskosten. Durch den konsequenten Einsatz von präventiven Maßnahmen konnten die externen Fehlerkosten in der Automobilindustrie drastisch reduziert werden. Verbesserungspotenzial besteht dagegen noch beim Prüf- und Nacharbeitsaufwand. Handlungsbedarf gibt es auch bei der Einkaufsleistung der Branche. „Zwar erreichen die Spitzenreiter der Branche mehr als die bislang üblicherweise von ihren Kunden geforderte Kostenreduktion von drei Prozent“, erläutert Lars Stolz, Manager und Kostensenkungsexperte bei A.T. Kearneys Automotive Practice, „doch können sie die inzwischen bereits geforderten Kostenreduktionen von fünf bis sieben Prozent noch nicht erreichen.“
Chancen durch unternehmensübergreifende Zusammenarbeit
Die beste Chance, um die Wettbewerbsposition der Automobilbranche zu verbessern, liegt in kollaborativen Strukturen, betont Stolz: „Schon bei der Reduktion der Einkaufskosten konnten die besten Effekte durch unternehmensübergreifende Prozesse erzielt werden.“ Das gilt auch für den Bereich Supply Chain Management. Hier konnten die Zulieferer den Just-In-Time-Anteil ihrer Lieferanten weiter vergrößern und so ihre Vorreiterstellung durch ein verbessertes Bestandsmanagement in der Produktion weiter ausbauen.
„Getrieben durch den operativen Druck zur Spitzenleistung seitens ihrer Abnehmer nimmt die Automobil-Zulieferindustrie weiterhin eine Leitfunktion unter den produzierenden Unternehmen ein“, resümiert Kreutzer: „Allerdings müssen gerade die Unternehmen, die nicht zum Spitzenfeld zählen, weiter konsequent an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten.“
Seit 1992 sucht die Top-Managementberatung A.T. Kearney jedes Jahr im Wettbewerb um den GEO-AWARDSM die Fabrik des Jahres. Seit langem gilt dieser Wettbewerb als einer der härtesten Benchmark-Tests für produzierende Unternehmen. Unternehmen der Automobilbranche stellen regelmäßig nicht nur eine signifikante Zahl der Bewerber für diesen Preis der produzierenden Industrie, sondern sind auch stets unter den Siegern vertreten. So konnte sich im aktuellen Wettbewerb die Siemens VDO Automotive AG, Babenhausen, als Fabrik des Jahres qualifizieren.
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