A.T. Kearney-IT-Effektivitäts-Studie: Durch mangelnde Nutzung der IT verschenken Mobilfunkunternehmen in Europa jährlich Gewinnpotenziale von fünf Milliarden Euro. Zentralisierung und Outsourcing nur bedingt erfolgsversprechend. IT kann Mobilfunkunternehmen zu neuen Höhenflügen verhelfen Düsseldorf , 06. Dezember 2011
Europäische Mobilfunkunternehmen lassen pro Jahr ein Gewinnpotenzial von knapp fünf Milliarden Euro ungenutzt, weil sie die Möglichkeiten moderner IT-Systeme nur bedingt nutzen. Obwohl die IT mit etwa nur 4 bis 5 Prozent ein kleiner Kostenblock der Mobilfunkunternehmen darstellt, bietet sie Möglichkeiten, den Gewinn nach Steuern und Abschreibungen (EBIT) um fast 20 Prozent zu steigern. Das belegt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Die wichtigsten Hebel zur Optimierung des Profits sind leistungsfähige Applikationen, mit denen der Umsatz gesichert und gesteigert werden kann. Dazu zählen Billing- und CRM-Systeme sowie IT-Lösungen zur Reduktion von Geschäftsprozesskosten, wie zum Beispiel zur Wartung und Instandhaltung im Netzbereich. Zudem bieten sich auch enorme Potenziale, die IT-Kosten selbst weiter zu reduzieren.
Mobilfunkunternehmen in Europa sehen sich mit einem stetig wachsenden Wettbewerbsdruck konfrontiert. Vor allem in den reifen, gesättigten mitteleuropäischen Märkten sinken seit einigen Jahren die Gewinnmargen. „Die Ursache dafür sind sinkende Umsätze, die nicht durch weitere Effektivitätssteigerungen im Bereich des Vertriebs- und Kundenmanagements sowie im Netzwerkbereich kompensiert werden können“, erklärt Dr. Marcus Eul, Partner für Strategisches IT-Management bei A.T. Kearney.
So ist der Umsatz pro Kunde seit 2006 um durchschnittlich 6 Prozent pro Jahr gefallen. Gleichzeitig konnten die indirekten Kosten und Abschreibungen pro Kunde in den letzten Jahren durchschnittlich nur um 5 Prozent gesenkt werden.
„Auf der Grundlage unseres ‚Global Cost Benchmarking for Telecoms‘ haben wir untersucht, welche Rolle die IT der Mobilfunkunternehmen vor diesem Hintergrund spielt“, sagt Eul: „Mit einer gut funktionierenden IT-Landschaft können Unternehmen diesem Trend entgegenwirken. Die IT kann sowohl die Umsatz- wie auch die Kostenseite des Unternehmens extrem positiv beeinflussen.“
So könnte in Europa durch konsequente Ausnutzung aller IT-Potenziale der Gewinn in Summe um knapp fünf Milliarden Euro gesteigert werden.
Optimierung durch IT: Gute Hebel – schlechte Hebel
Die Ausgaben für die Unternehmens-IT und der Umsatz pro Kunde hängen direkt miteinander zusammen: Mit zunehmenden IT-Ausgaben insbesondere für Vertriebssysteme steigt auch der Kundenumsatz. „Die IT kann als Werttreiber für Mobilfunkunternehmen in gesättigten Märkten fungieren und dabei helfen, bestehende Umsätze zu sichern sowie neue Umsatzpotenziale zu realisieren“, so Axel Freyberg, Partner bei A.T. Kearney im Bereich Telekommunikation.
Billingsysteme, die die flexible Einrichtung markenkonformer Tarife und ihre Abrechnung ermöglichen, gehören ebenso dazu wie CRM-Systeme, die die passgenaue Informationen im „Kampf“ um die Kunden in gesättigten Märkten liefen: „Dabei bedeuten natürlich IT-Investitionen nicht auch automatisch mehr Umsatz. Der Schlüssel zum Erfolg liegt vor allem darin, die Vertriebsprozesse durch maßgeschneiderte IT-Lösungen zu unterstützen.“
In den meisten Unternehmen ist der Wertbeitrag der IT offensichtlich – und hat einen positiven Einfluss auf Effektivität und Effizienz der Geschäftsprozesse. Das gilt für alle Unternehmensbereiche – also auch für sogenannte Commodities wie Einkauf und Buchhaltung, die über eine integrierte Anwendung signifikant an Effizienz gewinnen. Da die meisten Unternehmensprozesse in gesättigten Märkten bereits optimiert und automatisiert wurden, sind weitere Nutzensteigerungen nur durch besonders innovative Lösungen möglich. So kann eine leistungsfähige Anwendung zur Wartung und Instandhaltung im Netzbereich mit Kernsystem und mobilen Frontends innovative Organisationsformen wie zum Beispiel den sogenannten „Start aus der Fläche“ ermöglichen. Diese Kombination aus Backend und mobilem Frontend reduzieren die Büropräsenz der Wartungstechniker und erhöhen die zur Wartung verfügbare Zeit – sprich die Effektivität. Insbesondere die Varianz der Geschäftsprozesskosten wird durch eine Erhöhung der IT-Kosten deutlich vermindert.
Optimierung in der IT: was wirklich hilft
Die oft zitierte Annahme „Zentralisierung plus Outsourcing führt zu niedrigen IT-Kosten“ bestätigt die A.T. Kearney-Studie nicht und zeigt eine nur geringe Korrelation. „Bisher war man davon ausgegangen, dass vor allem Mobilfunkgruppen durch eine konsequente Zentralisierung ihrer IT Synergien und weitreichende Einsparungen realisieren können. Mit unseren Analysen können wir diese Potenziale jedoch nicht bestätigen“, so Eul „Allerdings sinkt die Kostenvarianz mit zunehmenden Zentralisierungsgrad. Eine IT-Zentralisierung bringt nur dann etwas, wenn Doppelfunktionen wirklich resolut vermieden werden.“ Gleiches gilt für das Outsourcing von IT-Systemen: Während beim PC-Support und im Rechenzentrum eine direkte Wechselwirkung erkennbar ist, fehlt diese in der Anwendungsentwicklung völlig. Outsourcing ist kein Allheilmittel.
Dass eine Standardisierung der Systemlandschaft nachweislich positiven Einfluss auf die IT-Kosten ausübt, können die A.T. Kearney-Experten dagegen mit ihrer Analyse bestätigen. So sinken die Applikationskosten mit einem höheren Anteil von Standard-Paketen. Zusätzlich sinkt auch die Varianz der IT-Kosten durch eine standardisierte Applikationslandschaft (ERP-, CRM- sowie Billing-Systeme). „Eine Standardisierung der Applikationslandschaft kann jedoch nur erzielt werden, wenn dieses Ziel auch in der IT-Strategie verankert ist“, erläutert Alexander Menke, Co-Autor der Studie und Berater bei A.T. Kearney.
Werden Standardisierung und Outsourcing in dieser Reihenfolge kombiniert, können beachtliche Erfolge erzielt werden. „Bei einem höheren Outsourcing-Grad konnten wir nur dann positive Effekte identifizieren, wenn gleichzeitig der Standardisierungsgrad hoch ist“, so Menke.