A.T. Kearney-Studie untersucht „Weighted Average Cost of Capital“ (WACC) von 125 nachhaltigen Firmen aus dem Dow Jones Sustainability Index (DJSI)
Nachhaltige Unternehmen profitieren von geringeren Kapitalkosten

Düsseldorf, 27. November 2009
In 10 von 16 Branchen sind die durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) nachhaltiger Unternehmen deutlich niedriger als die entsprechenden Kosten von Wettbewerbern, die nicht als nachhaltig eingestuft werden. Besonders in Industriebranchen mit hohem Energieeinsatz wie Versorgern, Bau, Fluglinien, Chemie oder Transport haben nachhaltige Unternehmen deutliche Vorteile von bis zu 2,9 Prozentpunkten bei den Kapitalkosten. Das geht aus einer aktuellen Studie der Top-Managementberatung A.T. Kearney hervor. Auch in konsumentennahen Branchen wie Pharmazie, Handel, Haushaltswaren, Telekommunikation oder Ernährung existieren Kapitalkostenvorteile, die immerhin noch etwa 0,5 Prozentpunkte ausmachen. Unter den wenigen Branchen, in denen nicht nachhaltige Unternehmen einen Kapitalkostenvorteil besitzen, sticht bezeichnenderweise die Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie heraus. In Summe entfallen auf die 15 je Industrie größten nicht nachhaltigen Unternehmen in Summe um 33 Milliarden Euro höhere Kapitalkosten als auf ihre nachhaltigen Wettbewerber.
„Gerade in Krisenzeiten spielt das Thema Kapitalkosten sowohl für das laufende Geschäft als auch für Investitionen von Unternehmen eine zentrale Rolle. Dabei zeigt sich, dass das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ offenbar einen immer größeren Stellenwert einnimmt“, sagt Dietrich Neumann, Zentraleuropachef von A.T. Kearney: „Unsere Kapitalkosten-Analyse belegt, dass nachhaltige Unternehmen meist eine bessere mittelfristige Performanceperspektive besitzen und ein geringeres Geschäftsrisiko aufweisen. Nachhaltigkeit geht längst über das Thema Umweltfreundlichkeit hinaus.“
Nachhaltige Unternehmen mit besserer Finanzmarktperformance
Nachhaltige Firmen haben in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise sogar einen doppelten Vorteil gegenüber ihren Wettbewerbern. Als die Krise im Spätsommer 2008 akut wurde und die Aktienkurse einbrachen, zeigte sich bei den nachhaltigen Unternehmen ein deutlich geringerer Rückgang. Bis zum Jahresanfang verlieren die großen, nicht nachhaltigen Firmen fast 50 Prozent ihrer Marktkapitalisierung, die nachhaltigen Firmen lediglich 43 Prozent. Damit hat im Durchschnitt jedes der 186 untersuchten nicht nachhaltigen Unternehmen 1,9 Milliarden Euro Marktkapitalisierung mehr verloren als seine nachhaltigen Wettbewerber. „Die Kapitalmärkte bringen nachhaltigen Unternehmen offenbar mehr Vertrauen entgegen“, sagt Dr. Otto Schulz, Partner bei A.T. Kearney und Autor der Studie: „Das besondere Augenmerk nachhaltiger Firmen auf erfolgreiche Managementmethoden, Fairness, Transparenz, verantwortungsvollen und sparsamen Einsatz von Ressourcen wird belohnt – nachhaltigen Firmen wird eher zugetraut, die Krise zu meistern. Nachhaltigkeit ist schon längst kein Luxusthema für Schönwetterkapitäne, sondern hilft den Unternehmen dabei, sich in der Krise wetterfest zu machen.“
Methodik und Ergebnisse
Grundlage der Untersuchungen ist der Vergleich der Kapitalkosten im Juni 2009 im Sinne der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten, „Weighted Average Cost of Capital“ (WACC) von 125 nachhaltigen Firmen aus dem Dow Jones Sustainability Index (DJSI) mit den größten Firmen in der jeweiligen Industrie, gemessen am Umsatz (bei Autoherstellern: Stückzahl, bei Banken: Bilanzsumme). Insgesamt umfasst die Vergleichsgruppe 186 Unternehmen. In 10 der 16 Industrien waren die WACCs der nachhaltigen Firmen deutlich > 0,4% günstiger als bei den nicht nachhaltigen Firmen. In drei Industrien ließ sich kaum Unterschiede feststellen (+/- 0,1%). In drei Industrien lagen die Vorteile bei den nicht nachhaltigen Firmen (Bekleidung und Mode, Banken, Luftfahrt und Verteidigung).
Gewichtete durchschnittliche Kapitalkosten (WACC) nach Industrien
(Differenz zwischen nachhaltigen und nicht nachhaltigen Unternehmen pro Branche)
1. Energie: 2,9%
2. Bau: 2,3%
3. Fluglinien: 1,4%
4. Chemie: 0,9%
5. Transport: 0,8%
6. Pharmazie und Medizintechnik: 0,8%
7. Elektronik: 0,7%
8. Handel: 0,6%
9. Haushaltswaren: 0,5%
10. Telekommunikation: 0,4%
11. Ernährung und Tabak: 0,1%
12. Versicherungen: +/- 0%
13. Automobilindustrie: -0,1%
14. Bekleidung und Mode: -0,5%
15. Banken: -0,7%
16. Luftfahrt und Verteidigung: -1,3% |