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Profitabilität und Wachstum durch dynamische Fusionen
Studie von A.T. Kearney und der European Business School: „Excellence in Merger Integration“ bei deutschen Banken

Frankfurt, 26. Mai 2004

Der geringe Konsolidierungsgrad des deutschen Bankenmarktes ist einer der wichtigsten Gründe für die mit weniger als fünf Prozent Return on Equity (RoE) nach wie vor mangelnde Profitabilität deutscher Banken. Um durch Zusammenschlüsse wieder internationale Standards zu erreichen, müssen Fusionsstrategien und -praktiken gründlich überdacht werden. Das zeigt eine aktuelle Studie, die die Top-Managementberatung A.T. Kearney gemeinsam mit der European Business School (ebs) durchgeführt hat. Die zentralen Fusionsziele, Verbesserung der Profitabilität und signifikante Wertsteigerung, wurden nur bei etwa einem Drittel der untersuchten Fusionen tatsächlich erreicht. Die wichtigsten Gründe dafür liegen laut der Studie in der mangelnden Dynamik bei der Fusionsarbeit. Die Chance, Zusammenschlüsse auch für notwendige Strukturveränderungen und zur Optimierung zu nutzen, wird oft vertan.

„Für deutsche Banken ist es wichtiger als je zuvor, durch Fusionen nicht nur größer, sondern auch profitabler zu werden. Um im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen zu können, ist überdurchschnittliches profitables Wachstum als ein zentrales Unternehmensziel unerlässlich“, sagt Kirsten Bremke, Principal bei A.T. Kearney und einer der Autoren der Studie. „Entsprechend wurde die Notwendigkeit zum externen Wachstum grundsätzlich erkannt, das Konsolidierungspotenzial im deutschen Bankenmarkt jedoch bis heute nicht konsequent genutzt“.

Niedriger Konsolidierungsgrad im deutschen Bankwesen

„Unsere Untersuchungen zeigen eine enge Verbindung zwischen Profitabilität und Konsolidierungsgrad im Bankensektor. Dabei belegt Deutschland in beiden Fällen im internationalen Vergleich einen der hintersten Plätze“, erläutert Dirk Schiereck, Professor an der ebs und Mitautor der Studie. Die deutschen Banken verzeichnen eine durchschnittliche Profitabilität – Return on Equity (RoE) – von unter fünf Prozent. Gleichzeitig beherrschen die fünf größten deutschen Banken nur rund 20 Prozent des Marktes. Ein Blick ins Ausland zeigt: Mit steigendem Marktanteil der jeweils fünf größten Banken steigt auch die durchschnittliche Profitabilität: So beträgt der Marktanteil der Top-Five-Banken in Frankreich beispielsweise rund 45 Prozent bei einem durchschnittlichen RoE von rund elf Prozent und in Spanien rund 55 Prozent bei einem RoE von rund 14 Prozent. Spitzenreiter in diesem Konsolidierungsranking sind die Niederlande mit einem RoE von 18 Prozent und einem Marktanteil der Top-Fünf Banken von über 80 Prozent. „In heute stark konsolidierten Ländern hat die Konsolidierungswelle bereits vor mehr als zehn Jahren begonnen, wobei die jeweilige Konsolidierungsgeschwindigkeit natürlich von landesspezifischen politischen und strukturellen Rahmenbedingungen abhängig ist“, ergänzt Bremke: „Die trotz vergleichsweise geringem Konsolidierungsgrad profitablen ’Ausreißer’ USA und Großbritannien lassen sich unter anderem mit der langjährigen Shareholder Value-Tradition in diesen Ländern erklären.“

Zentrales Ziel: Steigerung des Unternehmenswertes

Zwar hat sich die Zahl der deutschen Banken seit 1999 – vornehmlich durch Fusionen und Akquisitionen (M&A) – bereits um mehr als 25 Prozent von rund 3.000 auf derzeit rund 2.200 verringert, doch nur wenige Fusionen führen zum einvernehmlich erklärten Ziel eines Zusammenschlusses: der Steigerung des Unternehmenswertes. Die Erfahrung zeigt, dass nur knapp ein Drittel der Fusionen zu einer deutlichen Wertsteigerung von mehr als 15% führt: „Um die angestrebte Wertsteigerung zu erreichen, muss der Integrationsprozess schneller abgewickelt werden sowie noch stärker intern und extern als Auslöser für Strukturveränderungen und Optimierung genutzt werden“, erläutert Bremke eines der zentralen Ergebnisse der Studie.

Faktor Zeit und Kommunikation

Die befragten Banken schätzen die Umsetzungsgeschwindigkeit für den Erfolg einer Fusion als sehr wichtig ein: Erfahrungsgemäß sind mehr als 80 Prozent der Wertgenerierung im ersten Jahr zu realisieren. Um dies zu ermöglichen, fokussieren 71 Prozent der befragten Banken auch auf „Integration vor Optimierung“. „Dennoch dauert der Fusionsprozess in Deutschland mit über zwei Jahren noch viel zu lang“, sagt Christian Röckemann, Principal bei A.T. Kearney und Mitautor der Studie. „Insbesondere Personalsynergien werden in vielen Fusionen nur langsam realisiert.“

Die zentrale Botschaft an die Bank-Kunden lautet meist: „Business as usual“. Darüber hinaus wird der Weg der Kommunikation intern wie extern so persönlich wie möglich gestaltet. In der Integrationsphase kommt der Kommunikation mit dem Kunden eine zentrale Bedeutung zu – sie hat absolute Top-Management-Priorität: „Die Potenziale durch die Optimierung des Kundenportfolios werden jedoch nur eingeschränkt realisiert“, bescheinigt Schiereck den deutschen Banken. Im Hinblick auf die unternehmensinterne Kommunikation gilt: „Nur klare Entscheidungen und eine offene Kommunikation nach innen und außen sichern das Momentum der Veränderung. Dem fusionstypischen Stimmungstief sollte durch effektive Kommunikation, Kultur- und Personalintegration erfolgreich entgegengewirkt werden“, nennt Röckemann weitere operative Erfolgsfaktoren von Fusionen. „Lieber zu viel als zu wenig – vor allem auch ganz persönlich – kommunizieren, nur so können verschiedene Unternehmenskulturen verstanden und integriert werden.“

Dynamische Integration

Zusammenfassend lassen sich laut Röckemann folgende Handlungsempfehlungen für die deutschen Banken ableiten: „Im Mittelpunkt eines jeden Fusionsmanagements sollte das konsequente Nutzen von Synergien in allen Handlungsdimensionen liegen. Dabei ist das erste Jahr entscheidend. Hier gilt es vor allem, zukünftige Leistungsträger früh zu identifizieren und in den Prozess einzubinden.“

Grundlage der Studie „Excellence in Merger Integration“, die A.T. Kearney zusammen mit der ebs erstellt hat, sind über 20 umfassende Experteninterviews mit Vertretern aller drei Banksektoren in Deutschland, die 40 Prozent der bedeutendsten Bankenfusionen in den letzten drei Jahren und 40 Prozent der 25 größten Banken repräsentieren sowie umfangreiche Projekterfahrungen und globale Analysen.

Eine Kurzfassung der Studie ist über www.atkearney.de verfügbar.

Über A.T. Kearney und die European Business School

A.T. Kearney (www.atkearney.de) ist eines der größten internationalen Top-Management-Beratungsunternehmen. A.T. Kearney bietet seinen Klienten das gesamte Spektrum strategischer und operativer Beratung und bereitet Unternehmen auf die neuen Herausforderungen von technologischer Innovation, Globalisierung und E-Business vor. Zu unseren Klienten gehören globale Großkonzerne wie nationale Unternehmen aller Wirtschaftszweige, Industrien und Dienstleister des öffentlichen und privaten Sektors. Die Financial Institutions Group berät Finanzdienstleister auf allen relevanten Geschäftsfeldern von Banken, Near-Banks, privaten und öffentlich-rechtlichen Versicherern und Krankenkassen sowie Rückversicherern. A.T. Kearney wurde 1926 in Chicago gegründet und beschäftigt heute rund 4.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern der Welt.

Über European Business School (ebs)

Die EUROPEAN BUSINESS SCHOOL International University Schloß Reichartshausen (ebs) ist die älteste staatlich anerkannte private Wissenschaftliche Hochschule für Betriebswirtschaftslehre in Deutschland. Ziel war von Anfang an die auf wissenschaftlicher Basis beruhende, praxisbezogene Ausbildung von qualifiziertem Führungsnachwuchs durch ein international ausgerichtetes Studium der Betriebswirtschaftslehre. Die Erfüllung dieses Anspruchs wird durch eine enge Partnerschaft mit zahlreichen Unternehmen gewährleistet. Inzwischen haben mehr als 3.000 Studenten ein Studium an der ebs abgeschlossen. Viele von ihnen nehmen heute Management-Funktionen im In- und Ausland wahr.


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